Maschinenbau: Druckmaschinen-Branche steht weiter unter Druck

Maschinenbau: Druckmaschinen-Branche steht weiter unter Druck

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Uniset-Druckmaschine von Manroland: Rätselraten in der Branche um Fusionsofferte des Konkurrenten Koenig & Bauer

von Lothar Schnitzler

Dem Druckmaschinenbau geht es besser, aber noch lange nicht gut. Wie groß der Druck auf die Branche ist, zeigt die Offerte von Koenig&Bauer-Chef Helge Hansen an Manroland.

Der Antrag kam aus heiterem Himmel. Ein Zusammengehen mit Manroland, der Nummer drei in der Druckmaschinenbranche, so Hansen in der heutigen Ausgabe des Handelsblatts, sei denkbar. Die Avance löste bei Manroland wie bei der Mehrheitseigentümerin Allianz Capital Partners (ACP) Erstaunen aus. „Wir wussten nichts von unserem Glück“, heißt es in München bei ACP, „aber wir haben nicht vor, uns mit  Koenig & Bauer uns zu verbinden.“ Manroland hatte noch im Herbst Gespräche mit dem Weltmarktführer Heidelberger Druckmaschinenbau (Heideldruck) geführt, die schließlich gescheitert waren. Jetzt ist die offizielle Linie des Offenbacher Unternehmens: „Wir wollen allein bleiben.“

In der Branche ist darüber ein Rätselraten im Gang, was Hansen geritten hat. Bei Koenig & Bauer (KBA) spielt man den Antrag herunter. Es habe sich um ein reines Gedankenspiel über die Möglichkeiten am Markt gehandelt. KBA habe im Übrigen seine Hausaufgaben beim Konzernumbau gemacht und komme durchaus allein zurecht. Bei Manroland ist man dagegen vergrätzt. „Die wollen unsere Kunden verunsichern“, vermutet ein Manroland-Manager. Der Antrag solle bei den Kunden die Erwartung erzeugen, dass Manroland ohnehin bald vom Markt verschwinde und sie somit in die Arme der KBA treiben.

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Fusion hat wirtschaftlich wenig Sinn

Tatsächlich steht Hansen unter Druck. Zwar hatte der KBA-Chef deutlich früher als die Wettbewerber mit dem Aufräumen angefangen. Die KBA – weltweit der zweitgößte Druckmaschinenbauer - hatte anders als die beiden Wettbewerber sogar einen kleinen Jahresüberschuss gemeldet. Bei der Vorstellung des Ergebnisses für die ersten drei Monate dieses Jahres musste Hansen beim Betriebsergenis allerdings rote Zahlen präsentieren. Im zweiten Quartal, dessen Zahlen in wenigen Tagen vorgestellt werden, wird das Ergebnis zwar besser sein, aber noch immer rot. „Hansen versucht jetzt mit dem Fusionsthema abzulenken“, vermutet ein Branchenkenner.

Dabei ergibt eine Verschmelzung zwischen KBA und Manroland betriebswirtschaftlich wenig Sinn. Beide sind sowohl im Bogendruck (Werbung und Bücher) wie im Rollendruck (Zeitung) engagiert. Bei einem Zusammengehen müssten beide etliche Bereiche schließen -  ein teures Vergnügen, für das nach zwei Krisenjahren weder Manroland noch KBA finanziell gerüstet sind.

Branche leidet unter Überkapazität

Für die Branche  als Ganzes wäre die Fusion allerdings hilfreich. Das Gewerbe leidet unter Überkapazitäten. Heideldruck-Chef Bernhard Schreier geht davon aus, dass der weltweite Druckmaschinenumsatz mittelfristig um 20 Prozent zurückgeht. Alle Druckmaschinenbauer bauen ab. Heideldruck hat sich von rund 5000 seiner urspünglich 20000 Mitarbeiter getrennt, KBA von 2200 der einst 8000 Mitarbeiter. Der Schmerzensgang der einstigen Paradebranche dürfte damit jedoch noch nicht beendet sein.

Zwar erleben die Druckmaschinenbauer momentan einen Aufschwung. Heidelberger Druckmaschinen meldete heute Morgen für die Monate April, Mai und Juni ein Plus von 43 Prozent beim Auftragseingang. Doch obwohl seit fünf Quartalen die Aufträge nach oben gehen, weisen die Heidelberger noch immer ein tiefrotes Betriebsergebnis aus. Auch die Wettbewerber leiden unter miesen Erträgen. Die Industrie fürchtet sich jetzt schon vor dem nächsten Abschwung.

Früher oder später muss sich das Gewerbe daher zu größeren Einheiten zusammenschließen. Der Versuchsballon von KBA-Chef Hansen ist nun der dritte Versuch in der Branche innerhalb von 12 Monaten. Noch im Frühjahr hatte es Gespräche zwischen Manroland und der Schweizer Wifag gegeben. Die drei Branchenführer werden dennoch nicht müde zu betonen, wie glücklich sie allein sind. Doch die nächste Runde beim Anbaggern dürfte nicht lange sich warten lassen.

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