Märklin-Insolvenz: Besser als nichts

KommentarMärklin-Insolvenz: Besser als nichts

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Hans-Jürgen Klesse

von Hans-Jürgen Klesse

Einen Investor hat der Märklin-Insolvenzverwalter nicht gefunden – jetzt will der Göppinger Modellbahnhersteller mit Unterstützung seiner Gläubiger aus eigener Kraft die Krise überwinden. Das ist nicht das, was die Beteiligten sich erhofft hatten - aber besser als nichts. Die Krise endgültig überwunden hat das Unternehmen aber noch längst nicht. Ein Kommentar von Hans-Jürgen Klesse.

Fast 420 Euro kostet die Märklin-Schlepptender-Schnellzuglokomotive der Baureihe 01 118. Das Original war seit 1925 auf den Schnellverbindungen der damaligen Deutschen Reichsbahn unterwegs und in der DDR sogar noch bis 1982 im Einsatz. Das HO-Modell der mächtigen Dampflok gehört zu den Neuheiten dieses Jahres – doch im Moment ist es "Vorübergehend nicht lieferbar", wie eine kleine gelbe Ampel auf der Märklin-Homepage signalisiert. Kein Einzelfall: Bei vielen Loks, Waggons oder auch bei ganzen Zugpackungen, die zum Teil weit über 1000 Euro kosten, ist der Modellbahnbauer derzeit nicht lieferfähig – obwohl rund ein Drittel der Umsätze im Weihnachtsgeschäft gemacht werden.

Der heutige Beschluss der Märklin-Gläubigerversammlung ist der erste Schritt, damit sich das ändert. Die seit Februar 2009 währende Phase der Insolvenz hat dem zahlungsunfähigen Unternehmen zwar eine Gnadenfrist verschafft, zugleich aber den Weg in die Zukunft erschwert. Händler wie Zulieferer des Göppinger Spielwarenherstellers haben sich nämlich mit Investitionen für die Marke Märklin zurückgehalten, so lange unklar war, was mit dem Traditionsunternehmen passiert – und das war für Märklin mit beträchtlichen Umsatzeinbußen verbunden. Diese Phase ist jetzt vorbei: Fast einstimmig haben die 1349 Gläubiger dem Ende der Insolvenz zugestimmt, rund 33 Millionen Euro der auf insgesamt 61 Millionen Euro bezifferten Forderungen werden bezahlt.

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Märklin ist unverkäuflich

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass Insolvenzverwalter Michael Pluta keinen Investor für das Unternehmen gefunden hat. Im März 2009 hatte Pluta noch vollmundig verkündigt, er habe mehr als 100 Interessenten an der Hand. Rund ein Dutzend brächten die nötigen Voraussetzungen und die erforderlichen Finanzmittel mit, um das zuvor durch falsche Entscheidungen der Eigentümer und nutzlose, dafür aber überteuerte Ratschläge von Unternehmensberatern in die Pleite getriebene Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Dieses Versprechen konnte der Insolvenzverwalter nicht halten. Märklin ist – zumindest im Moment – unverkäuflich.

Dabei haben Insolvenzverwalter und Märklin-Management die Zeit der Insolvenz gut genutzt. Sortiment und Organisation wurden gestrafft, zwei der vier Standorte geschlossen, statt 13 Bereichen gibt es nur noch fünf, von drei Geschäftsführern blieb nur noch einer. Besonders große Opfer haben die Beschäftigten geleistet: 400 Arbeitskräfte verloren ihren Job, alle übrigen verzichteten bis 2014 auf Tariferhöhungen und Zulagen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Im Geschäftsjahr 2009 erwirtschaftete Märklin einen Umsatz von rund 110 Millionen Euro und einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von zwölf Millionen. Das reicht, um den Hauptgläubigern – der Investmentbank Goldman Sachs, der Kreissparkasse Göppingen und der Landesbank Baden-Württemberg – rund 45 Prozent ihrer Forderungen zu erstatten. Der Rest – vor allem Lieferanten, der Pensionssicherungsverein und 600 ehemalige und aktuelle Beschäftigten – müssen sich mit zehn Prozent zufrieden geben.

Märklin gehen die Kunden aus

So weit so gut. Was mit dem Gläubiger-Beschluss aber nicht gelöst ist, ist das strukturelle Problem von Märklin. Dem Modellbahnhersteller gehen die Kunden aus. Schon 2007 waren nur noch 15 Prozent der Modellbahn-Käufer Kinder, die meisten Kunden waren schon damals Sammler zwischen 40 und 50 Jahren. Zwar haben die Märklin-Marketingleute versucht, mit preisgünstigen Start-Packungen und neuen Vertriebspartnern wie Aldi Boden bei den jungen Kunden zurückgewinnen. Aber ob das Problem dadurch wirklich gelöst werden kann, ist fraglich – Kinder lassen sich heute nun mal lieber von Video-Spielen faszinieren als von naturgetreu nachgebildeten kleinen Eisenbahnzügen, die immer nur im Kreis fahren.

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