Manfred Wennemer im Interview: „Langfristig neue Jobs“

Manfred Wennemer im Interview: „Langfristig neue Jobs“

Bild vergrößern

Continental-Chef Manfred Wennemer will weitere Fabriken zusammenlegen –Werks-schließungen nicht ausge-schlossen.

Der Chef des Autozulieferers Continental sieht vier Zukunftsthemen: Kleinwagen, Klima, Sicherheit, Information.

WirtschaftsWoche: Herr Wennemer, vor gut 100 Tagen hat Continental die Siemens-Tochter Siemens VDO übernommen. Wie läuft die Integration? Streichen Sie Stellen?

Wennemer: Die künftige Organisationsform steht, die Folgen sind abgeschätzt. Übrigens steht nicht das Streichen von Stellen im Mittelpunkt der Integration! Aber ich will Ihrer Frage nicht ausweichen: Das betrifft in Deutschland rund 1500 Arbeitsplätze plus 500 weitere, die Siemens VDO bereits vorgesehen hatte. Wir beschäftigen uns jetzt damit, das Meiste davon im Laufe des Jahres umzusetzen.

Anzeige

Rund 2000 Stellen fallen also weg. Geschieht dies sozialverträglich?

Das hoffen wir sehr! Es kann aber immer an dem einen oder anderen Standort die Situation geben, dass wir das nicht können. Dann müssen wir auch betriebsbedingt kündigen dürfen. Wir wollen das nicht! Aber als Ultima Ratio schließen wir das auch nicht aus.

Erlebten Sie nach der Übernahme von Siemens VDO Überraschungen?

Wir sind erstmal positiv überrascht worden, wenn ich zum Beispiel den Bereich Multimedia betrachte. Da hatten wir viel größere Schwierigkeiten erwartet im Zusammenbringen der unterschiedlichen Plattformen, etwa für die Navigationssysteme.

Gab es negative Überraschungen?

An mancher Stelle mussten wir feststellen, dass die Auslastung der Fabriken nicht so war, wie wir uns das gewünscht haben. Wir haben an manchen Stellen – auch in Deutschland – Nachholbedarf, wenn es auf Effizienz ankommt.

Was tun Sie, um die Auslastung der Werke zu verbessern?

Kurzfristig können Sie in unserer Industrie wenig machen. Aufträge, die wir heute holen, werden in zwei oder drei Jahren zur Auslastung von Fabriken beitragen. Wir können nur sagen: Wir haben weltweit 200 Standorte in 36 Ländern. Sicherlich benötigen wir nicht alle Standorte, dort muss man Dinge zusammenlegen und damit die Auslastung in einzelnen Werken verbessern.

Welche Werke sind betroffen?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen, aber ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir produzieren Airbags in Regensburg und Ingolstadt, in Amerika, China und Südamerika. Jetzt schauen wir: Wer sind die Wettbewerbsfähigsten? Da werden wir dann Airbags produzieren. Dafür wird am bisherigen Standort vielleicht die Produktion von etwas anderem konzentriert. Das heißt also nicht, dass es automatisch zur Schließung von Werken kommt – aber auszuschließen ist es ebenso wenig.

Konkret?

Ein Beispiel ist Wetzlar, wo in der Produktion Nachfolgeaufträge fehlen; ein anderes Beispiel ist London in Kanada, auch hier wurde schon zu Siemens-VDO-Zeiten die Schließung beschlossen. Darüber hinaus läuft das normale Conti-Leben weiter: Kostenstrukturen verbessern, Effizienz schaffen. Sie dürfen nicht vergessen: Kurzfristig verlieren wir hier und da Jobs, langfristig schaffen wir neue – 2007 in Deutschland mehr als 300! Wir werden wettbewerbsfähiger, und das bringt uns neues Geschäft.

In welcher Zeit wollen Sie weitere Standorte zusammenlegen, schließen oder verlagern?

Das wird die nächsten drei bis fünf Jahre dauern. Schneller geht das nicht.

Wen trifft der Umbau der Strukturen stärker: die Siemens- oder die Conti-Mitarbeiter?

Es spielt keine Rolle, ob jemand aus der alten Conti oder der ehemaligen Siemens VDO kommt. Der Beste kriegt den Job, das beste Werk weltweit wird zusätzliche Aufträge bekommen, so machen wir das schon immer.

War es ein guter Kauf oder nicht?

Wir stehen besser da als erwartet. Wir haben gesagt, wenn wir etwa 170 Millionen Euro an Synergien im Jahre 2010 holen, damit können wir den Kaufpreis von 11,4 Milliarden Euro inklusive Steuergutschrift an Siemens rechtfertigen. Wenn wir jetzt also auf 300 Millionen Euro oder mehr kommen, dann können wir den Kaufpreis eben auch noch besser rechtfertigen.

Wo wollen Sie weiter wachsen?

Es gibt vier große Themen, die die Autoindustrie weltweit beschäftigen: kleine, erschwingliche Autos, Umwelt und CO2, Sicherheit und das Thema Information. Wenn Autozulieferer wachsen wollen, dann können sie das vor allem hier. Und das Gute ist: Die neue Conti ist in allen vier Megatrends sehr gut aufgestellt!

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%