Medizintechnik: Bauerfeind: Stramme Bandagen aus Thüringen

Medizintechnik: Bauerfeind: Stramme Bandagen aus Thüringen

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Hans B. Bauerfeind

von Mario Brück, Thomas Stölzel, Lothar Schnitzler und Peter Steinkirchner

Der Westbetrieb dicht, die Ostzentrale ein Leuchtturm – Bauerfeind in Thüringen zeigt der Welt, was stramme Bandagen sind.

Die Dreieinigkeits-Kirche im thüringischen Zeulenroda gehört sicher nicht zu den Top-Touristenmagneten. Dabei hat das vor drei Jahren aufwendig sanierte Gotteshaus zwei Besonderheiten: ein Wandgemälde in der nahezu ausgestorbenen Freskotechnik, das die zwölf Apostel darstellt. Und einen Gummistrumpf- und Bandagenhersteller, der sich auf dem Fresko unter die biblischen Gestalten gemischt hat. Einen knappen Meter von Johannes dem Täufer steht dieser Mann mit Bauch und Bart. „Der zweite von links“, sagt der Verewigte, „das bin ich.“

Hans B. Bauerfeind heißt der Lebendige unter den Legenden. Eine halbe Million Euro hat der umtriebige Unternehmer, der kommendes Jahr 70 Jahre alt wird, in die Sanierung seiner Taufkirche gesteckt. Als Lohn kam er mit aufs Bild. Bauerfeind kann sich solche Wünsche erfüllen, weil er als Vorstandschef die 1929 gegründete Bauerfeind AG führt. Die ist der größte Arbeitgeber weit und breit: 850 der weltweit gut 2000 Mitarbeiter fertigen hier im Thüringer Vogtland, gut 100 Kilometer südöstlich von Erfurt, Sportbandagen, Kompressionsstrümpfe und Prothesen. Dank zahlreicher Patente und der Qualität seiner Produkte hat sich Bauerfeind weltweit zu einem der Marktführer für Sanitätsbedarf entwickelt. 240 Millionen Euro Umsatz macht der Mittelständler wohl in diesem Jahr und dürfte schwarze Zahlen schreiben, im 80. Jahr einer wechselhaften deutsch-deutschen Unternehmensgeschichte.

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Das Unternehmen wächst

Bauerfeinds Großvater Bruno hatte 1929 in Zeulenroda ein Spezialunternehmen für die Herstellung von Kompressionsstrümpfen gegründet. 20 Jahre später siedelt Rudolf, der Sohn des Gründers, wegen der Enteignungspolitik der sowjetischen Besatzungsmacht um nach Darmstadt. Rudolfs Sohn Hans, selbst noch in Zeulenroda geboren, steigt ins Unternehmen ein, kauft unter anderem einen Bandagenhersteller im niederrheinischen Kempen und etabliert dort 1978 die Bauerfeind GmbH.

Das Unternehmen wächst. Dann fällt 1989 die Mauer. „Das werde ich nie vergessen“, erinnert sich Bauerfeind, „für mich war sofort klar: Ich will dabei sein, wenn im Osten etwas Neues passiert.“ Und er ist dabei. Findet in Zeulenroda einen frisch privatisierten 70-Mitarbeiter-Betrieb, der bis vor wenigen Jahren noch zum Kombinat Elastic Mieder gehörte. Bauerfeind kauft den Laden, erhält die üblichen Investitionszuschüsse und beschließt wohl nicht zuletzt auch deshalb, künftig in der alten Heimat zu wachsen. Insgesamt investiert er mehr als 100 Millionen Euro und eröffnet 1994 in Thüringen die damals weltweit wohl modernste Fabrik für Kompressionstrümpfe. Fünf Jahre später weiht der Textilingenieur ein Innovationszentrum ein, in dem heute gut 50 Biomechaniker und Orthopädietechniker tüfteln.

Proteste im Westen

Die Subventionen für das Neue im Osten hinterlassen Spuren für das Bestehende im Westen. Nachdem Bauerfeind in Zeulenroda ein Logistikzentrum und 2004 den Tower errichtet hat, erklärt er im Sommer 2008 seiner Belegschaft am Niederrhein, er werde das Werk Kempen dichtmachen. Mehr als 200 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Es hagelt Proteste, Angestellte und Lokalpolitiker haben ein neues (Bauer-)Feindbild. „In Kempen habe ich mir damit sicher keine Freunde gemacht“, räumt Bauerfeind heute ein.

In seiner neuen, alten Heimat hat der Präsident der IHK Ostthüringen nun noch viel vor. So will er im kommenden Jahr etwa Sportler aller 83 Nationen, die bei den Olympischen Winterspielen im kanadischen Vancouver starten, mit Bandagen „made in Thüringen“ versorgen. Bauerfeind aus dem kleinen Zeulenroda ist nun ein „Friend of the Games“.

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