Managementausbildung: Anleitung zum kritischen Denken

Managementausbildung: Anleitung zum kritischen Denken

, aktualisiert 10. Dezember 2011, 11:52 Uhr
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Die neue Elite wird in Hong Kong an der UST Business School ausgebildet.

von Stefani HergertQuelle:Handelsblatt Online

Wirtschaftshochschulen der Welt müssen sich für Politik, Psychologie und Philosophie öffnen, wenn sie angehende Führungskräfte auf die Geschäftswelt vorbereiten wollen. Kritisches Denken ist bisher oft zu kurz gekommen.

DüsseldorfDie Managementausbildung im Jahr 2051: Avatare, die als elektronisches Abziehbild der Studenten an deren Stelle im virtuellen Hörsaal diskutieren, Umweltthemen und Gesellschaftstheorien statt nur betriebswirtschaftlicher Kennzahlen, die Chaos-Theorie als elementarer Bestandteil der Ausbildung an der Wirtschaftshochschule.

Man könnte das als Spinnerei abtun, wäre es nicht Martha Maznevski, Professorin und zugleich Direktorin des Managementstudiengangs Master of Business Administration (MBA) an der renommierten Schweizer Wirtschaftshochschule IMD, die den Blick in die Zukunft gewagt hat. Das praxisnahe MBA-Studium der Eliteschule gilt weltweit als direkter Weg in die Topetage der Wirtschaft.

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Die künftigen MBA-Programme werden mit den heutigen nicht mehr allzu viel gemein haben. Professoren wie David Bach von der IE Wirtschaftshochschule sind überzeugt: „Business-Schools müssen sich öffnen hin zu Politik, Soziologie, Psychologie und Philosophie.“ Kritisches Denken sei bisher oft zu kurz gekommen – aber genau das bräuchten die Manager.

Die Hochschulen wollen echte Führungskräfte ausbilden – und keine Zahlenjongleure, die an starren Schemata und funktionalem Wissen kleben. Die Betriebswirtschaft wird ein wichtiger Teil der Managerausbildung bleiben, das ist klar, ihr Monopol aber wird sie verlieren.

Das Zauberwort heißt Interdisziplinarität. Der Rektor der Berliner Business School ESCP Europe, Ayad Al-Ani, plädiert für Kooperationen und Netzwerke mit Hochschulen für modernes Regieren, mit Fachbereichen für Politik, Geopolitik und Nachhaltigkeitsthemen. „Die Regulierung nimmt zu, Führungskräfte müssen den Kontext verstehen“, sagt Al-Ani. Die Turbulenzen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft werden zum Normalzustand. Oder, wie IMD-Professorin Maznevski es beschreibt, „Chaos und Unsicherheit sind künftig selbstverständlich.“


Jenseits der üblichen Pfade denken

Die geisteswissenschaftliche Fakultät der US-Elite-Universität Brown und die spanische IE Business School haben diese Ideen schon heute in einem gemeinsamen Studiengang umgesetzt, der für erfahrene Manager angeboten wird. Inga Walter studiert seit März in diesem.

Einen klassischen MBA hätte sie nicht gemacht, sagt die 32-Jährige, die in Dubai lebt und dort für die Personalberatung Korn-Ferry International arbeitet: „Die Programme sind standardisiert in ihrem Lehransatz und vermitteln daher kaum neue Denkweisen.“ Dass auch ihr Programm die BWL-Grundlagen enthalte, sei aber sinnvoll um zu verstehen, wie die Wirtschaftswelt funktioniere.

Brown und IE – das seien zwei ganz verschiedene Welten, berichtet Walter. „Die Brown-Professoren bringen uns bei, jenseits der üblichen Pfade zu denken. Kurse in Geschichte, Politik, Kultur und Ethik belegt sie dort. Eine Lehrstunde hat sie besonders beeindruckt: An der Brown diskutierte ihre Klasse einen Nachmittag lang mit dem West-Eastern Divan Orchestra, das israelische, palästinensische, spanische und arabische Musiker kulturelle Gräben überwinden lässt und weltweit Erfolge feiert.

Kulturen zusammenzubringen, das sei auch im Wirtschaftsleben enorm wichtig, sagt Walter. Einen guten Manager zeichneten nicht die technischen Kompetenzen aus, sondern Soft Skills wie soziale Kompetenz, Menschen mitnehmen und mitreißen zu können, Kommunikation, aber auch ein Gespür für Trends und ein Weitblick. „08/15-Business-School-Inhalte helfen da nicht weiter“, sagt sie.

Die Fallstudien, üblicherweise Lehrmethode schlechthin, sind Walter zu oberflächlich. Viel zu vereinfachend, zu weit weg von der Realität und noch immer zu sehr auf die USA fokussiert seien sie, sagen auch Kritiker. Deshalb reduzieren Hochschulen wie das IMD die Zahl der Fallbeispiele, die Studenten sollen stattdessen echte Projekte bearbeiten. Windparks in Australien verbessern – das kann sich Maznevski für ihre MBA-Klasse im Jahr 2051 vorstellen.


Quelle:  Handelsblatt Online
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