Maschinenbau: "NRW hat eine sehr gesunde Streuung im Maschinenbau"

Maschinenbau: "NRW hat eine sehr gesunde Streuung im Maschinenbau"

Bild vergrößern

Ein Mitarbeiter der Firma DESMA überprüft im Labor die Mechanik einer neuen Schuhbesohlungsmaschine.

von Lothar Schnitzler

Günther Schuh von der Technischen Hochschule in Aachen über NRWs Maschinenbau-Netzwerk, dessen Vorteile und fehlenden Nachwuchs.

wiwo.de: Herr Schuh, Sie haben soeben eine Untersuchung vorgestellt über Maschinenbaukompetenz in Nordrhein-Westfalen (NRW). Will  das Land zwischen Rhein und Weser etwa Baden-Württemberg als Hauptstandort im Maschinenbau ablösen?

Schuh: Ganz so weit ist NRW noch nicht. Aber der Abstand ist deutlich kleiner als sich viele vorstellen. 2002 wurden in Baden-Württemberg noch 31 Prozent des Umsatzes des deutschen Maschinenbaus generiert und in NRW 21 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es schon 23 Prozent, während der Anteil im Südwesten auf 28 Prozent zurückging.

Anzeige

Woran liegt das?

Wir haben hier in NRW eine sehr gesunde Streuung im Maschinenbau. In Baden-Württemberg ist die Abhängigkeit der Maschinenbauer vom Automobilbau recht stark. In NRW finden Sie eine größere Vielfalt von Maschinen- und Anlagenbauern - vom Walzwerkbauer wie SMS oder dem Landmaschinenbauer wie Claas bis hin zum Werkzeugmaschinenbauer wie Gildemeister oder dem Kompressorenbauer Boge. Kaum eine Sparte fehlt. NRW bildet deshalb mit seinen Maschinenbauern, deren Kunden und Zulieferern, den Fachhochschulen und Universitäten, sowie den privaten Entwicklern und Dienstleistern ein ideales Cluster…

… ein was?

Ein Cluster, zu deutsch Schwarm oder Ansammlung. Darunter verstehen wir ein regionales Netzwerk, dessen Elemente sich ergänzen.

Wo liegt der Vorteil solcher Cluster?

Netzwerke dieser Art und das in ihnen enthaltene Wissen schaffen die stärkste Markteintrittsbarriere gegenüber möglichen Wettbewerbern. Damit können die Maschinenbauer Nachteile ausgleichen,  die sie zum Beispiel gegenüber Wettbewerbern aus Schwellenländern haben, wie die vergleichsweise hohen Löhne, Umweltauflagen, hohe Steuern und Gebühren.

Können die Schwellenländer nicht auch solche Netzwerke fördern?

Das versuchen sie. Aber die Netzwerke sind komplex, der kulturelle, der wissensbasierte Anteil ist sehr hoch und kann nicht einfach nachgeahmt werden. Und Beziehungen in Clustern beruhen auf persönlichem Vertrauen, das über Jahre oder gar Jahrzehnte gewachsen ist.

Wachsen Unternehmen, die Teil eines Clusters sind, schneller?

Ja, bei der Beschäftigung legten Unternehmen, die zu einem solchen Netzwerk gehören, in den Jahren zwischen 2004 und 2009 um 52 Prozent mehr zu als die Vergleichsunternehmen, beim Umsatz lag das Wachstum um 42 Prozent über der Vergleichsgruppe.

Ist NRW bei der Bildung solcher Cluster weiter als andere Regionen in Deutschland?

Ein vergleichbares Cluster gibt es nur in Baden-Württemberg. In Bayern gibt es einzelne kleinere, regionale Netzwerke, aber kein landesweites Cluster. Wir konnten in unserer Untersuchung nachweisen, dass der Grad der Netzwerkbildung in keinem Land so stark wächst wie im Maschinenbau im  Raum zwischen Rhein und Weser.

Was haben kleinere Mittelständler davon?

In NRW kann ich als Maschinenbauer jede Kompetenz in der Nähe einkaufen. Das ist einmalig auf der Welt. Und das ist für mittelständisch gegliederte Branchen sehr wichtig. 70 Prozent der nordrhein-westfälischen Maschinenbaubetriebe beschäftigen weniger als 100 Leute. Die können es sich nicht leisten, für jede thematische Nische einen eigenen Experten zu beschäftigen. Und sie können sich es auch nicht leisten, für jedes Treffen zwei Tage unterwegs zu sein.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%