Metro-Aktionär: Haniel zückt den Rotstift

Metro-Aktionär: Haniel zückt den Rotstift

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Das Firmenlogo des Mischkonzerns Haniel

von Henryk Hielscher

Der Ruhrgebietsclan Haniel kommt nicht zur Ruhe. An der Spitze der Kernbeteiligung Metro herrscht Chaos, in der Holding soll jede dritte Stelle gestrichen werden.

Die Kulisse ist feudal, die Stimmung trübe am Sitz des traditionsumwölkten Haniel-Konzerns in Duisburg-Ruhrort. Wochenlang sorgten die Volten im Machtkampf zwischen Haniel-Chef Jürgen Kluge und Metro-Vorsteher Eckhard Cordes für Nervosität, nun steht neuer Ärger an: 30 Prozent der Mitarbeiter in der Holding-Zentrale sollen bis Ende 2012 gehen. Quer durch alle Bereiche würden rund 70 der insgesamt 250 Stellen wegfallen, bestätigte ein Haniel-Sprecher der WirtschaftsWoche.

Offiziell begründete der Sprecher die Pläne mit längst überfälligen Personalanpassungen. So sei die Zahl der Holding-Mitarbeiter bislang stabil geblieben, obwohl Haniel in den vergangenen Jahren die Baustofftochter Xella verkauft habe sowie Belfor, einen Spezialisten für die Sanierung von Brand- und Wasserschäden.

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Tatsächlich geht es wohl auch um Kostensenkungen. Der Spareffekt der Stellenstreichungen dürfte zwar kaum mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr betragen. Doch die Duisburger Entschlackungskur gilt intern auch als Botschaft an die Beteiligungen. Nicht nur im operativen Geschäft wird der Rotstift gezückt, so die Ansage, sondern auch am Stammsitz. Zudem ist selbst die vergleichsweise bescheiden anmutende Millionensumme für die leckgeschlagene Holding inzwischen alles andere als Kleingeld. Zu drastisch fiel der Wertverlust der vergangenen Jahre aus.

Im Krisenjahr 2009 bezifferte Haniel den Wert der Unternehmensbeteiligungen einer internen Präsentation zufolge auf 7,8 Milliarden Euro. Zwei Jahre später taxiert die Ratingagentur Standard & Poor’s das Portfolio nur noch auf 6,4 Milliarden Euro. Die Entwicklung bei den wichtigsten Investments ist verheerend.

Tollhaus Metro

So brach der Metro-Aktienkurs seit Jahresbeginn um rund 40 Prozent ein. Zunächst waren Anleger enttäuscht, dass sich die von Cordes geschürten Hoffnungen auf einen Verkauf der Töchter Kaufhof und Real nicht erfüllten. In den vergangenen Wochen sorgte dann das ungeschickte Agieren Kluges beim Streit um die Vertragsverlängerung des Metro-Chefs für Kapriolen.

Erst wollten Teile der Familie Haniel und wohl auch Kluge Cordes fallen lassen, mussten ihn aber auch auf Druck des zweiten Metro-Großaktionärs, der Familie Schmidt-Ruthenbeck, wieder unterstützen. Dann schmiss Cordes am Ende doch entnervt hin. Anfang vergangener Woche komplettierte Kluge das Führungschaos und erklärte seinen Rückzug als Aufsichtsratschef der Metro. Offiziell ist von einer freiwilligen Entscheidung Kluges die Rede.

Haniel-Familienoberhaupt Franz Markus Haniel soll nun den Posten übernehmen. Er wird vermutlich aber erst auf der Dezember-Sitzung des Gremiums gekürt. Dass zuvor ein Nachfolger für Cordes bestellt wird, ist wenig wahrscheinlich. Damit hält die Ungewissheit über den künftigen Kurs von Deutschlands größtem Handelskonzern an.

Dabei ist Metro nicht Haniels einziges Problem. Bei Celesio ließ der staatliche Spardruck im Gesundheitswesen das Geschäft erodieren, der Pharmagroßhändler musste Millionenbeträge abschreiben und die Gewinnziele eindampfen. Zudem schlägt der derzeitige Preisrückgang bei Rohstoffen wie Nickel bereits auf das Geschäft des Schrottrecyclers ELG durch.

Und spätestens wenn 2012 weitere Unternehmen dem Beispiel des Ruhrgebietsclans folgen und Sparprogramme auflegen, dürften auch die Umsätze beim Büromöbelversender Takkt und dem Arbeitskleidungsspezialisten CWS-boco schwächeln. Für Haniel-Chef Kluge, dessen Vertrag im Frühjahr zur Verlängerung ansteht, beginnt der Kampf gegen die Zeit.

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