Metalle: Illegaler Elektroschrott-Export gefährdet deutsche Firmen

Metalle: Illegaler Elektroschrott-Export gefährdet deutsche Firmen

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Christian Hagelüken: Mit alten Elektrogeräten könnte Deutschland bei einigen Metallen einen erheblichen Anteil des Jahresbedarfs decken

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der illegale Export ausrangierter Handys und Computer bringt deutsche Unternehmen um wichtige Metalle – und den Recyclingspezialisten Umicore um sein Geschäft.

Handys und Computer sieht Christian Hagelüken mit völlig anderen Augen als Verbraucher. Für die sind es begehrte Konsumgüter, für den Chefstrategen der Recyclingabteilung von Umicore in Hanau eine Quelle wertvoller Rohstoffe.

In den gut 20 Millionen Handys und bis zu fünf Millionen Computern, die deutsche Konsumenten und Unternehmen jedes Jahr ausmustern, stecken nicht nur viele Tonnen Kupfer, Edelmetalle wie Gold, und Palladium, sondern auch Sondermetalle wie Kobalt und die sogenannten seltenen Erden, ohne die kaum ein High-Tech-Produkt auskommt – von der Solarzelle bis zur Energiesparlampe. Und je cleverer die Technikhilfen werden, wie Smartphones, jene kleinen, zunehmend beliebten Telefoncomputer im Westentaschenformat, desto mehr der begehrten „Technologiemetalle“ enthalten sie.

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„Mithilfe alter Handys, Computer und anderer Elektronikgeräte könnten wir bei einigen Metallen einen erheblichen Anteil des deutschen Jahresbedarfs decken und wären weniger von den immer teureren und unsichereren Importen abhängig“, sagt Umicore-Manager Hagelüken. „Wir holen wir bis zu 95 Prozent der metallischen Rohstoffe aus High-Tech-Elektrogeräten zurück, und das zu deutlich niedrigeren Kosten und Umweltbelastungen als durch Bergbau und Schmelzen der Erze in Hochöfen.“

Nur kleiner Teil wird in Deutschland recycelt

Doch leider kann Umicore die billigste heimische Rohstoffquelle nur selten nutzen. Nach Schätzungen der Branche wird nämlich nur ein kleiner Teil der abgelegten Geräte in Deutschland recycelt. Mehr als die Hälfte des heimischen Elektroschrotts wird unerlaubt exportiert. Die Verfrachtung des wertvollen High-Tech-Mülls ist verboten, weil er jede Menge Stoffe enthält, die hochgiftig sind, wenn sie unsachgemäß behandelt werden und in die Umwelt geraten. Trotzdem schaffen abgebrühte Händler den begehrten Abfall containerweise über die Grenze, indem sie die Lieferung als gebrauchsfähige Produkte und Spenden für die dritte Welt deklarieren. Dort reißen Tagelöhner für einfache Wiederverwerter neben Kabeln vor allem Prozessoren heraus. Die elektronischen Filetstücke werden dann weiterverkauft an Unternehmen, die daraus zum Beispiel elektronisches Spielzeug herstellen. Andere Rohstoffe werden auf primitive Weise, etwa mit Campingkochern, aus den Leiterplatten geschmolzen. Der Rest wird verbrannt, vergraben oder einfach liegen gelassen.

Das verbreitete Prozedere richtet gleich doppelten Schaden an. Die deutschen Hersteller von High-Tech-Produkten müssen auf teure Rohstoffimporte anstelle preiswerter Recyclingware zurückgreifen. Zugleich fehlt Recyclingunternehmen das Material – Investitionen in Rückgewinnungstechnik unterbleiben, die Schaffung neuer Jobs fällt aus.

Zweitens vergiften die unerlaubten Exporte am Ende die Natur. „Es ist eine Umweltbelastung sondergleichen“, sagt Joachim Rotering, Spezialist für die Rohstoffbranche bei Booz. Die Schmalspur-Wiederverwerter holen nur 20 Prozent der Wertstoffe aus den Geräten, während europäische Unternehmen 95 Prozent schaffen. Sie verpesten zugleich die Umwelt mit Giften wie Dioxin oder Schwermetallen, die über kurz oder lang beim deutschen Verbraucher landen könnten, meint Umicore-Manager Hagelüken: „Über Spielzeug, Schmuck oder die Nahrung, denn mit den Flüssen gelangen die Schadstoffe ins Meer, dann in die Fische und irgendwann bei uns auf den Teller.“

Zu lösen wäre das Problem relativ leicht, sagt Hagelüken. Die EU müsse nur einheitlich festlegen, was Müll ist – und was Gebrauchtware. Dazu sollten die Behörden mehr kontrollieren und mögliche Strafen auch durchsetzen. Große Wirkung hätte wohl auch ein Pfand auf High-Tech-Geräte. „Die Erfahrung zeigt: Wenn die alten Sachen Geld bringen, schafft sie immer einer zu den Sammelstellen“, sagt Umicore-Manager Hagelüken.

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