Maschinenbau: Wie lange bleibt Gildemeister noch deutsch?

Maschinenbau: Wie lange bleibt Gildemeister noch deutsch?

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Gildemeister

von Lothar Schnitzler

Der neue japanische Ankeraktionär Mori Seiki stützt den Maschinenbauer Gildemeister. Doch fraglich ist, wie lange der Parade-Maschinenbauer noch seine Selbstständigkeit behält.

Rüdiger Kapitza ist ein Manager der zupackenden Art. Der Mann, der nun schon seit 15 Jahren das Ruder bei Gildemeister hält, gilt als führungsstark und als Verkaufskanone. Der heute 55-Jährige verfünffachte während seiner Amtszeit den Umsatz und machte den angeschlagenen Werkzeugmaschinenbauer zur Nummer fünf weltweit mit 5400 Beschäftigten, davon 3300 in Deutschland.

Was bewegt so einen, seine Stellung als ungekrönter König am Unternehmenssitz in Bielefeld zu schwächen?

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Alles hatte ganz harmlos angefangen. Im Frühjahr 2009 besiegelte Kapitza eine Partnerschaft mit dem japanischen Konkurrenten Mori Seiki, indem beide Unternehmen durch einen Aktientausch sich zu jeweils fünf Prozent aneinander beteiligten. Ziel war vor allem, beim Verkauf der Maschinen zu kooperieren. Doch schon bald kursierten Gerüchte, Mori-Seiki-Chef und Großaktionär Masahiko Mori wolle seinen Anteil auf 30 Prozent anheben. „Unsinn“, meinte Kapitza dazu damals nur. An der Sache sei nichts dran.

Doch jetzt, gut ein Jahr nach Beginn der Zusammenarbeit, wollen die beiden Partner den Anteil von Mori Seiki an Gildemeister von 5 auf 20 Prozent anheben. Zusätzlich erhielt die Kooperation in den vergangenen Monaten immer mehr Fahrt. Inzwischen arbeiten Gildemeister und Mori Seiki auf fast allen Gebieten zusammen, wo dies möglich ist: bei der Entwicklung gemeinsamer Plattformen für Maschinen, in der Fertigung, dem Vertrieb und Service.

Geld spielt keine Rolle

Zwar will Gildemeister, wie Kapitza der WirtschaftsWoche verriet, ebenfalls seinen Anteil an Mori Seiki erhöhen, allerdings in ungleich geringerer Höhe als Mori Seiki. Das Übergewicht der Japaner ist damit festgeschrieben.

Viele fragen sich deshalb, was Masahiko Mori sonst noch mit Gildemeister vorhat. Fest steht: Den Japanern dürfte es nicht schwerfallen, ihren Anteil bis zur Schwelle von 30 Prozent zu erhöhen, von der an sie den Restaktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten müssten. Denn Geld spielt bei Mori Seiki keine große Rolle, auch wenn im vergangenen Geschäftsjahr (31. März) Verluste in Höhe fast der Hälfte des Umsatzes anfielen. Das Unternehmen verfügt auch nach der Krise noch über eine satte Eigenkapitalquote von 80 Prozent. Und Kredite sind in Japan angesichts der Null-Prozent-Zinspolitik der japanischen Notenbank das kleinere Problem.

Die gegenwärtigen Übernahmeversuche des Essener Baukonzerns Hochtief durch den spanischen Konkurrenten ACS oder des Düsseldorfer Kranbauers Demag durch Konecranes aus Finnland und Terex aus den USA erregen zurzeit die Gemüter. Davon ist weder in Bielefeld noch in der Landeshauptstadt Düsseldorf etwas zu spüren. „Kein Anlass zur Unruhe“, heißt es im Wirtschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen. Auch die Abnehmer von Gildemeister, die sich vor allem aus der Autoindustrie rekrutieren, goutieren den Einstieg. „Die Partner können jetzt vor allem in der Entwicklung vorpreschen, das nutzt den Kunden“, sagt Karl Heinz Bücheler, Vorstand des Münchner Beraters Exxent Management Team.

15 Millionen in die Kasse

Tatsächlich haben die Allianz und die Aufstockung des Mori-Seiki-Anteils einen gewissen Charme. Sie löst eine Reihe von Problemen, mit denen sich Kapitza in den vergangenen Jahren herumschlug. So dürfte die chronisch hohe Verschuldung des Konzerns nach den Kapitalerhöhungen, die mit dem weiteren Einstieg von Mori Seiki einhergehen, der Vergangenheit angehören.

Gildemeister schleppt Verbindlichkeiten von rund 300 Millionen Euro mit sich herum. Die Banken verlangen dafür stolze 9,8 Prozent Zinsen. „Die Institute nehmen wegen der Krise und des extrem zyklischen Geschäfts im Werkzeugmaschinenbau einen ordentlichen Risikoaufschlag“, sagt Gordon Schönell, Maschinenbau-Analyst beim Bankhaus Lampe.

Vor allem freut sich Kapitza, für sein Unternehmen, dessen Aktien breit gestreut sind, endlich einen Ankeraktionär zu bekommen. Die Angst, von Finanzinvestoren über- und danach ausgenommen zu werden, gehört dadurch der Vergangenheit an. Und nicht zuletzt spült die Kooperation wegen der Synergieeffekte jährlich mehr als 15 Millionen Euro in die Kassen der Partner.

Doch gerade die dichte Kooperation, der gewollte Austausch von Wissen, der gemeinsame Auftritt auf den Märkten, wirft die Frage nach der künftigen Selbstständigkeit des westfälischen Maschinenbauers auf. „Es ist fraglich, ob Gildemeister in zehn Jahren noch existiert“, fürchtet ein ehemaliger Gildemeister-Manager, „wenn wir nicht aufpassen, geht da eine Perle Schritt für Schritt in ausländische Hände.“

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