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Medienexperiment Niiu: Zeitung für Rosinenpicker

von Oliver Voß

Am Montag startet eines der größten Experimente der Medienbranche: Die erste personalisierbare Tageszeitung. Trotz hochkarätiger Inhalte gefährden Einschränkungen den Erfolg.

Niiu-Gründer Oberhof
Niiu-Gründer Oberhof
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Es soll nichts weniger werden, als die Revolution auf dem Zeitungsmarkt. Ob sie gelingen kann, wird sich ab Montag zeigen, dann wird die weltweit erste personalisierte Tageszeitung in Berlin ausgeliefert.

„Niiu“ nennt sich das Blatt, bei dem der Leser vorher bestimmen kann, welche Teile aus etablierten Medien, wie dem "Handelsblatt", der Bild oder der "New York Times" er lesen möchte.

Hinter dem Projekt stecken zwei junge Burschen, Wanja S. Oberhof und Hendrik Tiedemann, gerade einmal 23 beziehungsweise 27 Jahre jung. Beide studieren an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Unabhängig voneinander hatte sie ähnliche Ideen und beschlossen vor zweieinhalb Jahren ihre Vision gemeinsam umzusetzen.

Zukunftsmodell für Medienhäuser?

Wirklich neu ist die Idee einer Zeitung bei der sich der Leser die Inhalte selbst zusammenstellt allerdings nicht. Seit dem Siegeszug des Internet geistert sie immer wieder als Zukunftsmodell durch die Medienhäuser, doch richtig angepackt hatte das Projekt bislang niemand.

Denn die Schwierigkeiten dabei sind vielfältig, wie auch „Niiu“ zeigt. Das Blatt hat 24 Seiten und kostet 1,80 Euro - für Studenten, die insbesondere angesprochen werden sollen, 1,20 Euro.

Dafür kann sich der Leser den Inhalt vorher im Internet auswählen: Die Titelseiten der "Bild"-Zeitung und der "International Herald Tribune", die Kommentare aus dem "Handelsblatt" und der "Frankfurter Rundschau", Politikartikel aus der "New York Times", das Feuilleton der "Taz", Lokales vom "Tagesspiegel" und den Sportteil aus dem "Hamburger Abendblatt" oder der "Abendzeitung" aus München. Die Auswahl wird beibehalten oder kann täglich bis 14 Uhr verändert werden.

Nach der Zusammenstellungen gehen die individuellen "Tageszeitungen" per Datenleitung in die Druckerei und landen morgens in den Briefkästen der Niiu-Abonnenten.

Eingeschränktes Rosinenpicken

Man kann dabei auch bestimmen, wie viele Seiten man jeweils wünscht. Trotzdem sind dem Chefredakteur-Spielen einige Grenzen gesetzt. So ist mit der oben beschriebenen Auswahl der zur Verfügung stehende Seitenumfang bereits gefüllt. Will man zu Wirtschaft, Politik oder Meinung aber jeweils die Artikel aus mehreren Medien, läuft der Füllstand schnell über.

Dabei macht gerade das den Reiz aus. „Ich bin durch das Internet gewohnt, mich pluralistisch zu informieren“, sagt Oberhof. In der Lesezeichensammlung in seinem Internetbrowser stehe die "Bild"-Zeitung neben dem "Handelsblatt". „Tageszeitungen bilden daher nicht mehr das Informationsbedürfnis der jungen Generation ab“.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.11.2009, 09:22 UhrAnonymer Benutzer: Oliver Voß

    @linvinginhamburg Die Zeitung kommt per Zustelldienst, also ähnlich früh wie normale Tageszeitungen, vor allem daher ist der Start auch erst einmal nur in berlin.

    @Leser Mehr Umfang für etwas mehr Geld würde ich mir auch wünschen, eine abgespeckte Variante wäre sicher auch interessant. Aber über solche Erweiterungen denken die Macher auf jeden Fall nach.

  • 16.11.2009, 00:10 UhrAnonymer Benutzer: livinginhamburg

    Schon jetzt Hut ab und viel Erfolg! ich bin immer wieder erstaunt, wieviel kreatives Potential heutzutage in unserem Land zu Tage tritt. Man gewinnt zunehmend den Eindruck, dass die Wirtschaftskrise fast nur die "Alten" trifft...

    Abgesehen davon fehlt mir lediglich die Aussage, zu welcher Uhrzeit die Zeitung in meinem Kasten landet - ganz früh durch einen Zusteller oder auf dem Postweg. Der Letztere dürfte auf lange Sicht zu spät sein für die meisten der Leser. Alle übrigen hier geäußerten Wünsche lassen sich noch justieren - der Anfang ist das Wichtigste.

    Wie gesagt, ich wünsche viel Erfolg und freue mich auf ihren Start in Hamburg!

  • 15.11.2009, 03:55 UhrAnonymer Benutzer: Robert

    Was tatsächlich gebraucht würde, wäre eine Maschine zu Hause bei den Lesern zum Ausdrucken der internetausgabe. Darauf müssten sich alle Verlage einigen und dann könnte jeden Morgen der Drucker individuell die Tageszeitung für die internetausdrucker produzieren.

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