
Der Weihnachtsmann kam in diesem Jahr schon im November zu Wendelin Wiedeking: Weil der Porsche-Chef den Eigentümern des Sportwagenbauers einen Rekordgewinn von 5,9 Milliarden Euro präsentierte, überwiesen die ihm zusätzlich zu seinem stattlichen Gehalt von sieben Millionen Euro im Jahr noch eine satte Gewinnbeteiligung von 53 Millionen.
Damit ist Wiedeking nicht nur der höchstbezahlte Angestellte Deutschlands, sondern auch einer der am besten entlohnten Unternehmenslenker weltweit – und damit Symbolfigur in der mit immer härteren Bandagen geführten Debatte um die Gehälter der Top-Manager hierzulande. Mangel an Augenmaß, Raffgier, Selbstbedienungsmentalität und Kumpanei, manchmal auch noch miese Leistungen werfen die Kritiker den Top-Managern vor – selten war das Ansehen deutscher Vorstände schlechter als im Moment.
„Die führen sich auf wie Feudalherren im Mittelalter und bereichern sich auf Kosten der Bevölkerung“, poltert Ekkehard Wenger, BWL-Professor an der Universität Würzburg und gefürchteter Hauptversammlungsredner. Sein Kollege Theodor Baums von der Uni Frankfurt ist zwar etwas konzilianter im Ton. Doch auch er hält „viele deutsche Vorstände in der Spitze für überbezahlt“, die Höhe des Wiedeking-Salärs findet der Aktienrechtler und Experte für Unternehmensverfassung (Corporate Governance) „einfach absurd“.
Die Betroffenen tragen gehörig Mitschuld daran, dass viele von ihnen am Pranger stehen. Noch immer sind die Entscheidungsprozesse, in denen die Top-Gehälter festgelegt werden, wenig transparent – selbst für jene, die die Millionensaläre bezahlen. Kleinaktionäre haben in der deutschen Aktionärsdemokratie so gut wie nichts zu melden, selbst die meisten Aufsichtsräte bleiben bei der Gehaltsfindung außen vor. Interessenkollisionen sind an der Tagesordnung. So laut und populistisch zurzeit auch um die Höhe der Vorstandsbezüge gestritten wird – zweistellige Millionenbeträge, wie Porsche-Chef Wiedeking sie kassiert, sind die Ausnahme und verzerren die öffentliche Wahrnehmung. „Der Großteil der deutschen Vorstände befindet sich im Gleichschritt mit dem allgemeinen Lohn- und Gehaltsniveau“, sagt Alexander von Preen, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum. Ausreißer gibt es aber an der Spitze.
Die Vorstandsgehälter in den Top-100-Unternehmen sind nach der Kienbaum-Studie überdurchschnittlich gestiegen: von 225.000 Euro im Jahr 1977 auf heute 1,8 Millionen. Befeuert wird die gegenwärtige Diskussion aber vor allem von den 30 Dax-Unternehmen. Deren Vorstandsvorsitzende kassierten 2006 durchschnittlich fast fünf Millionen Euro im Jahr. Für Otto Normalverdiener, der sich 2006 mit rund 2200 Euro brutto monatlich begnügen musste, ist das schwer verständlich. Doch die teilweise astronomischen Summen sind in den meisten Fällen das Ergebnis von Angebot und Nachfrage.
„Manager sind ein knappes Gut, und wir stehen dabei in einem globalen Wettbewerb“, sagt Stefan Fischhuber, Partner bei der Personalberatung Heidrick & Struggles. US-Manager verdienen ein Vielfaches von dem ihrer deutschen Kollegen, aber „im europäischen Vergleich liegen die Vorstände deutscher Aktiengesellschaften auf ähnlicher Höhe wie etwa ihre französischen oder britischen Kollegen“, sagt Christiane Hölz, Vergütungsexpertin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Gemessen an dem, was internationale Stars aus Sport, Showgeschäft oder der Filmindustrie kassieren, sind die Einkommen der meisten Dax-Top-Manager ohnehin Peanuts: Germanys-Next-Top-Model Heidi Klum kassiert 5,4 Millionen Euro im Jahr, US-Schauspielerin Angelina Jolie 6,8 Millionen Euro pro Film, das Jahreseinkommen von Profi-Golfer Tiger Woods schätzen Experten auf 68 Millionen Euro – ohne dass daran jemand Anstoß nimmt. Allerdings sind die meisten Celebrities ihr Geld auch wert, weil sie ihren Arbeitgebern und Sponsoren zu hohen Einnahmen verhelfen.
Bei deutschen Vorstandsvorsitzenden ist das nicht immer der Fall. Zu denen zählt Michael Frenzel, Chef des Touristik- und Schifffahrtsriesen TUI. Der dienstälteste Dax-Vorstandsvorsitzende war 2006 mit knapp 2,7 Millionen Euro Jahresverdienst zwar einer der am schlechtesten bezahlten Bosse, er gehört mit einem Jahresverlust von 83 Millionen und einer Schuldenlast von mehr als drei Milliarden Euro aber auch zu den Losern unter den deutschen Konzernherrn. Trotzdem wurde sein Vertrag im November noch einmal um fünf Jahre verlängert. Gestützt wird er vor allem von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat, die bei einer Zerschlagung des Konzerns um ihre Arbeitsplätze fürchten.
Noch schlimmer ist die Bilanz des ehemaligen DaimlerChrysler-Chefs Jürgen Schrempp, der 2002 mit 10,8 Millionen Euro Jahresgehalt der am besten bezahlte deutsche Manager war. Die Fusion mit Chrysler, Mitsubishi und Hyundai stürzte Daimler in eine tiefe Krise, der Aktienkurs fiel in seiner Amtszeit um bis zu 76 Prozent. „Totale Überbezahlung für eine totale Pfeife“, giftet Schrempp-Gegner Wenger. Was den Wirtschaftsprofessor noch mehr auf die Palme bringt: Schrempp bezog auch noch Aktienoptionen, also das Recht, Daimler-Wertpapiere zu kaufen. Dafür zahlte er umso weniger, je weiter der Aktienkurs durch seine verlustträchtigen Entscheidungen fiel.
Während bei der Sanierung des Unternehmens mehrere Zehntausend Arbeitnehmer den Job verloren, wurden Schrempps Optionen mit steigenden Kursen immer wertvoller. Heute dürften sie über 50 Millionen Euro wert sein. Die in Dax-Konzernen üblichen Aktienoptionen gehören deshalb zu den Punkten, an denen Baums besonders scharfe Kritik übt: „Da muss man Mathematik studiert haben, um die Details zu verstehen, die Aufsichtsräte sind damit häufig überfordert.“













