In den Berichten der US-Banken für das dritte Quartal 2007 blieben die schlechten Nachrichten aus dem Kreditkartensegment neben den Hiobsbotschaften aus dem Hypothekengeschäft und der Krise auf dem Immobilienmarkt noch fast unbemerkt. Doch alle großen und kleineren Emittenten – die Mega-Banken Bank of America, Citigroup und JP Morgan Chase sowie die Spezialisten wie American Express oder Capital One – hoben bereits ihre Rückstellungen und Reserven für Verluste bei den gesamten Privatdarlehen signifikant an. Bei der Citigroup schlugen die Konsumentenkredite, von denen die Kreditkartendarlehen einen Teil ausmachen, im ohnehin miserablen dritten Quartal mit einem Verlust von weiteren 2,2 Milliarden Dollar zu Buche. Der Aktienkurs von Capital One sackte am Donnerstag vergangener Woche weiter ab, nachdem der Kreditkartenspezialist eine Gewinnwarnung verkündet hatte.
Wie heftig der Sturm wird, der sich da zusammenbraut, hängt vor allem davon ab, ob die US-Wirtschaft 2008 in eine Rezession rutscht und wie stark der Arbeitsmarkt darunter leidet. Der Anteil der Schulden auf Kreditkartenkonten mit Zahlungsverzug von mindestens 30 Tagen steigt bereits. Moody’s beziffert die Quote auf 4,07 Prozent im vergangenen September nach 3,68 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig ist die sogenannte Zahlungsrate, die Auskunft über Zahlungswillen und Zahlungsfähigkeit der Kunden gibt, bereits über die vergangenen drei Quartale gefallen. Im September 2006 lag die Quote der Zahlungswilligen und -fähigen bei 18,6 Prozent – an sich schon kein hoher Wert. Im vergangenen Jahr waren es dann 17,84 Prozent. Unter den Kreditkartengesellschaften gilt der Abstieg als Frühwarnsignal. Unzweifelhaft spürt die Branche bereits, dass immer weniger Amerikaner nicht mehr in der Lage sind, ihre Schulden zu bedienen oder gar zu begleichen. Im September mussten die Kreditkartenanbieter 4,58 Prozent ihrer ausstehenden Beträge abschreiben, ein Jahr zuvor waren es noch etwas weniger als vier Prozent. 2007 und 2008 werde die Rate „weiter steigen“, schreibt Moody’s.
Fragt sich nur, wie weit. Die Investmentbank Goldman Sachs glaubt an einen kräftigen Anstieg und geht davon aus, dass die Abschreibungsrate im günstigsten Fall auf etwa 7,7 Prozent klettert. Das entspräche etwa dem Niveau der historischen Höchststände und würde das Kreditkartengewerbe mit erforderlichen Abschreibung von rund 69 Milliarden Dollar treffen. Im schlimmsten Fall aber müssen die Banken laut Goldman Sachs Rekordabschreibungen von rund elf Prozent hinnehmen. Damit kämen Verluste von rund 99 Milliarden Dollar auf die Kreditkartengesellschaften zu, etwa ein Drittel der gegenwärtig erkennbaren potenziellen Abschreibungen im Hypothekengeschäft mit weniger zahlungskräftigen Kunden.
Die sich ausbreitende Krise am Hypothekenmarkt und die hohen Kreditkartenschulden, die viele Amerikaner aufgetürmt haben, hängen eng miteinander zusammen. Denn in den vergangenen Jahren nutzten die US-Bürger die gestiegenen Immobilienwerte als Sicherheiten, um sich höher zu verschulden und ihren nimmersatten Konsum zu finanzieren. Wirtschaftlich hatte das durchaus Sinn: Warum sollte jemand 15 Prozent und mehr Zinsen an die Kreditkartengesellschaft zahlen, wenn der Kredit, der durch das Haus abgesichert ist, weniger als die Hälfte kostet? Doch die eigene Immobilie als Geldautomat funktioniert nur so lange, wie die Immobilienpreise Jahr für Jahr deutlich steigen. Damit aber ist es seit Monaten vorbei – und der Jammer groß.
Sollten die Banken bei der Vergabe von Darlehen mithilfe von Kreditkarten ähnlich leichtfertig vorgegangen sein wie bei den Hypotheken, dürfte das dicke Ende nicht lange auf sich warten lassen. Vor allem ist zu befürchten, dass auch hier eine geballte Ladung über das Geldgewerbe hereinbricht – nämlich wenn die US-Bürger, die sich mit dem Kauf ihres Hauses finanziell übernommen haben und nun die gestiegenen Hypothekenraten nicht mehr bezahlen, identisch sind mit denjenigen Landsleuten, die auch mit ihren Kreditkarten in Schulden stecken.













