Für einen Großteil der Bevölkerung ist schlicht die Gier der Banker der entscheidende Grund, die teilweise sogar verbrecherische Züge annimmt, etwa beim Schneeballsystem der amerikanischen Investmentikone Bernard Madoff, der Anleger um 50 Milliarden US-Dollar geprellt haben soll. Mit Debatten um Gier oder Neid werden wir die Probleme nicht lösen. Gier hat es in den Finanzmärkten immer gegeben, das ist nichts Neues. Wir sollten uns lieber fragen, welche konkreten Fehlentwicklungen es gab und wie wir sie künftig verhindern können.
Was sind hier Ihre größten Sorgen? Sehr gefährlich ist, dass die Banken schon zu Beginn der Rezession große Teile ihres Eigenkapitals verloren haben. Das bräuchten sie eigentlich, um die in den nächsten Monten unvermeidlichen Verluste aufzufangen, wenn mehr Kredite ausfallen werden. Da die Kapitalbasis durch die Krise schon zu Beginn der Rezession ausgehöhlt ist, könnten die Banken erneut zusätzliches Kapital benötigen…
... also noch mehr Steuermilliarden? Auf Dauer kann und sollte der Staat die Banken und die Finanzmärkte nicht mit Kapital versorgen müssen. Es muss auch wieder privates Geld in die Finanzmärkte fließen.
Das klingt für uns wie ein frommer Wunsch zu Weihnachten. Das ganze System ächzt zurzeit unter den Anpassungen, ein neues Gleichgewicht zu finden. Neues Vertrauen kann nur durch mehr Transparenz entstehen. Solange unklar ist, was die Banken noch in den Büchern haben und welche Verluste noch drohen, wird es keine wirkliche Entspannung geben. Da dürften die testierten Jahresabschlüsse helfen, die Anfang 2009 auf den Tisch kommen. Auch wenn wir da sicher noch unangenehme Überraschungen sehen werden.
Was muss Ihrer Ansicht nach konkret passieren, damit sich die Exzesse der Vergangenheit nicht wiederholen? Ein fundamentales Problem liegt darin, dass die Herausgeber von Wertpapieren die Ratingagenturen für deren Bewertungen bezahlen. Da ist der Interessenkonflikt unvermeidlich. Außerdem dominieren nur drei Anbieter aus dem angelsächsischen Raum den weltweiten Markt. Mehr Konkurrenz – zum Beispiel aus Europa – könnte eine grundsätzliche Reform beschleunigen. Auch sollten die Bilanzierungsregeln überarbeitet werden. Ein Nebeneffekt der Eigenkapitalrichtlinien Basel II war die enorme Aufblähung der Bankbilanzen durch angeblich risikofreie Wertpapiere. Der Verschuldungsgrad der Banken muss auf einem niedrigeren Niveau begrenzt werden, ihre Eigenkapitalbasis muss größer sein. Sonst werden die Investoren nicht wieder einsteigen. Insofern sorgt auch der Markt dafür, dass sich die Geschäftsmodelle der Banken verändern.
In welche Richtung? Finanzprodukte, die Investoren und die Banker selbst nicht verstehen, wird es so nicht mehr geben. Zu komplex strukturierte Finanzprodukte werden in der bisherigen Form verschwinden. Das Geschäft der Banken mit den Kunden, zum Beispiel Kredite oder klassische Geldanlage, wird eine deutlich größere Rolle spielen. Es wird weniger Spezialbanken geben...
...also zum Beispiel weniger reine Investment- oder Hypothekenbanken... ...weil diese, wie die Krise gezeigt hat, oft nicht stabil genug sind. Der Finanzsektor wird in seiner Entwicklung deutlich stärker der Realwirtschaft dienen.
Wie werden die deutschen Banken die Krise überstehen? Ich hoffe einigermaßen gut. Allerdings bin ich für den Finanzplatz Deutschland nicht sehr optimistisch. An anderen Finanzzentren findet derzeit eine beispiellose Konsolidierungswelle statt. Nach der Krise werden dort neue große, stark kapitalisierte Banken entstanden sein. In Deutschland gab es hier zwar einige Schritte...
... die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank und den Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank …. …was aber nichts daran ändert, dass wir in Deutschland zu wenige Institute mit der erforderlichen Größe und internationalen Ausrichtung haben, die unsere weltweit tätigen Unternehmen bei deren Auslandsgeschäften optimal begleiten können.
Liegt das Grundübel nicht im deutschen Drei-Säulen-System aus Geschäftsbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken? Nein. Ein starkes, internationales Institut könnte aus jeder dieser Säulen kommen. Auch aus den Landesbanken könnte sich ein international wettbewerbsfähiges Institut entwickeln. Dabei geht es nicht darum, dass die Finanzbranche bei uns die Bedeutung erlangen sollte wie in manchen anderen Ländern. Deutschland ist ein Industrieland und wird es auch bleiben.
Die Autohersteller stürzen doch geradezu ab. Verlieren wir hier langfristig eine unserer Leitindustrien? Die deutschen Hersteller sind international sehr wettbewerbsfähig. Die Probleme der Anbieter in anderen Ländern, allen voran in den USA, sind nicht erst durch die gegenwärtige Krise entstanden, sondern schwelen schon lange. Sie haben mit ihrer Modellpolitik an Akzeptanz bei den Kunden verloren.
Die Autobauer stehen wegen der Klimadebatte vor einem fundamentalen Umbruch. Spielen die deutschen Hersteller, etwa im Vergleich mit den Japanern, hier vorne mit? Davon bin ich überzeugt. Wir werden uns zwar noch lange nicht von fossilen Treibstoffen verabschieden. Ein sparsamer Dieselmotor wird noch viele Jahre der emissions- und verbrauchsärmste Autoantrieb bleiben. Aber Elektroautos werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dabei ist die Batterietechnik der Schlüssel zum Erfolg – und ich hoffe, dass die deutschen Hersteller und Zulieferer technologisch führend sein werden.
Hat die Debatte über die Klimaerwärmung durch die Wirtschaftskrise an Bedeutung verloren? Das mag auf den ersten Blick so scheinen. Aber Klimaschutz ist gesellschaftlich akzeptiert und politisch gewollt. Die Unternehmen stellen sich darauf ein, das Thema bietet ja auch enorme Marktchancen, etwa in der Umwelttechnologie. Ob neue Abgasregeln oder Emissionsrechte, darin sehe ich kein großes Problem, sofern die Regelungen nicht überzogen sind und den Unternehmen genug Zeit lassen, sich anzupassen.
Und wenn dadurch Unternehmen außer Landes getrieben werden, weil es anderswo weniger strenge Umweltvorschriften gibt? Bestimmte Anlagen, etwa in der Grundstoff- oder in der Metallindustrie, werden dann vermutlich nicht mehr in Deutschland gebaut. Dadurch verlagern sich Beschäftigung und Investitionen ins Ausland. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir gleichzeitig andere Wachstumsfelder in der Hochtechnologie gewonnen haben. Im Umweltschutz haben wir hohe Standards, wir sind bei vielen Technologien führend, unsere Autos sind moderner, unsere Häuser besser isoliert und viele Unternehmen sind Weltmarktführer. Hier sehe ich für deutsche Unternehmen ganz großes Potenzial.
Zum Nulltarif wird es den Umbau, wie Sie ihn der deutschen Industrie voraussagen, aber kaum geben. Natürlich nicht. Wichtig ist nur, dass der Umbau bezahlbar ist. Denn bezahlen muss ihn letztlich der Kunde. Das heißt, die Konsumenten müssen die umweltfreundlichen Produkte auch wirklich kaufen. Hier fallen Anspruch und Wirklichkeit oft auseinander, wenn die umweltfreundlichen Produkte teurer sind.
Was bleibt den Unternehmen in den nächsten Monaten, um mit der Krise fertigzuwerden? Die Unternehmen haben viele Instrumente, um mit einer Rezession umzugehen. Die Beschäftigung ist durch Zeitarbeit und Arbeitszeitkonten deutlich flexibler geworden. Viele können die Krise wahrscheinlich ohne Massenentlassungen überstehen. Besonders wichtig ist die Refinanzierung. Sie wird voraussichtlich nur zu deutlich höheren Konditionen möglich sein. Und das ist kein vorübergehender Zustand, die lange Phase des billigen Geldes ist auf Jahre vorbei. Die Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen. Sie sollten sich auch fragen, wie sie ihre Zulieferer und Abnehmer stabilisieren können. Unternehmen werden die Krise nur gut überstehen, wenn sie ihre Partner mitnehmen.














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Alle Kommentare lesen04.01.2009, 11:05 UhrAnonymer Benutzer: Watchdog
Auch Herr Mattern kann derzeit nur im Kaffeesatz lesen; seine
"Glaubensbekenntnisse" und Annahmen werden sich über kurz oder lang als ebenso unzutreffend erweisen wie es sich gezeigt hat, daß weltweit niemand Ausbruch und Ausmass der Finanz- und Wirtschaftskrise prognostiziert hat. Nur nachträglich "wissen" ALLE,
warum niemand wissen konnte ....
30.12.2008, 14:56 UhrAnonymer Benutzer: grassus
wieder so ein weichgespülter bWLer, der keine Ahnung hat...
29.12.2008, 01:01 UhrAnonymer Benutzer: helago
Die gleichen "Experten" haben der Deutschen Post geraten ein Engagement in den USA zu beginnen. Jeden Tag wurden dort ein paar Milliönchen "verbrannt". Nun der Nachfolger von unserem Herr Steuerbetrüger Postwinkel (er, der Postwinkel war zuvor bei diesem Schlaumeier-Laden beschäftigt) die Notbremse gezogen und den USA-Spuck beendet. bezahlen weren hierfür die Aktionäre und die Mitarbeiter... Von diesen geistigen Dünnscheissern wird KEiNER zur Verantwortung gezogen... Es gibt in diesem Land mehr hochbezahlte idioten (Ackermann & Co.) als vernünftige Manager.