Marco Schröter: Finanzchef verlässt Infineon im Streit

Marco Schröter: Finanzchef verlässt Infineon im Streit

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*1960; Ingenieur Studium der Elektrotechnik (München) Karrierestart als Entwicklungsingenieur für Microcontroller bei Siemens; später CEO von Siemens Microelectronics, USA Keine Note, da im Befragungszeitraum nicht im Dax vertreten, Foto: rtr

Wie die Top-Manager der Dax30-Unternehmen nach dem Schulnotensystem in verschiedenen Einzeldisziplinen der Kategorien Business- und Persönlichkeits-Kompetenz abschneiden erfahren Sie in unserer ausführlichen Infografik

 

Es kam, wie es kommen musste. Infineon verliert seinen Finanzchef: Marco Schröter verlässt den Chip-Produzenten gerade zu einem Zeitpunkt, wo das Geschäft wieder richtig gut läuft. Es gab einen Machtkampf mit Firmenchef Peter Bauer. Den konnte Schröter nicht gewinnen.

Infineon-Finanzchef Marco Schröter verlässt den Chip-Produzenten. Es habe unterschiedliche Auffassungen zur Geschäftspolitik gegeben, weswegen Schröter mit sofortiger Wirkung ausscheide, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch in Neubiberg bei München mit.

Bis ein Nachfolger für Schröter gefunden ist, übernimmt Vorstandschef Peter Bauer das Finanzressort. Bauers Rolle wird zugleich aufgewertet: Es ist jetzt Vorstandsvorsitzender und nicht mehr nur Sprecher des Führungsgremiums.

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Im Vorstand wurde zuletzt um die Umverteilung von Aufgaben gerungen. Dabei wollte Bauer Medienberichten zufolge Schröter Tätigkeiten abnehmen, was diesem nicht gefiel.

Peter Bauer ist nun auf dem Höhepunkt seiner Macht - und macht die Schmach vergessen, die er vor gut zwei Jahren erlitten hat. Der damalige Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley hatte monatelang extern nach einem neuen Vorstandschef gesucht. Als sich niemand für den Höllenjob fand, fiel die Wahl auf Bauer, der seit der Gründung des Chipherstellers Ende der 90er-Jahre im Vorstand sitzt. Doch der Münchener wurde nicht zum Vorstandschef ernannt wie seine Vorgänger, sondern nur zum Sprecher des Vorstands. "Eine unglaubliche Demütigung", erinnert sich ein Beteiligter. Kaum bestellt, galt Bauer schon als angezählt. Der Ingenieur galt nur als Übergangslösung.

Inzwischen ist Kley abgetreten, und Bauer hat Infineon saniert. Der Chiphersteller steht so gut da wie lange nicht mehr, die erste Dividende seit zehn Jahren ist in greifbare Nähe gerückt. Kein Wunder also, dass der 50-Jährige jetzt endlich die volle Kontrolle anstrebt.

Dass dies auf Kosten des Finanzvorstands geht, weckt unschöne Erinnerungen. Schröters Vorgänger Rüdiger Günther hielt es nur ein paar Monate bei der ehemaligen Siemens-Tochter aus, dann musste er gehen. Er habe zu tief in der Vergangenheit gewühlt, hieß es im Lager des Geschassten, und dabei manche Ungereimtheit entdeckt. Infineon betonte, Günther habe nicht ins Unternehmen gepasst.

Damit nicht genug: Schon 2004 hat Bauer zusammen mit seinen Vorstandskollegen gegen den damaligen Konzernchef Ulrich Schumacher geputscht. "Wir oder Schumacher", sollen die Rebellen dem Aufsichtsratschef Kley gedroht haben. Schumacher musste seinen Stuhl räumen. Die jüngsten Personalquerelen liegen erst ein paar Monate zurück: Zu Jahresbeginn gab es eine wochenlange Schlammschlacht um den Vorsitz im Aufsichtsrat.

Nun also der nächste Streit. "Bauer und Schröter müssen sich jetzt schnell zusammenraufen oder getrennte Wege gehen", sagte ein Unternehmenskenner vor der heutigen Sitzung. Genau wie Bauer wollte auch Schröter seine Verdienste um die Rettung des über Jahre hinweg defizitären Konzerns gewürdigt sehen. Doch seine Karten standen schlecht, sein Kontrahent saß zu fest im Sattel. Im Herbst werde der Aufsichtsrat Bauers Vertrag verlängern, der am 30. September 2011 ausläuft, heißt es.

Der 46-jährige Schröter war der einzige Vorstand, der von außen kommt. Seine drei Noch-Kollegen haben alle ihre Wurzeln bei der früheren Konzernmutter Siemens und sind seit der Gründung von Infineon mit dabei. Schröter hingegen hatte erst im Frühjahr 2008 in München angefangen, zuvor war er Finanzchef von Schenker in Essen. Jetzt gehen viele Beobachter davon aus, dass er die nächste Gelegenheit nutzt, um sich zu verabschieden.

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