Martin Blessing: „Ich gehe da nicht nochmal hin“

Martin Blessing: „Ich gehe da nicht nochmal hin“

, aktualisiert 22. November 2011, 19:27 Uhr
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Commerzbank-Chef Martin Blessing erlebt keine leichten Zeiten.

Quelle:Handelsblatt Online

Martin Blessing ist fast alles gelungen. Doch seit dem Kauf der Dresdner Bank hat ihn das Glück verlassen. Dieses Projekt, dann die Finanz- und nun die Schuldenkrise haben der Commerzbank und ihrem Chef schwer zugesetzt.

Deutschlands zweitgrößter Bank fehlen möglicherweise rund fünf statt der bisher erwarteten 2,9 Milliarden Euro Eigenkapital, um auf die von den Regulierern geforderte Quote von neun Prozent zu kommen. Wenn dies in letzter Konsequenz bedeuten würde, dass wieder der Steuerzahler einspringen muss, dann, ja dann wäre die Ära des Martin Blessing wohl beendet. Denn der agile Bankchef, der klare Worte bevorzugt, hat seine eigene Zukunft als Vorstandschef daran geknüpft, dass die teilverstaatlichte Bank nicht nochmals Staatshilfe beanspruchen muss.

Bei aller Dankbarkeit, die die Bank für die Hilfe der Steuerzahler und der Politik empfinde, sei die „öffentliche Begleitung“ auf die Inanspruchnahme des Bankenrettungsfonds SoFFin beim letzten Mal wenig motivierend gewesen, sagte Blessing unlängst vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Blessing wörtlich: „Ich gehe da nicht nochmal hin.“

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Deshalb bleibt ihm nur, die Bilanz - durch Einschränkungen bei der Kreditvergabe oder den Verkauf von Firmenteilen oder Portfolien - so deutlich abzubauen, dass das vorhandene Kapital zur Unterlegung der Risiken (RWA) reicht. Doch das ist ein Balanceakt: Die Bank darf dabei keine Verluste hinnehmen, die das Kapital weiter aufzehren. Bleibt am Ende also doch nur der Staat und damit der Rücktritt Blessings?

Es wäre das Scheitern eine Wunderkindes. Was Martin Blessing bislang auch anfasste, es gelang ihm. Katholisches Jungengymnasium Königstein, vorgezogenes Abitur. Bundeswehr. Lehre bei der Dresdner Bank, Studium, unter anderem in der Kaderschmiede St. Gallen im Schnelldurchlauf. 1988 ist Blessing 25 Jahre alt, hat zwei Abschlüsse und einen garantierten Job bei McKinsey. Mit 31 wird er dort Partner. Er ist ein Überflieger. Keine Frage, dass er es in den Vorstand einer großen Bank schafft.


Lange eilt Blessing von Erfolg zu Erfolg

Nach seinem Wechsel von der Dresdner zur Commerzbank ist schnell klar, dass er den langjährigen Chef Klaus-Peter Müller beerben kann. Blessing saniert das Privatkundengeschäft, er baut in Rekordzeit die Mittelstandsbank auf. Im Mai 2008 rückt er an die Spitze und will mit Ackermanns Deutscher Bank konkurrieren: Er kauft die Dresdner Bank.

Obwohl der Deal auf Kante genäht ist, sagt Blessing, seine Bank habe genügend Geld. Mit dem Kauf untermauere die Commerzbank ihren „Anspruch auf Marktführerschaft in Deutschland“. Großmäuligkeit, sagten schnell viele in der Branche. Josef Ackermann war schon damals nicht sehr beeindruckt. Wenige Tage später schlägt er bei der Postbank zu.

Wie schnell hat sich die Welt gedreht - die Aufgaben wachsen zu Bergen. Heute hat Blessing den deutschen Staat als Hauptaktionär im Nacken. Die Übernahme der Dresdner entpuppt sich als Projekt, dass sich die Bank an sich nicht leisten konnte. Blessing schlägt sich mit quengelnden Kleinaktionären und klagenden Bankern herum; ihn drücken die Auflagen der EU-Kommission; und ihm macht eine Tochter namens Eurohypo zu schaffen, die voller Risiken steckt.

Der Bund hat die Commerzbank mit 18,2 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch gerettet. Seither hält er gut 25 Prozent. Immer wieder gelobt Blessing zwar, den Aktionär Staat schnell wieder loswerden zu wollen. Wann er aber je die Milliarden komplett zurückzahlen kann, steht in den Sternen.

Die Stimmung bei den Aktionären hat sich längst gedreht. In der Jahrhunderthalle in Frankfurt wird er von einem Aktionär als "Schande-Vorstand" beschimpft. "Sie haben die ganzen vergangenen Jahre den gesunden Menschenverstand ausgeschaltet", wird ihm entgegen gerufen.

Martin Blessing ist entzaubert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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