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Martin Winterkorn im Interview: "Wir sind das Auto"

von franz.rother@wiwo.de und thomas katzensteiner

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn im Interview über den neuen Markenclaim, den neuen Kleinstwagen und die alten Probleme in Nordamerika.

WirtschaftsWoche: Herr Winterkorn, nur noch sechs große Autohersteller plus Porsche, prognostizierte der einstige DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp vor sieben Jahren, werde es 2020 noch geben. Bisher sieht es nicht danach aus: Neue Hersteller aus China und Indien drängen auf den Markt. Gleichzeitig löst sich Daimler von Chrysler, trennt sich Ford von seinen Luxusmarken. Ist Größe also doch nicht alles? Martin Winterkorn: Einige Hersteller haben in den zurückliegenden Jahren feststellen müssen, dass die Integration und die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Kulturen schwieriger ist als gedacht. Schwäbische Tüftlermentalität und die amerikanische Art, Autos zu bauen, passen nun einmal nicht zusammen. Der einzige Konzern, der seine Marken sehr erfolgreich führt, ist der Volkswagen-Konzern. Alle unsere acht Marken sind auf einem guten Weg . Über Ihre spanische Marke Seat können Sie das wohl kaum behaupten. Doch. Sogar Seat wird in diesem Jahr das gesetzte Ziel sicher erreichen, die angeschobenen neuen Modelle werden in den kommenden Jahren auf der Absatzseite positiv wirken. Eine Trennung von Seat ist vom Tisch? Die Frage stellt sich definitiv nicht. Ich kenne natürlich die immer mal wieder aufflammenden Gerüchte und auch Interessenten, die das Unternehmen gerne übernehmen würden. Als da wären? Spanische Banken und Hedgefonds, die meinen, die Seele von Seat besser zu verstehen. Aber Seat bleibt definitiv ein Bestandteil unseres Konzerns. Mit seiner neuen Unternehmensstrategie 2018 ist die Marke auf einem guten Weg, die Vorgaben, die auf der Aufsichtsratssitzung im Frühjahr verabschiedet wurden, zu erfüllen. Auch die anderen Marken sind erfolgreich, Lamborghini ebenso wie Bentley, Volkswagen und Audi sowieso. Also: Was die Markenführung betrifft, macht uns niemand etwas vor. Große Worte. Denn nach außen hin ist nicht mehr so klar, wofür der Konzern, wofür vor allem die Marke Volkswagen heute steht. Für bezahlbaren Luxus, für Massenautos mit Premium-Aufschlag? Fangen wir mal bei er Marke Volkswagen an. Volkswagen ist die Marke im Konzern, die von Natur aus am breitesten angelegt ist, von der Modellpalette und von den Absatzmärkten. Der Golf etwa wird von Menschen aller Einkommensschichten und Berufsstände gefahren. Das alles gibt die Marke her. Und das ist einzigartig. Vor einigen Jahren hieß es, Volkswagen fährt gegen Mercedes... ...das war vor Jahren besonders im Fokus, als Mercedes die neue A-Klasse gegen den Golf positionierte und wir mit dem Phaeton in die Oberklasse einstiegen. Natürlich bleibt auch heute Daimler unser Wettbewerber. Was folgt daraus? Unsere klare Vision ist: Wir wollen die innovativste Volumenmarke weltweit sein. Wir haben die besten Ingenieure, die alles, vom Kleinwagen bis hin zu Luxusautos, machen können. Aus „Liebe zum Automobil“? Auch das ist Geschichte. Wir haben inzwischen ein neues Markenleitbild und einen neuen Markenclaim. Nämlich? Das Markenleitbild definiert die Kernwerte von Volkswagen: Innovativ, werthaltig, verantwortungsvoll.

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