Media-Markt-Insider Cleve: "Media Markt ist ein Familienunternehmen"

Media-Markt-Insider Cleve: "Media Markt ist ein Familienunternehmen"

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Jürgen Cleve, Media Markt: Wie blöd ist das Konzept wirklich?, erschienen im Walhalla Fachverlag

von Henryk Hielscher

Media-Markt-Insider Jürgen Cleve über den Machtkampf bei der Elektronikkette, die Aufholjagd im Online-Handel und den Corpsgeist in der Zentrale in Ingolstadt.

WirtschaftsWoche: Herr Cleve, heute lieferten sich MediaSaturn-Mitgründer Erich Kellerhals und Eckhard Cordes, Chef des Hauptanteilseigners Metro, ein Duell vor Gericht. Es geht im Kern darum, wer künftig bei Europas größtem Elektronikhändler das Sagen hat. Schlägt der Streit der Eigner auf das operative Geschäft durch?

Jürgen Cleve: Eines ist gewiss: Der Streit zwischen Herrn Cordes und den Gründern – auch Leopold Stiefel hat sich schließlich auch auf die Seite seines Mitbegründers Kellerhals gestellt - verwirrt die Basis auf breiter Front. Nichts ist und nichts wird mehr so sein wie früher. Natürlich lässt sich das intern kaum einer anmerken und die Holding-Geschäftsführung ist mehr als bemüht, den Ball flach zu spielen. Schließlich ist das Vorgehen von Herrn Kellerhals gegen den vermeintlich Mächtigen einzigartig. Ich kenne in der Wirtschaft keinen ähnlich gelagerten Fall, der derart öffentlich präsent ist und nun sogar von einem Gericht entschieden werden muss. 

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Welchen Einfluss haben die Gründer denn noch auf das Unternehmen?

Die Gründer stellen für die "Gemeinschaft Media Markt", wenn ich diese Bezeichnung einmal gebrauchen darf,  nach wie vor eine ernstzunehmende Größe dar. Damit spreche ich vor allem die Begeisterung der Belegschaft und gleichzeitig die damit verbundene Motivation an. In meinem Buch gehe ich explizit auch auf den Faktor "Gründervater-Status" ein. Im Kern ist Media Markt trotz der heutigen Unternehmensgröße immer noch ein Familienunternehmen.

Auch wenn sich jetzt andeutet, dass Kellerhals vor Gericht Recht bekommen, hat die juristische Auseinandersetzung deutlich gemacht, dass es bei dem erfolgsverwöhnten Unternehmen zunehmend Probleme gibt. Cordes spricht gar vom "süßen Gift" des Erfolgs, das sich in Ingolstadt ausgebreitet habe. Ist der Siegeszug von MediaSaturn vorbei?

Zunächst: Es gibt immer einen zweiten Blickwinkel. Ich verstehe Herrn Cordes, der sich als Mehrheitsgesellschafter - er vertritt immerhin über 75 Prozent der Anteile – Gedanken darüber machen muss, ob die Konzepte Media Markt und Saturn noch richtig greifen. Herr Cordes ist zudem ein shareholder-value getriebener Firmenlenker, der sich gegenüber den Aktionären verantworten muss. Hierin wird aber auch die Verschiedenheit der beiden Führungstypen und die damit verbundenen Ansprüche erkennbar. Für Herrn Cordes geht es um eine von mehreren Firmen seines von ihm gelenkten Konzerns, für Herrn Kellerhals geht es um sein Lebenswerk. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Trotzdem wurde das Online-Geschäft verschlafen und auf vergleichbarer Fläche sinken die Umsätze.

Darf denn heute nicht mehr gepatzt werden? Ernsthaft: Media Markt hat der Metro Group und seinen Aktionären in den zurückliegenden Jahren erhebliche Gewinne und damit reichlich Kapital beschert. Ein vergleichbares Erfolgsmodell wird man im Konzernportfolio lange suchen müssen. Wenn ich mir die Milliardenverluste bewusst mache, die die Metro bei ihrer Expansion in China jahrelang selbst zu verantworten hatte, dann scheint mir die Sorge um Media Markt in einem anderen Licht. Ja, bei Media Markt sind Fehler gemacht worden. Das zweifelt aber auch keiner an. Man kann sich lange darüber streiten, was man wie hätte besser machen oder hätte schneller umsetzen können. Andererseits bin ich ein Freund der Theorie, dass Missstände zunächst im eigenen Unternehmen gelöst werden. Erst wenn gar keine Zukunftskonzepte mehr greifen, sollte der Einfluss von außen erfolgen.

Was muss MediaSaturn-Chef Horst Norberg jetzt tun?

Herr Norberg ist ein "alter Handelsfuchs". Er genießt sowohl das Vertrauen der Belegschaft als auch das der Gründerstämme. Das schafft Ruhe und lenkt die Gedanken auf das Wesentliche. In meinen Augen hat Herr Norberg bereits viel auf den Weg gebracht, zum Beispiel die Übernahme des Onlinehändlers redcoon.de oder die Strategie, Media Märkte nun auch in kleinen Städten installieren zu wollen. Seine Losung, spätestens in den Jahren 2013/2014 mehr als zehn Prozent des Umsatzes im Internet zu erwirtschaften, halte ich ebenfalls für umsetzbar.

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