Managerhaftung: Die Zähmung der Widerspenstigen

Managerhaftung: Die Zähmung der Widerspenstigen

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ARCHIV - Der zurückgetretene Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking steht am 23.07.2009 in Stuttgart bei einer Betriebsversammlung im Porsche-Werk Zuffenhausen. Foto: Marijan Murat dpa/lsw (zu dpa-Paket "Jahreswechsel" vom 01.12.2009) (c) dpa - Bildfunk

von Daniel Schönwitz

Staatsanwälte ermitteln wegen Untreue, Aktionäre fordern Schadensersatzklagen, die Regierung verschärft die Gesetze: Gelingt es künftig, Vorstände für schwere Fehler zur Kasse zu bitten und Gehaltsexzesse zu stoppen?

Christian Strenger gibt nicht auf. Nachdem die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch im Januar seinen Antrag auf eine Sonderprüfung bei Porsche abgelehnt hatten, will der Aktionär sein Ansinnen jetzt vor Gericht durchsetzen. Der 66-Jährige ist „zuversichtlich“, dass er die zur Durchsetzung einer solchen Prüfung notwendigen 100 000 Aktien zusammenbekommt: „Ich habe die Unterstützung mehrerer langfristig orientierter Porsche-Aktionäre.“

Das Ziel des Ex-Chefs der Fondsgesellschaft DWS: Ein Wirtschaftsprüfer soll untersuchen, ob der Aufsichtsrat seine Pflichten verletzt hat, als er Vorstandschef Wendelin Wiedeking trotz eines Milliardenverlusts 50 Millionen Euro Abfindung gewährte. Zudem will Strenger wissen, ob die Kontrolleure die Risiken der komplexen Optionsgeschäfte gekannt und genehmigt haben, mit denen Porsche die Mega-Übernahme von VW einfädeln wollte – und inwieweit Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter mit dem Übernahmeversuch ihre Pflichten verletzten. „Ich bezweifle, dass Geschäfte dieser Größenordnung von der Satzung gedeckt waren“, sagt Strenger, der auch Mitglied der Regierungskommission Corporate Governance ist.

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Bei einer Sonderprüfung erhält ein unabhängiger Prüfer vollen Zugriff auf interne Dokumente. Kommt er zu dem Ergebnis, dass Manager ihre Pflichten verletzt haben, müssen Aufsichtsräte Schadensersatz einfordern. Tun sie das nicht, machen sie sich selbst schadensersatzpflichtig.

Wie die Porsche-Oberen sind zahlreiche Top-Manager ins Visier verärgerter Aktionäre und staatlicher Ermittler geraten. Bei den Finanzkrisen-Skandalbanken IKB und Hypo Real Estate (HRE) laufen Sonderprüfungen, zudem ermitteln Staatsanwälte gegen Dutzende amtierende und ehemalige Vorstände, vor allem von Banken. In den meisten Fällen ist noch völlig unklar, ob Manager für ihre Fehler gerade- stehen müssen – oder ob sie, die Milliarden vernichtet haben, ihre Millionen behalten dürfen.

Erster Banker vor Gericht

Bei den anstehenden Straf- und Zivilprozessen gegen Führungskräfte geht es aber nicht nur darum, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Es steht mehr auf dem Spiel: Nur wenn schwere Fehler bestraft werden, sinkt die Gefahr, dass Manager erneut wahnwitzige Risiken eingehen – und das Geld der Aktionäre leichtfertig aufs Spiel setzen.

Seit März muss sich der erste Finanzkrisen-Banker vor Gericht verantworten. Stefan Ortseifen, Exchef der Mittelstandsbank IKB, soll die Geschäftslage am 20. Juli 2007 „bewusst irreführend zu positiv“ dargestellt haben. Damals verkündete die IKB, von der US-Immobilienkrise kaum betroffen zu sein. Wenige Tage später musste die Bank für fast zehn Milliarden Euro gerettet werden. Zudem geht es im Prozess um die 120 000 Euro teure Renovierung seiner Dienstvilla.

Der 59-Jährige bestreitet die Vorwürfe: „Ich kann nicht erkennen, wodurch ich mich strafbar gemacht haben kann“, sagte er am zweiten Prozesstag. Einen wichtigen Anklagepunkt haben die Ermittler vor Prozessbeginn mangels Beweisen fallen lassen: Untreue wegen riskanter Investments in US-Hypotheken. Der Prozess wird deshalb nicht zur Klärung der Frage beitragen, ob Banker für die verlustreichen Geschäfte bestraft werden können. Ebenfalls offen ist, ob Ortseifen zivilrechtlich haftet: Die IKB hat noch keine Schadensersatzklage eingereicht. Das Institut fordert lediglich eine Tantieme von 805 000 Euro sowie Renovierungskosten zurück.

Auch andere Banken haben noch keinen Schadensersatz eingeklagt – wenn sie vor Gericht mit Exmanagern streiten, geht es nur um Kündigungen oder Boni. Ex-HRE-Chef Georg Funke fordert nach seinem Rauswurf 3,5 Millionen Euro Restgehalt. Die inzwischen zwangsverstaatlichte HRE, die mit 101,3 Milliarden Euro an Staatshilfen und Garantien vor der Pleite gerettet wurde, wirft ihm vor, die Milliardenübernahme des Staatsfinanzierers Depfa „grob mangelhaft“ vorbereitet zu haben. Die Commerzbank streitet laut Geschäftsbericht mit Exvorstand Bernd Knobloch um die „Teilrückzahlung“ einer Tantieme von 1,1 Millionen Euro.

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