Maschinenbauer Dieter Manz: "In Sippenhaft genommen"

InterviewMaschinenbauer Dieter Manz: "In Sippenhaft genommen"

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Dieter Manz

von Mario Brück und Dieter Dürand

Die Zukunft der deutschen Solarindustrie und des billigen Öko-Stroms umreißt Unternehmer Dieter Manz, Chef des Maschinenbau-Herstellers Manz. Er spielt in der Branche eine entscheidende Rolle.

Herr Manz, während viele deutsche Solarunternehmen im ersten Halbjahr teils desaströse Erlös- und Gewinneinbrüche erlitten, sind Ihre Zahlen stabil. Wie schaffen Sie das?

Manz: Wir ernten jetzt die Früchte unseres Strategiewechsels, mit Maschinen zur Herstellung von Solarzellen und -modulen, Flachbildschirmen (LCD) und künftig auch Batterien drei ungefähr gleich starke Geschäftsfelder zu haben und so die Abhängigkeit von einzelnen Märkten deutlich zu verringern.

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Die Anleger goutieren das bisher nicht. Der Manz-Aktienkurs fällt seit Monaten.

Manz: Analysten und Investoren nehmen uns vor allem als Solarzulieferer wahr und haben unsere neue Stärke noch zu wenig registriert. Wir werden in Sippenhaft für die momentanen Probleme auf den Solarmärkten genommen. Aber alle Industrien, in denen wir jetzt arbeiten – Solar, Displays und Batterien – haben ein großes Wachstumspotenzial. Wir sind zuversichtlich, das das bald auch der Kapitalmarkt honoriert.

Womöglich zweifeln die Anleger an den finanziellen Möglichkeiten eines Mittelständlers wie Manz, gleich drei Hochtechnologien vorantreiben zu können.

Manz: Das geht sehr wohl, weil alle Produkte auf den gleichen Basistechnologien beruhen. Da ergeben sich viele Synergien. Wir investieren nur in Entwicklungen, die sich mehrfach nutzen lassen. Das ermöglicht eine hohe Rendite.

Von Ihren einstigen Gewinnmargen in Höhe von 14 Prozent und mehr sind Sie aber Lichtjahre entfernt.

Manz: Die Finanzkrise war ein harter Schlag für uns. Einen Umsatzeinbruch von 236 auf 85 Millionen Euro wie 2008 muss man erst mal verdauen. Aber wir haben daraus gelernt und unser Geschäft diversifiziert. Das kostet in der Aufbauphase Zeit und Geld und schmälert anfangs die Profitabilität. Doch unser Ziel ist es, die Margen mittelfristig wieder zu steigern.

Ihr Kurs birgt Risiken. Wie viele neue Produktionslinien für Solarmodule wurden denn zuletzt bestellt?

Manz: Da herrscht seit zwei Monaten Flaute...

...und wenn die länger anhält?

Manz: Zwei Gründe sprechen dafür, dass die Nachfrage spätestens kommendes Frühjahr spürbar wieder anzieht. Die sinkenden Preise für Solarpanele werden das Geschäft ankurbeln. Zugleich sind die Hersteller gezwungen, Anlagen anzuschaffen, auf denen sie die Module trotz des Preisverfalls wirtschaftlich produzieren können. Nach unserer Schätzung erfüllt heute ein Drittel aller weltweiten Produktionslinien diese Anforderung nicht mehr. Es entsteht also ein enormer Ersatzbedarf. Linien, die drei oder vier Jahre alt sind, kann man nur noch verschrotten. Sie bringen kein Geld mehr.

Die neuen Maschinen bauen Sie dann in China, wo Sie gerade Ihr Werk erweitern.

Manz: So läuft das Spiel halt. Unsere Kunden, speziell in Asien, lieben deutsches Engineering, zahlen aber ungern die hohen Kosten hier. Also ermuntern sie heimische Maschinenbauer, unsere Technik nachzubauen. Wo solche lokalen Wettbewerber auftreten, müssen wir reagieren und diese Maschinen zu den günstigeren Kosten in China bauen. Andernfalls würden wir Teile unseres Geschäfts verlieren. Eine Verlagerung von Anlagen, für die es keinen lokalen Wettbewerb gibt, ist aber im Umkehrschluss überhaupt nicht geplant.

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