Messe Brünn: Labor der Moderne

Messe Brünn: Labor der Moderne

von Lothar Schnitzler

Die Messe Brünn ist ein architektonisches Kleinod – und der wichtigste Ausstellungsplatz im östlichen Mitteleuropa.

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Halle P in Brünn: In der Tradition des sachlichen Bauens gestaltet, wurde die jüngste Halle im Jahr 2009 fertiggestellt

Gregor Mendel kommt in Brünn den Erbgesetzen auf die Spur. Der Dichter Robert Musil wächst hier auf und lässt sich hier zu seinem Jahrhundertroman „Der Mann ohne Eigenschaften“ inspirieren. Der Brünner Architekt Adolf Loos polemisiert schon 1908 gegen jegliche Verzierungen am Bau ("Ornament und Verbrechen"). Und Ludwig Mies van der Rohe baut in der tschechischen Stadt die Bauhaus-Villa Tugendhat und tauft seinen zeitlosen Stuhl Brno nach der von ihm geliebten Stadt.

Wie die Stadt, so die Messe: Radikale Vertreter funktionalistischer Architektur wie Joseph Kalous, Emil Kralik und Jaroslaw Valenta dürfen sich in den Zwanzigerjahren auf dem Gelände austoben. Ihnen verdanken wir das Gesamtkunstwerk des Messeareals sowie die Halle A, einen damals revolutionären Bogenbau in Beton und Glas. In der gleichen Epoche entstehen der gläserne Aussichtsturm und die kubischen Pavillons Brno und Moravia.

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In den Fünfzigerjahren entwickelt sich die Messe zum zweiten Ausstellungszentrum im Ostblock neben Leipzig. In dieser Zeit lassen die Brünner Messemacher die Halle Z mit einer über 40 Meter hohen Kuppel und die Halle C, deren abgeflachter Dom auf dem quadratischen Grundbau an die Hagia Sophia in Istanbul erinnert, errichten. Die in den zwei Jahrzehnten nach dem Prager Frühling 1969 gebauten Hallen können mit den Entwürfen der Zwanziger- und Fünfzigerjahre nicht mithalten. Erst nach 1989 geht es architektonisch wieder aufwärts. Die Hallen dieser Epoche wirken trotz ihrer Größe leicht und durchsichtig.

Nicht nur architektonisch ist die Messe Brünn bemerkenswert: Mit einem Umsatz von umgerechnet 40,67 Millionen Euro ist die mährische Messe der größte Ausstellungsplatz im östlichen Mitteleuropa. Veletrhy Brno, so die offizielle Bezeichnung, gehört seit 1998 als 60-Prozent-Beteiligung zur Messe Düsseldorf. Für 2009 rechnen die Eigentümer allerdings wegen der Wirtschaftskrise, die auch Mittel-Osteuropa nicht verschont hat, mit einem Betriebsverlust. Die Düsseldorfer bereuen ihr Engagement dennoch nicht. „Wir haben in den vergangenen Jahren hervorragende Ergebnisse erzielt“, sagt Herbert Vogt, Vorstandsvorsitzender der Messe Brünn und Finanzchef der Messe Düsseldorf, „und werden mittelfristig wieder Geld verdienen.“

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