Meyer Werft: Schiffbau nach dem Lego-Prinzip

Meyer Werft: Schiffbau nach dem Lego-Prinzip

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AidAluna vor Warnemünde

Die Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg gehört zu den drei Weltmarktführern im internationalen Kreuzschifffahrtsbau. Gleichzeitig ist das Familienunternehmen führend bei Entwicklung und Einsatz neuer Konstruktionstechniken.

Am Anfang steht die Platte. Eine Stahlplatte, mehrere Zentimeter dick und von den Werftarbeitern mit Schneidbrennern grob zugeschnitten, die auf Blöcken und einer leicht geneigten, rund einen Meter breiten und mehr als schiffslangen Sockelschiene, dem sogenannten Werfthelgen, ruht. Bei der Kiellegung wird diese Platte mit anderen Platten, Trägern und Profilen zum doppelten Schiffsboden verbunden. Zu Beginn des Stahlschiffbaus mit geschmiedeten Nieten, später geschweißt.

Ist der Unterboden komplett, werden die Seitenwände angesetzt und die Decks eingezogen, damit der Rumpf Stabilität bekommt. Sobald der fertig ist, kommt der Rohbau der Aufbauten obendrauf.

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Meyer Werft: 800 Tonnen schwere Blöcke werden verschweißt

Doch bevor die komplett sind, kommt der Stapellauf: Das halbfertige Schiff rutscht – von hydraulischen Pressen bewegt und durch Tonnen von Schmierseife beschleunigt – auf seiner schrägen Bahn ins Wasser, wird von Ankern und Schleppern gebremst und zum Ausrüstungskai verholt. Dort werden dann in vielen Monaten die Maschine, Rohrleitungen und Elektrik sowie die gesamte Inneneinrichtung eingebaut. Das war Schiffbau zu Zeiten der „Titanic“ und bis alles fertig war, vergingen in der Regel mehrere Jahre.

Auch bei der Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg an der Ems steht am Anfang eine Platte. Aber die wird computergesteuert von Plasmabrennanlagen zugeschnitten – vollautomatisch und fast millimetergenau. In einer Halle werden die Platten und Profile per Laser zu einer Sektion verschweißt, aus etwa sieben solcher Sektionen entsteht ein bis zu 800 Tonnen schwerer Block, zum Beispiel das Heck.

Die AIDAluna kostet 315 Millionen Euro

Diese Blöcke, gegen Korrosion geschützt und mit sämtlichen Rohren, elektrischen Leitungen und den Schächten für die Klimaanlage vorgerüstet, werden dann in einem überdachten Baudock zu einem Schiff verbunden – „wie Legosteine“, sagt Werftchef Bernhard Meyer. Ein Kreuzfahrtschiff wie die neue „AIDAluna“ – 252 Meter lang, 32,2 Meter breit, 13 Decks oder 55,3 Meter hoch und 315 Millionen Euro teuer – besteht aus 55 solcher Sektionen.

Die in einer benachbarten Zulieferfabrik ebenfalls weitgehend vorgefertigten Kabinen werden per Kran von oben ins Schiff gehievt. Erst wenn das Schiff weitgehend fertiggestellt ist, wird das Baudock geflutet und der neue Dampfer ausgedockt. Das ist Schiffbau heute und dauert von der Kiellegung bis zur Ablieferung rund ein Jahr.

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