Martin Husmann im Interview: "Fruchtlos gedroht"

Martin Husmann im Interview: "Fruchtlos gedroht"

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Martin Husmann, 52, leitet seit November 2003 den Verkehrsverbund Rhein Ruhr in Gelsenkirchen, den größten Zusammenschluss regionaler Verkehrsunternehmen Deutschlands

Der Chef des Verkehrsverbundes Rhein Ruhr, Martin Husmann, hat der Bahn fristlos gekündigt und ordnet den Zugverkehr nun staatlich an.

WirtschaftsWoche: Herr Husmann, Sie haben den Verkehrsvertrag mit der Deutschen Bahn gekündigt und zwingen diese nun in Ihrem Einzugsgebiet per Anordnung, Regionalzüge und S-Bahnen verkehren zu lassen. Soll das den geplanten Börsengang des Staatskonzerns unterminieren?

Husmann: Nein, die Auseinandersetzungen, die uns zu diesem Schritt gezwungen haben, reichen bis Anfang vergangenen Jahres zurück, als der Börsengang noch gar nicht beschlossen war.

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Trotzdem treffen Sie genau jenen Geschäftsbereich, nämlich den Nahverkehr, mit dem die Bahn wegen der hohen Gewinne Investoren anlocken will.

Ich räume ein, dass unsere Entscheidung ein grundsätzliches Problem berührt. Denn wir sind der Meinung, dass wir der Bahn aufgrund ihrer intransparenten Preisgestaltung zu viel bezahlen. Deshalb betrachten wir den ganzen Vertrag mit ihr ohnehin als unwirksam. Darüber streiten wir uns seit einiger Zeit vor Gericht. Damit monieren wir den gleichen Tatbestand wie das Beschwerdeverfahren, das die EU-Kommission vor kurzem gegen die Bahn eingeleitet hat. Wir können die Augen nicht davor verschließen, dass die Bahn unserer Meinung nach zu viel Geld vom Steuerzahler verlangt, nur weil sie an die Börse will.

Trotzdem: Ist es wirklich adäquat, ein Unternehmen wie zu Kaisers Zeiten per ordre de Mufti zu einer Leistung zu zwingen?

Ich frage Sie: Ist es adäquat, wenn die Bahn uns täuscht? Wenn sie nicht, wie vertraglich vereinbart, abends nach 19 Uhr in 90 Prozent der S-Bahnen Wachpersonal einsetzt, sondern nur in 17 Prozent? Wenn sie uns die 90 Prozent verspricht, nachdem wir uns beschwert haben, und sich nicht daran hält?

Die Bahn bestreitet das.

Wir haben das mit unseren eigenen Leuten herausgefunden. Dabei behalten wir sowieso schon jeden Monat eine Millionen Euro monatlich ein, weil die S-Bahnen unpünktlich, schmutzig und teilweise defekt verkehren. Wir haben der Bahn lange fruchtlos gedroht.

Und das wollen Sie mit Hilfe eines Verwaltungsaktes ändern?

Nicht nur dadurch. Unser Vertrag mit Bahn lief von 2004 bis 2018. Die fristlose Kündigung ermöglicht uns nun, den gesamten Schienenverkehr im Verkehrsverbund Rhein Ruhr, dem VRR, zügig auszuschreiben. Immerhin sind das insgesamt rund 35 Millionen Zugkilometer pro Jahr.

Wer soll einen solchen Brocken denn stemmen wenn nicht der Marktführer, die Bahn?

Zum einen gibt es mittlerweile Wettbewerber, hinter denen ebenfalls Konzerne stehen. Zum andern kann man die 35 Millionen Zugkilometer in einzelne Aufträge aufteilen, damit sie auch kleinere Anbieter fahren können. Schließlich stellen wir t Überlegungen an, um mittelständische Anbieter ins Boot zu nehmen, etwa indem wir die Fahrzeuge finanzieren und an die Unternehmen verpachten.

Und was versprechen Sie sich wirtschaftlich davon?

Erstens ein besseres Angebot für unsere Fahrgäste. Zweitens zehn bis 15 Prozent weniger Ausgaben. Bei rund 300 Millionen Euro, die der gekündigte Vertrag vorsieht, wären das 30 bis 45 Millionen Euro pro Jahr – ein ganz schöner Batzen.

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