_

Militärtransporter: A400M vor dem Aus?

von Andreas Toller mit Material von dpa/rtr

Flugzeugbauer Airbus sieht in dem allzu kostspieligen A400M-Projekt eine Bedrohung für den Konzern. Deutschland und Frankreich glauben aber noch an einen Kompromiss ohne weitere Rüstungsmilliarden.

Deutschland und Frankreich geben sich trotz der Probleme bei dem A400M-Militärtransporter-Projekt von Airbus zuversichtlich. „Am Schluss wird wahrscheinlich eine vernünftige Lösung stehen“, sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle heute im Deutschlandfunk. Immerhin gehe es um die Interessen der europäischen Industrie, begründete der französische Verteidigungsminister Herve Morin seinen Optimismus im französischen Fernsehen. Im zufolge versucht Airbus lediglich, den Druck auf die Abnehmerstaaten zu erhöhen. Zu diesen Ländern zählen auch Großbritannien, Spanien, Belgien, Luxemburg und die Türkei.

Anzeige

Der Airbus-Mutterkonzern EADS hat von den europäischen Abnehmerstaaten insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro zusätzlicher Zahlungen für das A400M-Projekt verlangt. Sollten die zusätzlichen Finanzmittel nicht bewilligt werden, droht dem prestigeträchtigen Airbus-Militärtransport das Aus. Ein Airbus-Sprecher bezeichnete den Ausstieg als ein mögliches Szenario und bestätigte, das bereits Pläne über alternative Einsatzmöglichkeiten für die A400M-Ingenieure in Zivilprojekten existieren.

Deutschland will nicht zahlen

Deutschland will den Nachforderungen nicht nachkommen, sondern sich stattdessen strikt an den ausgehandelten Vertrag halten. Laut „Handelsblatt“ will das Bundesverteidigungsministerium deshalb maximal 650 Millionen Euro zuzahlen. Dieser Betrag ergibt sich demnach aus einer im Vertrag enthaltenen „Preiseskalationsformel“, die es dem Flugzeugbauer erlaubt, einen Inflationsausgleich marktbedingte Preisaufschläge nachzufordern. Medienberichten zufolge soll die tatsächliche Budget-Überschreitung bereits ein Volumen von mehr als elf Milliarden Euro erreicht haben.

Wie die WirtschaftsWoche bereits Anfang Dezember berichtet hatte, bereitet Airbus wegen des ungelösten Kostenstreits den Ausstieg aus dem Milliardenprojekt vor, sollte es seitens der Abnehmerländer keine weiteren finanziellen Konzessionen geben. Airbus-Chef Thomas Enders stützt sich dabei wohl auf eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers im Auftrag der europäischen Rüstungsbeschaffungsbehörde. Im Ergebnis käme Airbus demnach die Einstellung des Projekts billiger, als die Fortsetzung ohne weitere finanzielle Zugeständnisse. Airbus derartige Überlegungen zum Projektstopp lange dementiert. Gegenüber der „Financial Times Deutschland“ sprach Enders nun von einer existenziellen Gefahr für Airbus durch den Militärtransporter. Er sei nicht bereits, das gut laufende zivile Geschäft durch den A400M aufs Spiel zu setzen.

Entscheidung bis Ende Januar

Das Bundesverteidigungsministeriums erinnerte unterdessen daran, dass es bis zum 31. Januar ein Stillhalteabkommen zwischen den Vertragspartnern gibt. Die Bedenkzeit soll offenbar für Kompromissverhandlungen genutzt werden. Deutschland ist der größte Abnehmer für den A400M und hat sich als einziges Land strikt geweigert, mehr in das Projekt zu investieren. Insgesamt liegen Airbus seit 2003 180 Bestellungen für den A400M vor, das Gesamtvolumen belief sich ursprünglich auf 20 Milliarden Euro. Drei Jahre Verzögerungen, Fehlkalkulationen von Airbus sowie immer neue Anforderungen der Abnehmerländer, hatten die Projektkosten explodieren lassen. Immerhin: Im Dezember 2009 fand endlich der Jungfernflug des Militärtransporters erfolgreich statt.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.01.2010, 20:18 UhrAnonymer Benutzer: ..

    ..davon abgesehen, sollte sich Airbus lieber auf einen wettbewerbsfähigen Konkurrenten zum Dreamliner konzentrieren. Ansonsten bleiben sie bald auf ihren blechbüchsen sitzen.

  • 06.01.2010, 20:14 UhrAnonymer Benutzer: Observer

    besser einstellen.

    ich erinnere mich daran, dass die bundeswehr eine Verteitigungsarmee sein sollte. Ohne Transprtkappazitäten kann man schon mal sicher sein, dass sie das auch bleibt.

    Wenn man kostengünstig kalkulieren würde, würde man sich 200 Atomraketen verschiedenster Reichweiten auf Lager legen und gut is.

    Dann hat sich die Kriegsspielerei mangels Handlungsalternativen schnell erledigt und man hat eine echte Verteitigungsarmee.

  • 06.01.2010, 19:44 UhrAnonymer Benutzer: Blücher

    Pleitegeier ade

    bereits vor dem ursprünglichen Vertragsabschluss stand dieses Programm vor dem Absturz. Nicht technische oder kommerzielle Gründe waren es, die für den Vogel sprachen, sondern rein industriepolitische. Und schon damals war jedem klar, dass die gehandelten Preise völlig aus der Luft gegriffen waren, wie immer bei Militäraufträgen. Und nun hat EADS die Stirn, trotz erheblichen eigenen Versagens Mehrforderungen an die Abnehmer zu stellen.
    Man übertrage das einmal auf das private Umfeld: Wie würde Otto Normalverbraucher da handeln ?
    im übrigen wäre es tatsächlich besser, der Vogel würde nicht kommen. Eine solch gigantische Lufttransportkapazität benötigt die bundeswehr überhaupt nicht. Überhaupt gehört sie halbiert (mindestens); dann wären auch keine globalen mehr möglich.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.