Medien: RTL verhilft Bertelsmann zu Gewinnschub

Medien: RTL verhilft Bertelsmann zu Gewinnschub

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Trotz Beleidigungen und vulgären Kommentaren bringt Dieter Bohlen RTL hohe Einschaltquoten.

von Peter Steinkirchner

Vor allem dank einem bärenstarken Ergebnis seiner TV-Tochter RTL macht der Medienriese Bertelsmann 2010 wieder gute Geschäfte und denkt über Zukäufe nach.

Man mag von Dieter Bohlen halten, was man will: Fest steht, dass die Hamburger Kodderschnauze und ihre meist fies-vulgären Kommentare als Juror bei der TV-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ mit dafür sorgten, Europas größtem Medienkonzern wieder in die Wachstumsspur zu verhelfen. Auf 15,8 Milliarden Euro konnte Bertelsmann mit seinen fünf Sparten im vergangenen Jahr den Umsatz steigern, ein Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und, noch wichtiger: Vor allem der Gewinn vervielfachte sich. Standen 2009 unterm Strich nach diversen Sparorgien nur zarte 35 Millionen Euro, schnellte der nun auf 656 Millionen geradezu in die Höhe. Die Umsatzrendite erreichte mit 11,7 Prozent nach Unternehmensangaben ihren bisher höchsten Wert – „nie zuvor waren unsere Geschäfte so profitabel“, frohlockte Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski.

Den größten Batzen zur Gewinnsteigerung trug die RTL-Gruppe mit ihrem deutschen Flaggschiff, dem Sender RTL, bei. Bezogen auf das Operating Ebit, also das operative Ergebnis vor Abzug von Zinsen und Steuern, steuerte die TV-Tochter mit rund 300 Millionen Euro drei Viertel der Mehreinnahmen bei. Dabei profitierte die  Fernsehfabrik vor allem vom kräftigen Wachstum der TV-Werbemärkte in Westeuropa. RTL in Deutschland gelang zudem das seltene Kunststück, mit 13,6 Prozent Zuschauermarktanteil die Marktführerschaft beim Gesamtpublikum einzufahren – trotz des Quoten-Garanten Fußball-WM in Südafrika, der fast komplett bei ARD und ZDF lief.

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RTL profitiert von der anziehenden Werbekonjunktur

Bis auf die seit Jahren darbende Direct Group, in der Bertelsmann sein Buchclub-Geschäft führt, wuchsen auch die übrigen Geschäftsfelder des Konzerns: Ähnlich wie RTL profitierte auch der Printkonzern Gruner + Jahr von der vor allem seit der zweiten Jahreshälfte spürbar anziehenden Werbekonjunktur. Doch auch Random House, dem in New York angesiedelten  größten Buchkonzern der Welt, gelang eine Umsatzsteigerung um 100 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro. Allein Thilo Sarrazins umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab“, das bei Bertelsmann erschien, verkaufte sich als einziger deutscher Titel im vergangenen Jahr mehr als eine Million mal.

Erstmals die Umsatzschwelle von fünf Milliarden Euro knackte zudem die Dienstleistungssparte Arvato,  hinter der RTL-Group der zweigrößte Umsatzbringer der Gütersloher. Arvato-Chef Rolf Buch hatte bereits vor einige in Wochen in der WirtschaftsWoche gesagt: „Wir erleben so starke Zuwachsraten, wie wir sie in der Geschichte von Arvato selten hatten“. Buch kündigte an, die Zahl der Mitarbeiter seines Beritts werde im Laufe des Jahres 2011  bei positivem Geschäftsverlauf auf mehr als 64000 steigen. 2009 war die Zahl der Mitarbeiter auf knapp 60000 geschrumpft. Arvato ist damit weiter der größte Arbeitgeber im Bertelsmann-Reich, das sich über 50 Länder erstreckt und gut 104000 Menschen beschäftigt. Beim Vorsteuergewinn konnte Arvato jedoch nur wenig auf 350 Millionen Euro zulegen.

Da der Konzern gleichzeitig den Schuldenabbau weiter vorantreiben konnte und bei den Finanzschulden nun bei unter zwei Milliarden Euro liege, stünden nun Mittel für Akquisitionen bereit, kündigte Bertelsmann-Chef  Ostrowski an. Künftiges Wachstum erwartet er vor allem in Asien. Innerhalb von drei Jahren werde China der drittgrößte Medienmarkt der Welt sein, sagte Ostrowski.

Auf der Einkaufsliste der Gütersloher steht zudem das Thema Musik. Finanzvorstand Thomas Rabe erwartet, dass der notleidende britische Musikkonzern EMI noch in diesem Jahr auf den Markt kommt. Bertelsmann würde in dem Fall gern beim Rechtehandel zugreifen. Zwar hatten sich die Gütersloher längst aus dem Platten-Joint-Venture mit dem japanischen Sony-Konzern verabschiedet. Doch mithilfe des Finanzinvestors KKR war Bertelsmann 2009 ins lukrative Geschäft mit Musikrechten eingestiegen und hält heute etwa die Rechte an Kompositionen von Elvis Presley oder der Popband Duran Duran. Zu den EMI-Acts gehören Größen wie die Beatles, Queen und Popstar Katy Perry. Rabe sagte, Ziel sei es „bis 2015 eines der größten und bestgeführten Musikrechteunternehmen zu werden“.

Dem meist als spröde wahrgenommenen Konzern täte das auch aus einem anderen Grund gut: Es gehe auch „emotional um die Rückkehr in die Musikwelt“, sagte der Finanzchef. An ihm dürfte das nicht scheitern – Bertelsmanns oberster Zahlenmann spielte als Jungspund Bassgitarre in einer Brüsseler Rockband.

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