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Milliardenbetrug: US-Börsenaufsicht räumt Versäumnisse im Fall Madoff ein

von Andreas Toller mit Material von dpa / rtr

Die US-Börsenaufsicht SEC hat offenbar jahrelang Warnhinweise im Betrugsskandal um Bernard Madoff ignoriert. Der designierte US-Präsident Barack Obama will deshalb offenbar die SEC-Spitze austauschen.

Der mutmaßliche Quelle: dpa
Der mutmaßliche Anlagebetrüger Bernard Madoff umgeben von Reportern, nachdem ihn ein New Yorker Gericht unter Hausarrest gestellt hatte. Quelle: dpa

In den Milliarden-Skandal um den mutmaßlichen Anlage-Betrüger Bernard Madoff schaltet sich nun auch der US-Kongress ein. Unmittelbar nach dem Jahreswechsel wolle das Repräsentantenhaus eine Untersuchung einleiten, ob die Aufsichtsbehörden versagt hätten, erklärte gestern Paul Kanjorski, Vorsitzender der für den Kapitalmarkt zuständigen Kommission im Ausschuss für Finanzdienstleistungen.

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Madoff, der frühere Chef der New Yorker Technologiebörse Nasdaq, soll Investoren rund um den Globus mit einem gigantischen Schneeballsystem um 50 Milliarden Dollar betrogen haben. Experten sprechen von einem der größten Betrugsfälle in der Geschichte der Wall Street.

Der Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Christopher Cox, wies jeden Verdacht von sich. "Ich möchte betonen, dass derzeit keine Beweise dafür vorliegen, dass einer meiner Mitarbeiter etwas Falsches getan hat", sagte Cox gestern. Gleichzeitig räumte er ein, dass die SEC seit 1999 wiederholt Warnungen zu den Machenschaften von Bernard Madoff erhalten, aber nicht weiter verfolgt habe. Als Grund führte Cox an, die Beschuldigungen seien nie mit der Empfehlung erfolgt, tätig zu werden. Mitarbeiter der SEC hätten sich auf Informationen verlassen, die ihnen Madoff und seine Mitarbeiter freiwillig überlassen hätten. Cox kündigte eine interne Untersuchung an.  

Ob SEC-Chef Cox diese Untersuchung zuende bringen kann, ist jedoch fraglich. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge plant der designierte US-Präsident Barack Obama, die Finanzmarktexpertin Mary Schapiro zur neuen Chefin der Aufsichtsbehörde zu machen. Derzeit steht die 53-Jährige an der Spitze der für die Selbstregulierung der Wall Street zuständigen Branchenorganisation Financial Industry Regulatory Authority (FINRA). Mit der Ablösung von Christopher Cox rechnen Beobachter bereits seit längerem.

Nur noch 200 bis 200 Millionen Dollar übrig

Ein US-Bezirksgericht ordnete derweil zeitweiligen Hausarrest für Madoff an. Die Ausgangssperre soll elektronisch, mittels einer sogenannten Fußfessel überwacht werden. Madoffs Ehefrau Ruth muss zugleich ihren Reisepass abgeben. Offenbar soll damit eine Flucht verhindert werden.

Madoff fehlen Berichten zufolge noch mehrere Bürgen, um einer Untersuchungshaft zu entgehen. Aus Gerichtsakten ging hervor, dass der frühere Nasdaq-Chef noch nicht alle Bedingungen erfüllt hat, um gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben zu können. Der 70-Jährige war nach seiner Verhaftung am Donnerstag gegen zehn Millionen Dollar Kaution wieder freigekommen. Bei einer Verurteilung drohen Madoff bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Inzwischen hat ein New Yorker Richter die Liquidation von Madoffs Wall-Street-Firma auf Antrag des Anlegerschutzfonds SIPC veranlasst, um das verbliebene Vermögen sicherzustellen. Die SIPC garantiert für Kundeneinlagen bis zu 500.000 Dollar pro Kunde. Etliche Betrugsopfer dürften aber mit deutlich höheren Summen investiert gewesen sein. Unter anderem soll der Unternehmer Carl Shapiro insgesamt 545 millionen Dollar bei Madoff angelegt haben. Er sei nach 50 Jahren Freundschaft mit Madoff erschüttert und traurig, ließ der 95-Jährige das Wall Street Journal wissen. Unter den Geprellten sollen auch Prominente wie Hollywood-Produzent Steven Spielberg oder Dreamworks-Studio-Chef Jeffrey Katzenberg sein.

Die größten Verluste tragen jedoch institutionelle Anleger. Mit einem Anlagevolumen von 2,33 Milliarden Euro ist die spanische Großbank Santander am schwersten getroffen. Das Geld der Santander-Kunden sei über den Fonds Optimal Strategic, der zur Santander-Gruppe gehört, bei Madoff investiert worden. Bei der britischen HSBC befürchten Experten Einbußen von bis zu einer Milliarde Dollar durch Kredite an Firmen, die ihrerseits bei Madoff Geld angelegt hatten. Die Royal Bank of Scotland rechnet mit einem Schaden im Volumen von mehr als 440 Millionen Euro, die französische BNP Paribas geht von 350 Millionen Euro Verluste aus . Madoff selbst soll gesagt haben, von den 50 Milliarden Dollar seien lediglich noch 200 bis 300 Millionen übrig.    

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.01.2009, 21:06 UhrAnonymer Benutzer: johnny lee wombat

    Handelt es sich bei den so oft genannten 50 Milliarden eigentlich um die tatsächlichen Einlagen der Anleger oder nur um die Zahlen in den gekochten bilanzen Madoffs?

    Wenn dem so wäre, wäre es unverantwortlich, über kurz oder lang wieder die öffentliche Hand (Staat, Steuerzahler, Einlagensicherungsfonds) für diese Fantasiesummen haftbar zu machen.

  • 21.12.2008, 23:57 UhrAnonymer Benutzer: savana

    Mir völlig unverständlich.Offensichtlich besteht das ganze bankwesen aus lauter Amateuren.Das kann ja noch lustig werden. Das dicke Ende kommt noch.

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