Milliarden-Verluste: Post stellt US-Expressgeschäft ein

Milliarden-Verluste: Post stellt US-Expressgeschäft ein

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Postchef Frank Appel verkündete heute den Ausstieg aus dem US-Geschäft

Mit Erleichterung reagierten Analysten und Börsenhändler auf die Ankündigung der Deutschen Post, sich rasch aus dem defizitären US-Geschäft zurückzuziehen. Konzernchef Frank Appel beendet mit dem radikalen Schnitt ein Lieblingsprojekt seines Vorgängers Klaus Zumwinkel.

Die Deutsche Post beendet Ende Januar das verlustreiche Expressgeschäft ihrer Tochter DHL in den USA. Alle rein nationalen Sortierzentren würden geschlossen, teilte die der Konzern heute in Bonn mit. Insgesamt streicht die Post in den USA damit fast 15.000 ihrer 18.400 Arbeitsplätze - zu den seit Jahresbeginn bereits abgebauten 5400 sollen weitere 9500 dazukommen. Die operativen Kosten verringern sich nach Angaben der Post damit von derzeit 4,2 Milliarden auf 770 Millionen Euro.

Weltweite Sendungen in die USA würden weiter ohne Einschränkungen zugestellt, versicherte die Post. In den USA könnten Kunden 99 Prozent der bisherigen internationalen Sendungen auch künftig für den grenzüberschreitenden Versand aufgeben. Nicht betroffen von den Einschnitten ist ferner das Logistik-Geschäft, das von DHL in den USA und von dort aus auch weltweit betrieben wird. Zur Logistik zählen Luft- und Seefracht sowie Lagerungs- und Lieferdienste für Unternehmen.

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Zumwinkels Ziel: UPS und FedEx das Fürchten lehren

Den historischen Rückzug aus dem US-Expressgeschäft bezeichnete der verantwortliche Konzernvorstand John Mullen als „richtige Entscheidung, wenn man die wirtschaftliche Lage berücksichtigt und die Zukunft im Blick hat.“ Die Post war unter ihrem vorigen Unternehmenslenker Klaus Zumwinkel in den Vereinigten Staaten mit dem Expressgeschäft gestartet, um den dortigen Platzhirschen United Parcel Service (UPS) und FedEx das Fürchten zu lehren. Nach Zumwinkels überstürzten Weggang hatte sein Nachfolger Frank Appel im Mai bereits umgelenkt und eingreifende Kürzungen des dortigen Netzes angekündigt.

Angesichts der sich abschwächenden Wirtschaft will die Post bis 2010 konzernweit insgesamt eine Milliarde Euro einsparen - 500 Millionen Euro mehr als bislang geplant. So wolle man auch bei schwierigen wirtschaftlichen Aussichten einen Gewinnzuwachs erzielen, teilte das Unternehmen mit.

Im gesamten Post-Konzern legte der Gewinn im dritten Quartal um 14,8 Prozent auf 653 Millionen Euro zu. Der Umsatz kletterte um 4,1 Prozent auf 13,26 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr bekräftigte der Vorstand seine Prognose eines EBIT vor Einmaleffekten von 2,4 Milliarden EUR. Unter dem Strich werde aber wegen der zusätzlichen Kosten für die Restrukturierung des US-Geschäftes und anderer Einmalkosten aller Voraussicht nach ein Nettoverlust ausgewiesen, sagte Appel weiter. Hierzu beitragen würden Einmalbelastungen aus anderen Geschäftseinheiten zwischen 400 Millionen und 500 Millionen EUR sowie mögliche Abschreibungen auf Goodwill und immaterielle Vermögenswerte von rund einer Milliarden EUR.

Diese Unternehmenszahlen entsprachen insgesamt den Erwartungen, wie Analysten nach der Vorstellung betonten. Der Markt reagiere erleichtert, dass „keine Bombe geplatzt“ sei. Die intensivierte Restrukturierung und der damit einhergehende höhere Aufwand seien nach den jüngsten Presseberichten zwar keine größere Überraschung. Der Rückzug aus dem nationalen US-Expressgeschäft hat am Montag den Aktien der Deutschen Post Auftrieb gegeben. Sie bauten ihre Gewinne bis zum Nachmittag aus und gehörten mit einem Plus von 8,6 Prozent auf 10,16 Euro zu den größten Gewinnern im Dax. „Die Leute sind froh, dass sich die Post endlich von diesem Verlustbringer trennt“, sagte ein Händler. Für gute Laune bei den Anlegern sorgte ferner die Nachricht, dass die Post trotz des für 2008 erwarteten Verlustes eine Dividendenzahlung anstrebe.

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