Managerhaftpflicht : Versicherer fürchten Klagewelle gegen Manager

Managerhaftpflicht : Versicherer fürchten Klagewelle gegen Manager

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237 Millionen Euro Schadensersatz fordert MAN vom ehemaligen Chef Hakan Samuelsson und fünf Vorständen.

von Claudia Tödtmann

Infolge der Finanzkrise rollt auf die Versicherer für Manager eine Schadenswelle zu. Gleichzeitig drückt der Kampf um Marktanteile die Prämien auf den niedrigsten Stand aller Zeiten. Darum versuchen Versicherer immer öfter, der Haftung zu entkommen. Für Manager kann das teuer werden.

Auf das Konto der BayernLB geht einer der teuersten Managementfehler der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Vorstand und Verwaltungsrat beschlossen vor vier Jahren, die österreichische Bank Hypo Alpe Adria zu kaufen. Eine überhastete Fehlentscheidung: 3,7 Milliarden Euro Verlust kostete die Bayern das Abenteuer. Von ihrem Ex-Chef Werner Schmidt und dessen sieben alten Vorstandskollegen will die BayernLB nun 200 Millionen Euro Schadensersatz eintreiben. Lässt sich eine Schuld der Manager nachweisen, müsste ihnen beim finanziellen Ausgleich die für solche Situationen von der Bank abgeschlossene Managerhaftpflicht-Versicherung beispringen. Die Police unter Führung des britischen Versicherers XL deckt aber nur 105 Millionen Euro ab. Und ob XL überhaupt zahlt, ist fraglich. Denn falls die Vorstände die Assekuranz bei der jährlichen Vertragsverlängerung nicht über den womöglich eintretenden Schaden informiert haben, kann die sich taub stellen.

Trotz hoher Zahlungen fallen die Prämien

Die Zahl der Managerhaftpflicht-Fälle steigt seit Jahren. Und nun rollt infolge von Finanzkrise und Korruptionsfällen eine neue Schadenwelle auf die Assekuranzen zu. Vorstände hätten riskante oder illegale Geschäfte nicht zulassen dürfen, undihre Aufsichtsräte hätten sie besser überwachen müssen. Bei höheren Zahlungen müssten die Prämien eigentlich steigen, tatsächlich aber fallen sie: Die Preise für D&O-Policen – die Abkürzung steht für Directors and Officers, die Versicherungen werden vom Unternehmen für seine Organe und leitenden Angestellten abgeschlossen – sind so niedrig wie nie. Grund ist der harte Kampf der Anbieter um die Marktanteile. Den Schaden haben die Kunden. Denn höhere Kosten bei niedrigeren Einnahmen können nur funktionieren, wenn der Schutz löchriger ist, als es der Kunde ahnt, oder wenn die Versicherer die betroffenen Manager und Unternehmen in billige Vergleiche zwingen.

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Schon jetzt häufen sich die Fälle, in denen Versicherer mit allen Mitteln versuchen, eine Zahlung zu vermeiden. Auch mittelfristig dürfte es für die Kunden teurer werden: „In den kommenden Jahren werden D&O-Versicherungsprämien gewaltig steigen“, erwartet Michael Hendricks, Jurist und Experte für Managerhaftung. Seine gleichnamige Düsseldorfer Spezial-Beratung betreut gut zehn Prozent der D&O-Policen in Deutschland.

80 Prozent der großen Unternehmen haben eine Managerhaftpflicht. Dax-Unternehmen zahlen je nach Deckungssumme schnell mehrere Millionen Euro Prämie im Jahr. Teurer wird es bei US-Börsennotierung und für Finanzdienstleister.

Die Haftungssummen werden immer größer: Die höchste Schadensersatzforderung in diesem Jahr richtet der Lkw-Hersteller MAN wegen Schmiergeldzahlungen in Kasachstan gegen Ex-Vorstandschef Håkan Samuelsson und fünf ehemalige Vorstandskollegen: 237 Millionen Euro. Beim zusammengebrochenen Handelsriesen Arcandor verklagt der Insolvenzverwalter den früheren Vorstandschef Thomas Middelhoff und andere ehemalige Manager auf rund 175 Millionen Euro Schadensersatz wegen umstrittener Verkäufe von Karstadt-Immobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds. Siemens fordert von Ex-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger 15 Millionen Euro wegen des Schmiergeldskandals.

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