Medien: Wie Rupert Murdoch die Kostenlos-Kultur im Netz beenden will - Seite 6

Medien: Wie Rupert Murdoch die Kostenlos-Kultur im Netz beenden will

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Bezahlsender Sky: Das Pay-TV-Unternehmen erhält beim Live-Fußball Konkurrenz von der Telekom Quelle: dpa
Bezahlsender Sky: Das Pay-TV-Unternehmen erhält beim Live-Fußball Konkurrenz von der Telekom Quelle: dpa

Verschärfend hinzu kommt die Konkurrenz durch das Web-Portal der öffentlich-rechtlichen BBC mit ihrem aus Gebührengeldern finanzierten breit gefächerten Informationsangebot, zu dem sogar Lokalnachrichten gehören. Über seinen hauseigenen Nachrichtensender Sky News Australia drohte Murdoch der BBC bereits mit rechtlichen Schritten: „Die meisten ausgestrahlten Inhalte klauen sie von unseren Zeitungen, und das ist eindeutig Piraterie“, wetterte Murdoch. Bisher allerdings unternahm er nichts.

Möglicherweise spielt er auf Zeit: Spätestens Anfang Juni wird in Großbritannien gewählt, und die Konservativen, die aller Voraussicht nach gewinnen werden, gelten als scharfe Kritiker der BBC.

Konkurrenz auf dem deutschen Medienmarkt verschärft sich

Auf politische Unterstützung hofft Murdoch dagegen in Deutschland wohl vergebens, wo er seit gut zwei Jahren beim dauerdefizitären Bezahlsender Sky (vormals Premiere) das Sagen hat. Seit den Tagen, als der inzwischen zum Energiespar-Unternehmer avancierte Georg Kofler in München-Unterföhring das Sagen hatte, hat sich an der medienpolitischen Lage nichts zum Besseren verändert.

Schimpfte schon Kofler über ARD und ZDF: „Die Überdimensionierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist das größte Hemmnis für die Wachstumschancen der privaten Medien“, hat sich die Situation für Sky, das auf rund 2,4 Millionen zahlende Kunden kommt, inzwischen sogar noch verschärft. So konkurrieren auch die Deutsche Telekom und Kabelkonzerne mit eigenen TV-Bezahlangeboten mitsamt Bundesliga-Fußball um Kunden und deren Medienbudgets. Auch ARD und ZDF haben den Sturm in die digitale Medien-Zukunft begonnen und machen Ableger wie den Gratiskanal ZDF Neo auf. Und kaum hatte Ende 2009 Springer-Chef Mathias Döpfner seine Bezahl-Apps angekündigt, grätschte die ARD mit einer Gratis-Tagesschau-App dazwischen.

Medienprofi Hombach kritisiert Politikversagen

Zwar rudern die Gebührenfunker ein Stückchen zurück. Das Miniprogramm, das die Verlegerschaft kollektiv erzürnte, soll nun erst auf seine medienrechtliche Zulässigkeit geprüft und klagedicht gemacht werden. Doch gestandenen Medienprofis wie WAZ-Mann Hombach reicht das nicht. Der frühere Kanzleramtsminister von Gerhard Schröder vermisst klare Ansagen aus Berlin: „Die etablierten Parteien blenden die Entwicklungen in der neuen Medienwelt bislang fast komplett aus – das ist ein eklatanter Fall von Politikversagen.“ Hombach vermisst eine ernsthafte Auseinandersetzung über die Machtverhältnisse in der digitalen Welt – und damit etwa die Rolle von Suchmaschinen wie Google.

Da ist Medien-Methusalem Murdoch ein anderes Kaliber. Wer ihn kennt, weiß, dass es nicht Preise wie der Golden Globe sind, die ihn zur Attacke motivieren. Murdochs Treibstoff sei ein ganz anderer, sagt sein Biograf Michael Wolff: „Krieg ist sein Naturell.“

14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.01.2010, 20:59 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    Solange es in Deutschland einen GEZ-Zwang gibt, ist die ganze Diskussion einfach absurd. Die Mehrheit der bürger ist für bezahlinhalte, sonst gäbe es den GEZ-Zwang nicht. Murdoch will ja nur das, was die Mehrheit der Deutschen will: Geld für Medienzugang.

  • 26.01.2010, 17:02 UhrAnonymer Benutzer: adenauer

    Es kommt halt auf den inhalt an! Der aufgeklärte internet User recherchiert aus einer Mischng von News und blogs. Auffällig ist, dass die meisten Zeitungen nicht selbst recherchieren, sondern nur die News der großen Agenturen benutzen. Dabei kann man durchaus kritisch von einer Gleichschaltung der Medien im Auftrage der industrielobby und von Regierungsinteressen sprechen. Der investigative Journalismus als vierte Säule der Gewalten ist so geschrumpft, dass die privaten blogs diese Aufgabe übernehmen mußten. Es werden sich nicht sehr viele zahlungswillige Leser für die gleichgeschalteten News der großen Agenturen finden lassen.

  • 26.01.2010, 16:23 UhrAnonymer Benutzer: Wir sind das Internet

    Murdoch kann sich ja eine MEZ am bespiel der GEZ aufbauen. Das macht es doch dann ganz einfach Gebühren abzuzocken. Man bekommt einmal im Leben eine Zeitung aus dem Murdoch-imperium unaufgefordert und ungebeten vor die Haustür geworfen, oder läuft in 100 Meter Entfernung an einem Kiosk vorbei in welchem eine Murdoch-Zeitung ausgestellt wird und schon ist man lebenslang in der Gebührenpflicht. ARD, ZDF und GEZ leisten hier gegen eine kleinen Obolus sicherlich gerne etwas "Entwicklungshilfe"!

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