Alle möglichen High-Tech-Schikanen, edelste Materialien, modernes Design und individuelle Note sind unerlässlich, um bewundernde Blicke auf sich zu ziehen. Wer sich abheben will, muss außerdem in modisches Outfit und schicke Accessoires wie GPS am Handgelenk investieren. "Mit dem Fahrrad transportiere ich meine Persönlichkeit, mein Lebensgefühl", lautet Fikuart zufolge die Devise. Für die gehobene Klientel, die für ein Luxus-Fahrrad auch schon mal 5000 Euro zu zahlen bereit ist, hat sich die Fahrradindustrie allerhand einfallen lassen. Dabei macht sie sich - wie die Autobauer aus der Formel Eins -häufig Neuerungen aus dem Rennsport zunutze. Voll im Trend liegen federleichte Rahmen aus Kohlefaser, in der Luxusausführung in Silber mit Aluminiumbedampfung. Dabei gilt: "Je leichter, je teurer". Beliebt sind auch maßgeschneiderte Sonderausstattungen. Das Rad von der Stange ist out. Immer häufiger entspricht der Rahmen dank "body-scanning" den Körpermaßen. Sattel, Pedale, Lenker und Griffe werden der Anatomie angepasst und je nach Budget ausgewählt. Gangschaltung und Laufräder mit unterschiedlicher Speichenzahl richten sich ebenfalls nach Kundenwunsch. Wer es besonders sportlich mag, kann sich sein individuelles Modell nach dem Vorbild der Rennräder des Profis Jan Ullrich zusammenstellen. Vom Premium-Segment allein mit zwei bis drei Prozent Marktanteil kann die Zweiradindustrie natürlich nicht leben. Auch die 73 Prozent Stadt- und Reiseradler sowie die rund 15 Prozent Mountainbiker dürfen sich über mehr Fahrspaß freuen. Denn seit Discounter und Baumärkte mit Billigangeboten bereits die Hälfte des Marktes erobert haben, treten Hersteller wie Fachhändler kräftig in die Pedale der Kundenfreundlichkeit. Ein Grundmodell nach dem Baukastenprinzip ausstatten zu lassen setzt sich auch in den unteren Preisklassen immer mehr durch. 66 Millionen Räder rollen durch Deutschland. Die Branche sitzt angesichts der allgemeinen Konsumflaute vergleichsweise fest im Sattel, wie es beim Zweirad Groß- und Außenhandelsverband (ZGA) heißt. Seit 2000 seien im Schnitt jährlich 4,5 Millionen Räder an den Handel ausgeliefert worden, berichtet der ZGA-Vorsitzende Manfred Neun. Auf die Jahre der Marktstabilität sollen bis 2008 im Schnitt jedes Jahr zwei Prozent Wachstum folgen. Ungeachtet der Konkurrenz aus Taiwan oder China ist nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) mehr als die Hälfte der Räder weiterhin aus Deutschland. Einige deutsche Hersteller lassen jedoch aus Kostengründen vermehrt in Ländern wie Polen oder Litauen fertigen. Zudem stammen viele Komponenten aus Fernost. "Das Rad ist ein globales Produkt", betont Neun. Für Rückenwind sorgen das wachsende Gesundheitsbewusstsein und vor allem der boomende Radreisesektor. Auch dabei steigen die Ansprüche. Wer sich tagsüber abgestrampelt hat, will es sich abends gut gehen lassen. "Ein Drei-Sterne-Hotel muss es mindestens sein", ist bei den Fachleuten zu hören.
Marktentwicklung: Lifestyle-Produkt Fahrrad
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