Marijn Dekkers : Der andere Bayer-Chef

Marijn Dekkers : Der andere Bayer-Chef

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Der künftige Bayer-Chef Marijn Dekkers

von Jürgen Salz

An Marijn Dekkers, ihren künftigen Konzernchef, müssen sich viele Bayer-Mitarbeiter noch gewöhnen. Der Niederländer ist ganz anders als alle seine Vorgänger: Dekkers kommt aus dem Ausland, hat sich nicht im Konzern hochgedient und ist auch noch Fan des PSV Eindhoven.

Marijn Dekkers verschränkt kurz die Arme vor der Brust. Etwas unschlüssig steht er da, der drahtige Mann mit den rotblonden Haaren. Es ist sein 13. Tag im Bayer-Konzern. Im Unternehmen gibt es Leute, die Dekkers für den teuersten Praktikanten von Bayer halten. Seit Anfang Januar erst sitzt der Neue im Bayer-Vorstand, am 1. Oktober übernimmt er die Gesamtverantwortung und tritt die Nachfolge von Konzernchef Werner Wenning an.

Dekkers hat ins Vorstandskasino zum Abendessen eingeladen. Bei Heilbutt mit Trüffelkruste und irischem Rinderfilet mit Barolo-Pfeffersauce stellt er sich erstmals einem Kreis von Journalisten vor, will Auskunft geben über sich.

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Wird er Bayer zerschlagen? Das traditionsreiche Chemiegeschäft abspalten? Anders als seine Vorgänger Hermann-Josef Strenger, Manfred Schneider und Werner Wenning hat er sich nicht jahrzehntelang im Konzern hochgedient und die ganze Bayer-Kultur verinnerlicht. Womöglich fallen ihm radikale Schnitte deshalb leichter. 

Der Chemiker hat sein vorheriges Unternehmen kräftig durcheinandergewirbelt

Dekkers hat über zwanzig Jahre lang in den USA gearbeitet, zuletzt als Chef des Laborausrüsters Thermo Fisher Scientific. Den hat er mächtig durcheinandergewirbelt. Er verkaufte 45 Geschäftseinheiten, schloss die Hälfte der 130 Fabriken, trennte sich von 5000 der 13 000 Beschäftigten. Gleichzeitig übernahm er einen größeren Konkurrenten, verfünffachte Umsatz und Gewinn.

Seine Pläne für Bayer?  Endgültige Antworten gibt er – natürlich – auch an diesem Abend nicht.

Dekkers hält eine kurze Ansprache. Er ist in Tilburg, 150 Kilometer von der Bayer-Zentrale in Leverkusen entfernt, aufgewachsen; besitzt sowohl einen niederländischen, als auch einen amerikanischen Pass. Der 52-Jährige ist promovierter Chemiker, wollte eigentlich Professor werden. Doch dann reizte ihn die Verantwortung in einem Unternehmen.

Verheiratet mit einer Amerikanerin, drei Töchter. Zuletzt wohnhaft in Boston. Das neue Domizil in Düsseldorf-Kaiserswerth richtet er gerade ein. Die Familie ist gut abgesichert. „Ich habe finanziell sehr erfolgreiche Jahre hinter mir“, sagt Dekkers über sich.

Dekkers verzichtet auf Millionen

Bei Thermo Fischer Scientific verdient er im Jahr 2008 umgerechnet sechs Millionen Euro. Für Bayer verzichtet er auf viel Geld. Er werde kaum mehr verdienen als die 3,6 Millionen Euro, die der amtierende Konzernchef Werner Wenning 2008 überwiesen bekam, heißt es im Unternehmen. Dekkers wollte diesen Job wirklich. Bayer – mit einem Umsatz von 33 Milliarden Euro – ist etwa viermal größer als sein letzter Arbeitgeber.

„Ich komme nicht mit einer amerikanischen Management-Mentalität hierher“, versichert Dekkers. Er verteilt auch Komplimente an das Unternehmen. Bayer ist, sagt Dekkers, sehr gut aufgestellt, bestens geführt, sehr wettbewerbsfähig und verfüge über „klasse Mitarbeiter“. Das klingt erst einmal beruhigend.

Er sagt aber auch, dass er Portfolio-Management – das Kaufen und Verkaufen von Unternehmensteilen – für wichtig hält. In jüngster Zeit hat Konzernchef Wenning bei Bayer auch schon fleißig Portfolio-Management betrieben und Geschäfte im Wert von insgesamt 43 Milliarden Euro ge- und verkauft. Mit weiteren Zu- und Verkäufen dürfte zu rechnen sein.

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