Maschinenbau: Druckmaschinen-Branche: Überlebensrezept Brutalumbau

Maschinenbau: Druckmaschinen-Branche: Überlebensrezept Brutalumbau

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Druckmaschinenhersteller

von Lothar Schnitzler

Die Paradebranche des deutschen Maschinenbaus hat die Krise und die Attacke durch das Internet überstanden. Mit einem Brutalumbau sichern die Druckmaschinenhersteller ihr Überleben.

Es geht um 450 Tonnen schwere Kolosse mit 100.000 Einzelteilen, durch die pro Stunde bis zu 50 Kilometer lange Papierbahnen rasen. Die dreistöckigen Riesen sind häufig mehr als 30 Meter lang, ihre Zahnräder aber bis auf einen Hundertstel Millimeter genau ausgefräst. Kein Wunder, dass die lärmenden Ungetüme oft mehr als 90 Millionen Euro teuer sind.

Der Druckmaschinenbau gilt als Königsdisziplin im Maschinenbau. Und es ist kein Zufall, dass die drei größten Hersteller im Mutterland dieser Branche – in Deutschland – zu Hause sind. Heidelberger Druckmaschinen, Manroland und Koenig & Bauer (KBA) teilen etwa zwei Drittel des Weltumsatzes unter sich auf und waren noch vor wenigen Jahren der Stolz der deutschen Wirtschaft. Das Geschäft war zwar konjunkturabhängig, aber kerngesund mit oft zweistelligen Wachstumsraten.

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Vorbei. In der Krise sparten die Unternehmen an Werbedrucksachen, Druckereien ließen alte Maschinen länger laufen, hinzu kamen die Attacken durch den Digitaldruck und das Internet. Ein massiver Einbruch war die Folge. Wenn sich die Branche in diesen Tagen auf der Druckmesse IPEX im englischen Birmingham trifft, werden wehmütige Töne zu hören sein über alte Zeiten, als in den Pubs fette Abschlüsse gefeiert wurden.

Die goldenen Jahre sind vorbei

Doch auch wenn die glorreichen Jahre wohl für immer vorbei sind: „Die Industrie ist noch lange nicht am Ende“, sagt Michael Apenberg, Berater für Medien und Druck in Hamburg. Zwar geht auch Apenberg davon aus, dass in Deutschland vom Druckvolumen in Höhe von rund 25 Milliarden Euro in den kommenden Jahren etwa drei Milliarden Euro wegfallen – vor allem wegen der Internet-Nutzung. Aber die drei Branchenführer gehen die Probleme aktiv an – mit einem Brutalumbau sichern sie ihr Überleben im Mehrfrontenkampf.

Die Druckmaschinenbauer und ihre Kunden bekamen in den vergangenen Jahren gleich von drei Seiten Prügel. In Krisen leiden die Drucker besonders, weil die Unternehmen zuerst an der Werbung sparen. Die macht aber, Zeitungs- und Zeitschriftenwerbung eingeschlossen, zwei Drittel des Druckgeschäfts aus.

Zusätzlich spürt die Industrie die Konkurrenz des Internets. Zwar hat sich das Netz bis jetzt noch nicht als Killer für den Druck erwiesen. Doch hat sich die Web-Nutzungsdauer auf durchschnittlich 70 Minuten pro Nutzer und Tag seit 2004 fast verdoppelt, während die Verbraucher nur noch 40 Minuten in Zeitungen und Zeitschriften lasen – neun Minuten weniger als 2004. „Es gibt eine schleichende Ersetzung zulasten des Druckgeschäftes“, sagt der Heidelberger Unternehmensberater und Maschinenbauexperte Holger Garbrecht.

Noch mehr macht den klassischen Produzenten von Druckmaschinen die Attacke durch die Hersteller von Digitaldruckgeräten zu schaffen. Die Maschinen, ursprünglich für den Bürogebrauch gedacht, können immer größere Auflagen meistern. Der Digitaldruckumsatz von Canon, Xerox oder Hewlett Packard hat sich seit 2003 weltweit mehr als vervierfacht.

Dagegen wirken die einstigen Druck-Perlen wie Schatten ihrer selbst. Heidelberg setzte im vergangenen Geschäftsjahr nur 2,3 Milliarden Euro um, ein Drittel weniger als noch vor zwei Jahren, und überlebte nur dank Staatsbürgschaften. Bei KBA und bei Manroland schrumpfte der Umsatz im gleichen Zeitraum gar um die Hälfte. Selbst wenn die Krise vorbei ist, wird sich der Umsatz der deutschen Druckmaschinenbauer nach Einschätzung von Branchenexperten auf etwa 80 Prozent des Vorkrisenniveaus einpendeln, also rund 4,5 Milliarden Euro. So viel setzte vor acht Jahren Heidelberg allein um.

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