Mazda-Europachef James Muir im Interview: "Wir bereiten uns auf stürmische zwei, drei Jahre vor"

Mazda-Europachef James Muir im Interview: "Wir bereiten uns auf stürmische zwei, drei Jahre vor"

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James Muir (49) führt seit Juli 2005 die Geschäfte des japanischen Autoherstellers Mazda in Europa. Der Vertriebsexperte war zuvor in verschiedenen Führungspositionen bei der Ford Motor Company tätig.

James Muir, Präsident von Mazda in Europa, über die Auswirkungen der Marktschwäche, über Konjunkturprogramme und die Zukunft des Wankelmotors.

WirtschaftsWoche: Herr Muir,  Ford hat sich von 20 Prozent der Mazda-Anteile getrennt, hält jetzt nur noch 13 Prozent an Ihrem Unternehmen. Was bedeutet dies für die Zukunft des Unternehmens?

James Muir: Ford und Mazda werden weiterhin zusammenarbeiten. Aus meiner Sicht ist es schon sinnvoll, strategisch wichtige Allianzen in der Automobilbranche einzugehen, um Synergien zu schaffen und letztendlich die Kosten zu senken. Es gibt hier einige positive Beispiele in der Branche.

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Was würde Mazda in so eine Allianz einbringen können?

Produktionsqualität und -effizienz, ein gutes Marken-Image, den Erfindungsreichtum der Ingenieure und natürlich auch das Know-how bei Wankelmotoren.

Die Rahmenbedingungen werden immer schwieriger. Fast alle Hersteller müssen die Produktion drastisch drosseln. Wie ist die Lage bei Ihnen?

Auch wir haben reagieren müssen und die Produktion weltweit um 30.000 Einheiten reduziert. Mazda hat ein sehr effizientes und flexibles Produktionssystem, das uns jetzt erlaubt, die Produktion ohne Personalabbau zurückzufahren.

"Der deutsche Markt braucht Veränderungen"

Der Automarkt ist auch in Europa sehr schwach. Welche Maßnahmen könnten helfen, um das Geschäft wieder anzukurbeln?

Allem voran muss man natürlich attraktive, wettbewerbsfähige und effiziente Produkte anbieten. Aber auch ein starkes, profitables und motiviertes Händlernetz ist nötig, gerade in Zeiten der Kaufzurückhaltung bei den Kunden. Die Kunden müssen wieder mehr Vertrauen bekommen. Hier ist natürlich auch die Politik gefragt. Das Geld ist ja bei vielen da, nur überlegen die Kunden heute mehr als bisher, wann und wofür sie es ausgeben.

Was halten Sie vom Maßnahmenpaket der deutschen Regierung, das vorsieht, die Kfz-Steuer beim Kauf eines emissionsarmen Neuwagen für zwei Jahre auszusetzen?

Das, was bisher vorgeschlagen wurde, ist mir zu wenig. Die Anreize für den Käufer müssten schon im vierstelligen Euro-Bereich liegen. Eine Verschrottungsprämie wäre meines Erachtens ein Schritt in die richtige Richtung.

Und wenn es nicht dazu kommt: Wie wollen Sie dann den zu erwartenden Umsatzeinbruch abfedern?

Immerhin haben wir bis Ende September europaweit ein Absatzplus von 17 Prozent erwirtschaftet. Aber jetzt bereiten wir uns auf stürmische zwei, drei Jahre vor. Deswegen haben wir auch umfangreiche Budgetkürzungen vorgenommen, zum Beispiel beim Marketing und den Reisekosten für unsere Manager.

Sie reisen nun in der Touristenklasse nach Japan?

Das nicht unbedingt, aber wir überprüfen sehr genau, welche Geschäftsreisen wir im Moment wirklich brauchen. Es gibt aber noch in anderen Bereichen Einsparpotenziale, die realisiert werden können, ohne dass unser Geschäft darunter wirklich leidet.

Und wo können Sie in Deutschland sparen?

Der deutsche Markt braucht Veränderungen. Deswegen werden wir das Händlernetz in den nächsten zwei Jahren neu gestalten, um so die Professionalität und die Wettbewerbsfähigkeit der in der Anzahl reduzierten Mazda Partner zu steigern.

Nach welchen Maßstäben beurteilen Sie das?

Entscheidend sind Faktoren wie Kundenzufriedenheit und Kompetenz. Auch der After-Sales-Bereich ist sehr wichtig. Gerade in Deutschland spielt die Händlerkompetenz eine große Rolle. Wir wollen mit verschiedenen Maßnahmen unsere Händler in bestimmten Bereichen noch stärker unterstützen und so den Markt aktiver bearbeiten.

Das kann aber doch nicht alleine die Lösung für die Absatzflaute sein …

Da haben Sie völlig recht. Wir haben uns zu lange auf den Privat-Sektor konzentriert und das Flottengeschäft vernachlässigt. Das wird sich ändern. Allerdings braucht das seine Zeit, bis die Strukturen stehen.

Mazda ist der letzte Autohersteller weltweit, der ein Fahrzeug mit Wankelmotor anbietet. Hat das Auto eigentlich eine Zukunft?

Wankel und Mazda sind untrennbar miteinander verbunden. Deshalb entwickeln wir gerade einen komplett neuen Wankelmotor, der in drei bis vier Jahren serienreif sein dürfte. Einer der bisherigen Nachteile des Wankelmotors, der relativ hohe Verbrauch, dürfte mit dem neuen Motor nicht mehr im Vordergrund stehen Wir wollen weiter Sportwagen mit dieser Art von Motor verkaufen. Der nächste RX-8 wird aber sicher kein Viertürer, sondern ein zweitüriges Coupé.

Lässt sich der Motor noch verbessern?

Die größte Herausforderung ist die Reduzierung des Verbrauchs. Aber der neue Motor bietet mit seinen kompakteren Brennkammern dafür eine gute Basis. Wir sind überzeugt, dass wir das innerhalb der nächsten drei bis vier Jahren in den Griff bekommen. Damit geht dann auch eine höhere Effizienz und mehr Leistung einher.

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