Medien: Kein Geld auf der hohen Kante bei ProSiebenSat.1

Medien: Kein Geld auf der hohen Kante bei ProSiebenSat.1

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ProSiebenSat.1: Fahne vor Firmengebäude

Wie KKR und Permira ProSiebenSat.1 in eine milliarden-teure Fusion führten und nun Millionen aus dem Unternehmen ziehen.

Es ist eigentlich wie immer im Leben – früher war alles viel besser. Früher, sagen wir um 1997, gehörte der Fernsehsender Sat.1 noch zu Leo Kirch, genau wie der Spielfilmkanal ProSieben, dessen Geschäftsführer und Gründer damals Georg Kofler hieß, der wiederum auf der Dachterrasse der Unterföhringer Sendeanstalt in jedem Sommer eine hübsche Party veranstaltete. Das TV-Gewerbe – eine lustige Branche, in der das Geld in Strömen floss, ProSieben einer der bestverdienenden Kanäle des Landes war und die Zukunft unendlich weit schien. Wie gesagt: Das war früher.

Heute, gerade mal elf Jahre nach „früher“, regiert statt dem bukolischen Südtiroler Kofler der schmallippige Belgier und frühere McKinsey-Mann Guillaume de Posch im Münchner Vorort, der Besitzer der Butze ist nicht mehr der Medienmogul Kirch, es sind die Finanzinvestoren KKR und Permira, und die interne Stimmung kann man seither nicht mehr auf der Dachterrasse messen, sie ist im Keller.

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Das liegt daran, dass aus dem Sender erst die ProSiebenSat.1 Media AG wurde, die den Kirch-Kollaps überlebte, um 2003 für schlappe 525 Millionen Euro zum Schlachtopfer des US-Investors Haim Saban zu werden. Der stellte an sämtlichen Schrauben, sparte bei Personal und Programm und verkaufte den Laden 2006 für annähernd drei Milliarden Euro weiter an KKR und Permira – nachdem das Bundeskartellamt dem Axel Springer Verlag verboten hatte, den TV-Konzern zu übernehmen.

An welchen Schrauben wiederum die neuen Herren nun noch stellen und ziehen wollten, um den bereits sehr schlanken Konzern attraktiv zu machen für ihren eigenen nach üblichem Prozedere in einigen Jahren geplanten Exit, zeigten sie im vergangenen Jahr. Im Sommer 2007 kaufte ProSieben für stolze 3,3 Milliarden Euro den kleineren europäischen Senderverbund SBS – nicht zufällig seit dem Sommer 2005 im Besitz von KKR und Permira, die seinerzeit 2,1 Milliarden für den Gemischtwarenladen aus TV- und Radiosendern bezahlt hatten. Zusammen mit SBS hat ProSiebenSat.1 damit seine bislang letzte Inkarnationsstufe erreicht und soll jetzt mit aller Macht zum europäischen Sendekonzern aufgemendelt werden. Der Zukauf sorgte bei ProSieben allerdings nach alter Heuschrecken Sitte für horrende Schulden, die der Konzern quartalsweise mit 60 Millionen Euro an Zinsen bedienen muss – die komplette Kreditsumme ist 2015 fällig zur Rückzahlung. Rein rechnerisch müsste de Posch jedes Jahr an die 400 Millionen Euro für den Tag X auf die hohe Kante legen. Doch das wird schwierig, wenn sich der Gewinn des Konzerns auch in den kommenden Jahren so entwickelt wie 2007: Da brach der Reingewinn von 241 Millionen Euro im Vorjahr auf 89 Millionen Euro ein.

Zwar schlug dabei vor allem ein Bußgeld von 120 Millionen Euro zu Buche – ProSiebenSat.1 hatte nach Ansicht des Kartellamtes große Kunden bei der Vermarktung von Fernsehwerbezeiten begünstigt. Doch auch wenn dies eine einmalige Zahlung bleibt – noch immer ist die TV-Gruppe wie alle Privatsender vor allem von Einnahmen aus dem Werbegeschäft abhängig. Die Erwartung an die Werbemärkte ist derzeit nicht rosig. Wie sich ProSiebenSat.1, gefesselt durch die hohen Schulden, in Zukunft gegen die finanzstarken neuen Player der Medienmärkte – wie Google, MySpace oder Nokia – behaupten will beim Kampf um Inhalte und Kunden, bleibt rätselhaft. Zumal den selbst unter Druck geratenen Finanzinvestoren offenbar zurzeit auch nichts anderes einfällt, als die Dividendenzahlungen um schlanke 40 Prozent zu erhöhen und so stolze 270 Millionen Euro aus dem Unternehmen zu ziehen – dreimal mehr als der jüngste Gewinn. Dies sorgte zugleich dafür, dass die Eigenkapitalquote des Konzerns von 64 auf 18 Prozent runterrauschte – eine Strategie, die fatal an das Beispiel Hugo Boss erinnert.

Viel Fantasie für Befreiungsschläge bleibt derzeit nicht – zwar versucht der Konzern vorzuführen, wie die gemeinsame Produktion von Unterhaltungsshows wie „The next Uri Geller“ für verschiedene TV-Märkte wie Deutschland und die Niederlande kostensenkend zum Wohle der Gruppe wirken soll. Doch ob dies ausreicht, um die Renditeziele – 30 Prozent, von heute gut 22 Prozent – zu erreichen, ist fraglich. Schon kreisen über Unterföhring die Interessenten – kein Zufall, dass Michael Börnicke, der Vorstandschef des Bezahlsenders Premiere, seinen kurspflegenden Wunsch zu Protokoll gab, Sat.1 zu kaufen. Zwar wies de Posch Verkaufsabsichten direkt zurück – doch die Lage dürfte nicht angenehmer werden, draußen, im Münchner Vorort.

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