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Mehr Sicherheit: Bundeskabinett beschließt neue Datenschutzregeln

von Sebastian Schulte mit Material von dpa

Nach einer Reihe von Skandalen will die Bundesregierung dem Datenmissbrauch einen Riegel vorschieben. Das Kabinett verabschiedete heute einen Gesetzentwurf, der unter anderem die Weitergabe persönlicher Daten ohne Zustimmung der Betroffenen grundsätzlich verbietet.

Das Bundeskabinett hat heute Quelle: AP
Das Bundeskabinett hat heute die Regeln zum Datenschutz verschärft Quelle: AP
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 Der Einfluss des Bürgers auf seine Daten werde gestärkt, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Berlin. Zudem solle mehr Transparenz beim Umgang mit Daten geschaffen werden. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar begrüßte die Novelle grundsätzlich, sah aber Nachbesserungsbedarf. Kritik kam von Grünen und Zeitungsverlegern.

Bei den in den vergangenen Monaten bekannt gewordenen Fällen des Verkaufs von Daten handele es sich um Gesetzverstöße, betonte Schäuble. Sie zeigten aber, „dass ein Handeln dringend geboten ist“. Bisher können private Daten wie Adresse oder Alter für Werbezwecke verkauft werden - wenn die Betroffenen nicht ausdrücklich widersprechen. In der Regel erfahren sie aber nichts davon. Dieses „Listenprivileg“ soll abgeschafft werden.

Viele Unternehmen seien auf die gezielte Werbung angewiesen, erklärte Schäuble. Der Gesetzentwurf sieht daher eine Übergangsfrist von drei Jahren vor. Auch soll es Ausnahmen geben, etwa für Firmen, die mit Daten ihrer eigenen Kunden werben, oder für gemeinnützige Organisationen. Marktbeherrschenden Unternehmen dürfen den Abschluss eines Geschäfts nicht mehr an die Zustimmung des Kunden zur Weitergabe seiner Daten koppeln. Künftig können Bußgelder bis zu einer Höhe von 300.000 Euro verhängt werden, sagte Schäuble.

Kritik an neuen Bestimmungen

Gewinne aus der verbotenen Verwendung persönlicher Daten können vom Staat eingezogen werden. Bei Pannen - wie dem Diebstahl von Kontonummern - müssen Unternehmen ihre Kunden schnell informieren. Für zusätzliche Transparenz soll eine freiwillige Datenschutz-Prüfung sorgen: Unterziehen sich Firmen regelmäßig dieser Kontrolle, erhalten sie ein Gütesiegel. Das neue Gesetz sei keine Garantie gegen Verstöße, erschwere aber die Sammlung und Weitergabe von Daten, sagte Schäuble. Vereinbart worden war es auf einem Treffen von Bund und Ländern im September. Das Gesetz könnte Anfang Juli in Kraft treten.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar bewertete die Änderungen als grundsätzlich positiv. Er kritisierte aber, dass auch künftig die Herkunft privater Daten nicht nachgewiesen werden müsse. Die Ausnahmen müssten überdacht werden, sagte er. Die Übergangszeit sei zu lang. Die Kontrolleure müssten gestärkt werden. Auch für Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) geht der Gesetzentwurf nicht weit genug. Die Herkunft der Daten müsse klar sein, sonst könnten die Bürger nicht überprüfen, ob sie eine Einwilligung gegeben haben, bemängelte er. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) mahnte, mit dem Entwurf würden Zeitungen in Sippenhaft genommen. Neue Abonnenten würden bisher zu 60 Prozent durch direkte Briefe gewonnen, hieß es in einer Mitteilung.

Datenschutz-Standards fehlen noch

Ein Sprecher der Bertelsmann-Tochter arvato, Deutschlands größten Callcenter-Betreiber, begrüßt zwar die Entschlossenheit, mit der Politiker und Gesetzgeber gegen den illegalen Datenhandel vorgehen wollen. Dass künftig generell die Zustimmung des Verbrauchers notwendig sei, um Adressen weiterzugeben, löse die aktuellen Probleme allerdings nicht. "Damit wird Unternehmen aus allen Branchen die Möglichkeit genommen, zielgerichtet zu werben", sagt der Sprecher auf Anfrage von wiwo.de. Er befürchte "zusätzlichen Schaden für die gesamte Wirtschaft". Vor allem mittelständische Unternehmen würden unter der Neuregelung leiden.

Für die großen Callcenter-Betreiber in Deutschland sind solche Audits, wie sie vom Bundesinnenminister angeregt werden, nichts Neues. Walter Services, die Nummer zwei der Callcenter-Branche, zertifiziert nach eigenen Angaben sogar die Teamleiter seiner Callcenter. Eine Verschärfung der Gesetze hält Richard Brodkorb, Chief Operating Officer bei Walter Services, für nicht notwendig: "Die Großen der Branche haben schon lange eine Datenschutzkultur entwickelt."

Auch für Vodafone hat nach Worten von Pressesprecher Jens Kürten Datensicherheit die "höchste Priorität". Der Mobilfunkanbieter beauftrage bei Vertriebsaktionen nur große Callcenter-Anbieter. "Im Moment werden unsere externen Partner überprüft", sagt Kürten. Die eigenen Callcenter würden derzeit vom TÜV zertifiziert, Daten nur verschlüsselt übermittelt.

Dennoch: Einheitliche Datenschutzstandards gibt es bei den Callcenter-Betreibern bisher nicht. Jedes Unternehmen entscheidet selbst, welche technischen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden und wieviel Geld etwa in die IT-Infrastruktur investiert wird, um Missbrauch weitgehend auszuschließen. Die Großen der Callcenter-Branche setzen dabei jedoch auf die freiwillige Selbstkontrolle und hoffen auf den Deutschen Direktmarketing Verband, dem sie angeschlossen sind: "Solche Standards zu setzen, dafür dürfte unser Verband durchaus aufgeschlossen sein", meint Sabine Zoller, Pressesprecherin von Walter Services. Jetzt wird wohl der Gesetzgeber diese Regeln bestimmen.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.12.2008, 18:14 UhrAnonymer Benutzer: Auswanderer

    ich habe euch Direktmarketing-Leute sowieso auf dem Kieker!
    Jedesmal wenn ich ein paar Tage weg bin, sind meine briefkästen vollgestopft, so dass die normale Post nicht mehr rein geht. Trotz Robinsonliste und Aufkleber "bitte keine Werbung" ist mein briefkasten und das Postfach in der Firma jedesmal voll.
    ich habe keine Lust mehr mir kiloweise den Werbemüll von euch andrehen zu lassen, nur weil ich in ein paar Unternehmen tätig bin und meine Adressen dank unserer Politiker (Stichort, transparenz) öffentlich ist. Von den Anrufen und die Zeit die man meiner Verwaltung stiehlt, ganz zu schweigen. Nein ich will keinen französischen Rotwein, keine Versicherung, keine Krankenkasse auch keinen neuen 7bener bMW, kein geniales Anlagekonzept und auch kein schweizer Nummernkonto!
    ich sehne mich danach endlich etwas rechtliches in die Hand zu bekommen um die penetrantesten, unverbesserlichen Marketingmenschen mit meinem Rechtsanwalt eine drüber zu ziehen, so dass endlich Ruhe und Platz im briefkasten einkehrt!!!

  • 10.12.2008, 15:24 UhrAnonymer Benutzer: bKind

    Wie soll denn der Missbrauch von Konto- und Kreditkarteninformationen unterbunden werden, wenn ich der Weitergabe meiner Daten vorher zustimmen muss? Personen mit kriminellen Absichten werden sich dafür doch niemals interessieren, da die Täter häufig aus dem Ausland operieren. ich verstehe bei der ganzen Debatte ohnehin nicht, warum weder Journalisten noch Politiker eine klare Trennung zwischen einer Weitergabe von Personendaten/Adressen für Werbezwecke und der Weitergabe von extrem zu schützenden Daten wie einer Kontonummer unterschieden haben. Die Konsequenz wird sein, dass die Neukundengewinnung durch Direktmarketing erheblich erschwert wird, ja sogar zum Erliegen kommt und dadurch vor allem auch Verlage stark betroffen sein werden, die ja bekanntlich einen Großteil ihrer Neukunden per briefwerbung gewinnen. Dafür von meiner Seite einen herzlichen Glückwunsch an alle Pseudo-investigativ-Journalisten, wie sie nicht zuletzt bei der Wirtschaftswoche anzutreffen sind!

  • 10.12.2008, 14:56 UhrAnonymer Benutzer: Ins Strafrecht damit

    Solange Datenschutzverletzungen nicht vom Strafrichter mit entsprechenden Strafen geahndet werden, wird sich nix wesentliches ändern.

    Taschendiebstahl mit 50€ bringt Knast im Wiederholungsfall, systematischer Datendiebstahl im gewerblichen Umfang ein paar Tausend €.

    Da stimmt die Relation nicht

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