Marketing: "Ich habe keinen Plan"

Marketing: "Ich habe keinen Plan"

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Herbert Seckler betreibt auf Sylt das Restaurant Sansibar

von Thorsten Firlus-Emmrich

Herbert Seckler, Inhaber und Wirt der Sylter Sansibar, über perfektes Marketing, Web-Shops und seine Liebe zu Textilien.

WirtschaftsWoche: Herr Seckler, wofür steht die Marke Sansibar?

Herbert Seckler: Ich bin mir gar nicht bewusst, dass ich eine Marke habe.

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Wer in Deutschland Sansibar sagt, denkt mittlerweile eher an Sylt und Ihr Restaurant als an das Archipel vor Tansania.

Wenn das so ist, freue ich mich. Aber es gibt es kein Konzept dafür und keinen Plan.

Wundert es Sie nicht, dass Sie mit dem Sansibar-Logo Produkte verkaufen, die nichts mit Ihrem Stammgeschäft zu tun haben?

Ich bilde mir schon ein, dass wir nur Sachen verkaufen, die auch ein wenig mit uns zu tun haben. Wir haben hier einen Platz am Meer. Wir verkaufen "Freizeiturlaub". Wir schauen, dass die Menschen auftanken können. Das ist die ganze Idee, die dahintersteckt. Und wenn man hier im Niemandsland lebt mit einem großen Strand, dann entsteht automatisch der Bedarf nach bestimmten Produkten. Der eine hat seine Hundeleine vergessen, der zweite nasse Schuhe, der dritte ein kaputtes T-Shirt, der vierte braucht Sonnencreme.

Alles nur Kundenanfragen?

Wenn Sie mit Ihrer Familie am Strand sind, und Ihre Frau läuft ins Wasser und kriegt nasse Schuhe, dann ist der Tag gelaufen, dann können Sie nach Hause gehen. Jetzt kaufen Sie ihr neue Schuhe bei uns, und schon ist der Tag gerettet.

Der Web-Shop Ihres Aachener Geschäfts verzeichnet allein mehr als 100 Accessoires vom Golfball bis zum Aschenbecher. Sie sagen, dass das Dinge seien, die Ihre Kunden so bräuchten. Wie viele verlieren denn beispielsweise ihren Schmuck am Strand und brauchen neuen?

Ich sagte ja, das war die Ausgangsidee. Schmuck machen wir erst seit einem Monat. Und das nach mehr als 30 Jahren Sansibar. Angefangen haben diese Dinge vor 20 Jahren mit Uhren. Eine Uhr ist ein gutes Mitbringsel, etwas, was man nicht unbedingt benötigt. Aber es ist verrückt: Das lief von Anfang an.

Wie weit können Sie denn gehen, wenn Sie Ihre Marke ausdehnen?

Ich habe nie daran gedacht, meine Marke auszudehnen. Ich habe einfach geguckt, wie ich mein Leben und das meiner Mitarbeiter sichern konnte. Im Restaurationsbereich sind die Margen aber im Keller. Also muss man andere Wege finden, um Polster zu schaffen.

Sie legen Wert auf Qualität. Wie kontrollieren Sie die bei Produkten, die nichts mit Essen oder Wein zu tun haben?

Wenn Sie schöne Dinge lieben, dann erkennen Sie Qualität. Sie müssen aber Ihre Schularbeiten gemacht haben. Müssen viel gesehen haben, viel lesen, viel mit Menschen sprechen. Das ist gar nicht so schwer, wenn man nur will. Ich habe aber auch schon Lizenzen erteilt für Produkte, für die ich keine große Liebe empfinde.

Zum Beispiel?

Für Schuhe. Textilien hingegen sind eine Liebhaberei von mir. Das ist mein Hobby. Schöne Stoffe, gute Getränke und Speisen – das ist mein Leben.

Marken beruhen auf dem Vertrauen des Verbrauchers. Was würden Ihnen die Kunden nicht mehr abnehmen?

Toilettenpapier.

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