Metro-Vorstand Saveuse: "Jeden Tag Sonnenschein"

Metro-Vorstand Saveuse: "Jeden Tag Sonnenschein"

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Joël Saveuse

von Henryk Hielscher

Der Metro-Vorstand über die Zukunft der SB-Warenhauskette Real, den Preisanstieg bei Lebensmitteln und die Vorwürfe des Bundeskartellamts gegen die Handelskonzerne.

WirtschaftsWoche: Herr Saveuse, Sie kamen vor dreieinhalb Jahren zu Metro, um die SB-Warenhauskette Real zu sanieren. Ist Ihre Mission geglückt?

Saveuse: Wir sind sehr zufrieden mit Real. Die Entwicklung in Deutschland kann sich sehen lassen, und im internationalen Geschäft haben wir ein fantastisches Jahr erlebt. Das erste Mal in der Geschichte von Real haben 2010 alle Landesgesellschaften schwarze Zahlen geschrieben. Damit ist Real endgültig in der ersten Liga der großen SB-Warenhausbetreiber angekommen.

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Dann bleibt Real also Teil des Metro-Konzerns? Bisher sollte die Sparte verkauft werden, wenn sie nicht drei Prozent Rendite erzielt.

Wir haben nur gesagt, dass wir mittelfristig eine Rendite von zwei bis drei Prozent anstreben. Ich glaube, dieses Ziel ist erreichbar, wir marschieren ja bereits in diese Richtung. Wir haben gesagt, dass wir uns zur Zukunft von Real im Frühjahr äußern werden.

Zuletzt gab es Spekulationen, Sie könnten Real-Standorte nach und nach an Wettbewerber abgeben und die Kette scheibchenweise verkaufen. Was ist dran?

Das ist Unsinn. Richtig ist, dass wir einige Märkte im Rhein-Main-Gebiet abgeben, dies ist ein ganz normaler Vorgang im Handel. Wäre es nach uns gegangen, hätten wir dort mehr Standorte behalten. Nur der Vermieter der Immobilien sah das leider anders.

Planen Sie weitere Filialschließungen?

Nein, wir haben derzeit keine konkreten Schließungsabsichten, weder für Real noch für die Metro-Großmärkte. Bei beiden Vertriebslinien sehen die Kunden, dass sich in den Märkten, im Sortiment und bei den Preisen etwas tut. Die Umsätze in den Großmärkten sind stabil. Und bei Real ging es 2010 deutlich aufwärts.

Fragt sich nur, wie lange der Trend noch anhält. Die Einkaufsfreude der Deutschen wurde zuletzt durch zahlreiche Preiserhöhungen getrübt: Kaffee und Geflügel kostet mehr, selbst Textilien sind teurer geworden. Wird die Preisrallye weitergehen?

Tendenziell steigen die Preise. Textilien sind zurzeit besonders betroffen, aber auch bei Lebensmitteln bleibt der Druck hoch.

Liegt das nur an den Rohstoffkosten?

Auch die Energiepreise sind zuletzt deutlich gestiegen, zudem haben sich die Personalkosten in Asien erhöht. Das hat Auswirkungen auf die Produktionskosten der Hersteller und schlägt damit auch auf den deutschen Markt durch. Hierzulande bleibt der Preisanstieg aber insgesamt überschaubar.

Was heißt das konkret?

Wir erwarten dieses Jahr rund zwei Prozent Inflation in Deutschland. Die große Sorge der Politik, dass die Preise dramatisch steigen, teilen wir für Europa nicht. In anderen Regionen und Ländern, etwa in Indien, sieht es schon anders aus. In einigen Ländern wurden die Preise für bestimmte Basisprodukte sogar schon von der Regierung eingefroren.

In Nordafrika war der Ärger über höhere Lebensmittelpreise auch einer der Auslöser für politische Proteste. Bei den Unruhen in Ägypten wurden zwei Großmärkte geplündert. Bleibt Metro dort aktiv?

Wir machen weiter. Einer unserer beiden Märkte wurde zwar komplett zerstört. Aber der zweite steht noch und wurde bereits wieder eröffnet. Wir müssen natürlich sehen, wie sich die neue Regierung verhält. Wenn Ägypten bald wieder zu Stabilität und Normalität zurückkehrt, bleibt das Land mit rund 80 Millionen Einwohnern interessant für uns. Die Anlaufphase vor den Protesten hat klar gezeigt, dass es in Ägypten viel Potenzial für Metro gibt.

Wie gehen Sie mit den Forderungen der Hersteller nach höheren Preisen um?

Natürlich sind wir nicht begeistert, wenn Lieferanten mehr Geld von uns wollen. Aber letztlich sind auch bei den Herstellern mitunter Grenzen erreicht, die sie nicht abfedern können. Wenn sich der Preis für Baumwolle innerhalb weniger Monate verdoppelt, hat das auch Konsequenzen für den Verkaufspreis von T-Shirts oder Hosen.

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