Deutschland und Frankreich geben sich trotz der Probleme bei dem A400M-Militärtransporter-Projekt von Airbus zuversichtlich. „Am Schluss wird wahrscheinlich eine vernünftige Lösung stehen“, sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle heute im Deutschlandfunk. Immerhin gehe es um die Interessen der europäischen Industrie, begründete der französische Verteidigungsminister Herve Morin seinen Optimismus im französischen Fernsehen. Im zufolge versucht Airbus lediglich, den Druck auf die Abnehmerstaaten zu erhöhen. Zu diesen Ländern zählen auch Großbritannien, Spanien, Belgien, Luxemburg und die Türkei.
Der Airbus-Mutterkonzern EADS hat von den europäischen Abnehmerstaaten insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro zusätzlicher Zahlungen für das A400M-Projekt verlangt. Sollten die zusätzlichen Finanzmittel nicht bewilligt werden, droht dem prestigeträchtigen Airbus-Militärtransport das Aus. Ein Airbus-Sprecher bezeichnete den Ausstieg als ein mögliches Szenario und bestätigte, das bereits Pläne über alternative Einsatzmöglichkeiten für die A400M-Ingenieure in Zivilprojekten existieren.
Deutschland will nicht zahlen
Deutschland will den Nachforderungen nicht nachkommen, sondern sich stattdessen strikt an den ausgehandelten Vertrag halten. Laut „Handelsblatt“ will das Bundesverteidigungsministerium deshalb maximal 650 Millionen Euro zuzahlen. Dieser Betrag ergibt sich demnach aus einer im Vertrag enthaltenen „Preiseskalationsformel“, die es dem Flugzeugbauer erlaubt, einen Inflationsausgleich marktbedingte Preisaufschläge nachzufordern. Medienberichten zufolge soll die tatsächliche Budget-Überschreitung bereits ein Volumen von mehr als elf Milliarden Euro erreicht haben.
Wie die WirtschaftsWoche bereits Anfang Dezember berichtet hatte, bereitet Airbus wegen des ungelösten Kostenstreits den Ausstieg aus dem Milliardenprojekt vor, sollte es seitens der Abnehmerländer keine weiteren finanziellen Konzessionen geben. Airbus-Chef Thomas Enders stützt sich dabei wohl auf eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers im Auftrag der europäischen Rüstungsbeschaffungsbehörde. Im Ergebnis käme Airbus demnach die Einstellung des Projekts billiger, als die Fortsetzung ohne weitere finanzielle Zugeständnisse. Airbus derartige Überlegungen zum Projektstopp lange dementiert. Gegenüber der „Financial Times Deutschland“ sprach Enders nun von einer existenziellen Gefahr für Airbus durch den Militärtransporter. Er sei nicht bereits, das gut laufende zivile Geschäft durch den A400M aufs Spiel zu setzen.
Entscheidung bis Ende Januar
Das Bundesverteidigungsministeriums erinnerte unterdessen daran, dass es bis zum 31. Januar ein Stillhalteabkommen zwischen den Vertragspartnern gibt. Die Bedenkzeit soll offenbar für Kompromissverhandlungen genutzt werden. Deutschland ist der größte Abnehmer für den A400M und hat sich als einziges Land strikt geweigert, mehr in das Projekt zu investieren. Insgesamt liegen Airbus seit 2003 180 Bestellungen für den A400M vor, das Gesamtvolumen belief sich ursprünglich auf 20 Milliarden Euro. Drei Jahre Verzögerungen, Fehlkalkulationen von Airbus sowie immer neue Anforderungen der Abnehmerländer, hatten die Projektkosten explodieren lassen. Immerhin: Im Dezember 2009 fand endlich der Jungfernflug des Militärtransporters erfolgreich statt.













