Medikamente: Britischer Konzern drängt in deutschen Apothekenmarkt

Medikamente: Britischer Konzern drängt in deutschen Apothekenmarkt

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Medikamenten-Großhandel: Finanzinvestor KKR lässt die britische Alliance Boots den deutschen Pharmagroßhändler Anzag übernehmen

von Jürgen Salz

Der Medikamenten-Großhandel war bislang fest in deutscher Hand. Ausschließlich heimische Unternehmen belieferten die Apotheken mit Pillen und Salben. Damit ist es nun vorbei: Das britische Unternehmen Alliance Boots übernimmt den Frankfurter Pharmagroßhändler Anzag. Dahinter steckt der Finanzinvestor KKR.

Die Anzag, 1841 in Frankfurt gegründet, wird britisch. Doch der Käufer ist kein Unbekannter. Denn Alliance Boots war bislang schon mit 30 Prozent an der Anzag beteiligt. Zusätzlich übernehmen die Briten nun weitere 50 Prozent von den Anzag-Großaktionären Celesio, Phoenix und Sanacorp. 

Bei den Verkäufern handelt es sich ausschließlich um deutsche Pharmagroßhändler. Celesio zählt zum Imperium des Haniel-Konzerns. Phoenix gehört der schwäbischen Unternehmerfamilie Merckle; die Dynastie konnte das Unternehmen auch nach dem Freitod des Patriarchen Adolf Merckle halten. Und bei der Sanacorp handelt es sich um eine Apotheker-Genossenschaft. Sanacorp hielt bislang 24,99 Prozent an der Anzag; Celesio war mit 14,15 Prozent dabei und Phoenix mit 12,5 Prozent.

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Mehr als 100 Millionen Euro hat Alliance Boots bislang für die Aktion ausgegeben: Bei Sanacorp fließen durch den Verkauf 69 Millionen Euro in die Kasse; Celesio ist um 39,3 Millionen Euro reicher. Auch den übrigen Anteilseignern, die nicht zum Kreis der Großaktionäre gehören, will Alliance Boots ein Angebot machen.  

Auslandsexpansion

Für keinen der drei bisherigen Großaktionäre machte die Beteiligung strategisch Sinn. Da traf es sich dann gut, dass Alliance Boots unbedingt einen Fuß in deutschen Markt bekommen wollte. Die Expansionschancen auf der Insel seien weitgehend ausgereizt, heißt es in der Branche. Nun will Alliance Boots stärker im Ausland wachsen.

Zuletzt setzten die Briten umgerechnet mehr als 20 Milliarden Euro um. Alliance Boots gehört dem Finanzinvestor KKR und beschäftigt insgesamt 115.000 Mitarbeiter. Die Dimensionen der Anzag fallen demgegenüber bescheidener aus: Der Frankfurter Pharmagroßhändler erzielte zuletzt  mit 3600 Beschäftigten einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro.

Künftig tritt Alliance Boots nun in Deutschland gegen Celesio, Phoenix und Sanacorp an – also genau jene Unternehmen, die den Briten gerade ihre Anteile verkauft haben. Celesio hatte zuletzt durch die Übernahme der Marke DocMorris im deutschen Apothekenmarkt für Furore gesorgt. Viel Freude haben die Unternehmen jedoch alle nicht am deutschen Pharmagroßhandel: Die Branche ist von den Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen betroffen, die Berliner Politik entscheidet auch über die Großhandelsvergütung. Die Gewinnmargen der Unternehmen – der Anteil des Gewinns am Umsatz – liegen häufig unter einem Prozent. Das gilt auch für die Anzag. Die Ertragslage sei „unverändert schwierig“, heißt es im Unternehmen. Die Konkurrenz wartet nun gespannt, was Alliance Boots sich für den deutschen Markt einfallen lässt. 

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