Massive Absatzprobleme: Industrie verlangsamt Einführung von Biosprit E10

Massive Absatzprobleme: Industrie verlangsamt Einführung von Biosprit E10

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Sieg für verärgerte Autofahrer: Nach massiven Absatzproblemen stoppt die Mineralölindustrie vorläufig die flächendeckende Einführung des neuen Biokraftstoffes E10

Es ist ein Zwischenerfolg für verunsicherte Autofahrer: Die Mineralölindustrie verlangsamt die flächendeckende Einführung des Biosprits E10, weil Deutschlands Autofahrer den neuen Treibstoff boykottieren - trotz gesetzlicher Verordung.

Vor allem im Süden und Osten Deutschlands, wo er zuerst eingeführt wurde, sorgt er seit einigen Wochen für massive Verunsicherung: Der neue Biokraftstoff E10, den die Autofahrer nach dem Willen der Bundesregierung künftig tanken sollen. Doch gegen die Bevormundung von oben und eine nicht gerade vorbildliche Informationspolitik wehren sich die Autofahrer massiv: Obwohl gut 90 Prozent aller Autos auf Deutschlands Straßren den neuen Biosprit tanken könnten, kommt bei einem Großteil der Autofahrer kein E10 in den Tank. Nach Informationen aus den Mineralölfirmen haben es 60 bis 70 Prozent der Autofahrer abgelehnt, die neue Spritsorte einzufüllen - und sind auf das deutlich teurere Super Plus ausgewichen.

Das Problem des neuen Treibstoffs E10: Er enthält statt bisher maximal fünf Prozent nun zehn Prozent des Biotreibstoffs Ethanol. Einige ältere Automodelle vertragen diese Art des Benzins nicht. Obwohl es auf zahlreichen Websites detaillierte Informationen gibt, welche Modellreihen E10 tanken könnten, sind die Autofahrer verunsichert - und gehen beim Super lieber auf Nummer sicher. Nun treten die Mineralölfirmen, die von der Bundesregierung zur flächendeckenden Einführung von E10 gezwungen werden, auf die Bremse: Sie verlangsamen die weitere Einführung des umstrittenen Super E10.

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„Die Kundenakzeptanz ist nicht da“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands, Klaus Picard, heute in Berlin. Nach Branchenangaben werden vorerst keine weiteren Raffinerienauf die Produktion des neuen Treibstoffs umgestellt. Hintergrund: Die Tanklager quellen mit dem neuen E10-Superbenzin über, weil verunsicherte Autofahrer trotz der höheren Preise lieber Super Plustanken. Allerdings sollen schon umgestellte Werke auch nicht auf das Alt-Super zurückgenommen werden.

Die Mineralölkonzerne haben nun ein großes Problem: Ihnen drohen von Seiten der Bundesregierung Strafzahlungen in Millionenhöhe, wenn sie die Vorgaben der Bundesregierung nicht erfüllen. Und die lauten: E10 soll der neue Norm-Treibstoff werden. "Wir haben an den Tankstellen, an denen E10 eingeführt wurde, den größten Tank mit E10 befüllt", sagte Shell-Pressesprecherin Cornelia Wolber gegenüber wiwo.de. In den kleineren Tanks steht nun Superbenzin mit 95 Oktan und 5 Prozent Ethanolbeimischung bereit. Doch weil der E10-Treibstoff wie Blei in den großen Tanks liegen bleibt, haben Firmen wie Shell ein Logistik-Problem. "Wir sind momentan mit allem auf der Straße, was rollen kann", beschreibt Wolber die derzeitige Liefer-Situation für das "alte" Superbenzin.

"Wir müssen aufpassen, dass es hier zu keinen Lieferengpässen kommt", sagt auch Tobias Wolny, Pressesprecher von BP/Aral. "Jetzt können wir alle gemeinsam nur besser informieren". Den schwarzen Peter für die verpatzte E10-Einführung will sich die Mineralölwirtschaft aber nicht in die Schuhe schieben lassen. Aral und Shell betonen, dass sie an allen Tankstellen Info-Flyer und Warnhinweise angebracht hätten. Bei Aral liegen an vielen Tankstellen auch detaillierte Listen auf, welche Automarken und Modelle E10 vertragen und welche nicht. Doch die rechtsverbindliche Auskunft, ob ein Auto nun E10 vertrage oder nicht, könne nicht von den Tankstellenpächtern kommen, betonen beide. Das müsse von den Autoherstellern selbst kommen.

Bundesumweltminister Norbert Röttge ist von dem Chaos um die E10-Einführung jedenfalls alles andere asl begeistert: „Das Durcheinander, das die Mineralölwirtschaft hier veranstaltet, ist nicht akzeptabel“, sagte Röttgen heute einer Nachrichtenagentur. „Es führt zu einer vollständigen Verunsicherung der Verbraucher. Die Mineralölindustrie sollte sich endlich eine vernünftige Strategie überlegen, statt jeden Tag  widersprüchliche und verwirrende Botschaften auszusenden.“

Für weitere Diskussionen dürfte in den nächsten Wochen also gesorgt sein.

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