Michael J. Inacker über die deutsch-amerikanische Partnerschaft: Aufwachen mit Obama

Michael J. Inacker über die deutsch-amerikanische Partnerschaft: Aufwachen mit Obama

Zum Aufwachen aus ihren außenpolitischen Illusionen würde den Deutschen niemand so guttun wie ein amerikanischer Präsident Barack Obama. Noch ist der Kandidat für die Mehrheit der Deutschen Heilsbringer, Jesus-Ersatz. Sollte er sich durchsetzen, dürften wir einen amerikanischen Präsidenten wieder so richtig lieb haben. Denn in den Augen vieler ist Obama so sehr ein Anti-Bush, dass er eigentlich schon kein Amerikaner mehr ist.

Das Erwachen wird schon bald erfolgen. Sicherlich bietet Obama weniger Stoff für das Zerrbild von George W. Bushs ideologisierter Freiheitsstrategie. Aber am Ende ist Obama vor allem eins: ein amerikanischer Präsident, der die Interessen seines Landes vertreten wird. Und umso mehr werden wir Deutschen gefordert sein. Kuscheln mit den Taliban wird es mit ihm genauso wenig geben wie mit George W. Bush. Und wenn Liebling Obama nach mehr internationaler Verantwortung für uns Deutsche ruft, dann heißt das konkret: mehr deutsche Soldaten für Afghanistan. Er wird uns an das richtige Wort des ehemaligen SPD-Verteidigungsministers Peter Struck erinnern, dass deutsche Interessen auch am Hindukusch verteidigt werden.

Superstar Obama zwingt uns damit zur Neudefinition des transatlantischen Verhältnisses. Und das ist an der Zeit. Denn George W. Bush war nicht Ursache, höchstens Anlass für die Wiedergeburt der alten deutschen Distanz zu Amerika. Der „Kulturbruch“ zwischen einem angeblich seelen- und wertelosen, ökonomisierten Amerika und dem moralisch guten Deutschland ist unübersehbar. Längst bildet sich ein linker und rechter Anti-Amerikanismus und beginnt auch das bürgerliche Lager zu spalten. In CDU und CSU mehren sich die Stimmen für einen Abzug aus Afghanistan. „Das ist der Krieg Amerikas“, sagen immer mehr Vertreter der einstigen Nato-Partei. Aber auch in der traditionell amerikafreundlichen Wirtschaft wird Kritik laut. Die Art und Weise, wie die amerikanische Börsenaufsicht SEC deutsche Unternehmen auf den Kopf stellt, oder die exterritoriale Durchsetzung amerikanischen Rechts in Europa sorgen für Verbitterung.

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Doch der Schlüssel im Umgang mit Amerika und zum Erreichen einer fairen Partnerschaft ist nicht Larmoyanz, sondern eigene Leistung und Stärke. Besser als das Militärische allein ist gerade die deutsche Wirtschaft der eigentliche Träger für eine neue transatlantische Partnerschaft. Amerika weiß, wo Deutschland liefern kann. In vielen wichtigen Branchen sind unsere Unternehmen stark. Die Wirtschaft tritt in Washington längst nicht als Bittender, sondern als Fordernder auf. Mit ihrem Gewicht setzte sie einen fairen Kompromiss bei neuen Bilanzierungsregeln durch. Dort wurde die US-Dominanz durch eine europäisch-amerikanische Interessengemeinschaft ersetzt. Und auch beim Plan eines gemeinsamen transatlantischen Marktes sind die Amerikaner zu ernsthaften Verhandlungen bereit. Denn der hilft ihrer und unserer Wirtschaft.

Die Lehre: Wer selbst etwas zu bieten hat, wird von Washington ernst genommen. Für die Außenpolitik heißt das, wer in Afghanistan mitreden will, muss auch liefern. Und es gibt eine weitere Einsicht: Interessen sind ein noch festeres Fundament für eine Partnerschaft als Werte – oder Dankbarkeit. Zu lange lebten die deutsch-amerikanischen Beziehungen aus dem „Carepaket-Mythos“.

Partnerschaft mit den USA liegt in unserem Interesse: wirtschaftlich und sicherheitspolitisch. Ohne Amerika sind wir Deutsche aufgeschmissen. Man muss die Amerikaner nicht für alles lieben. Aber am Ende möchten wir doch, dass da einer ist, der aufpasst, während wir den Schlaf der Gerechten schlafen.

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