Milliardenhilfe: Commerzbank rechnet noch auf Jahre mit dem Staat

Milliardenhilfe: Commerzbank rechnet noch auf Jahre mit dem Staat

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Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main.

Die Commerzbank plant für Jahre mit dem Bund als Großaktionär und hat den riskanten Kauf der Dresdner Bank trotz der Milliardenstütze verteidigt. Medienberichten zufolge könnte auch die Deutsche Bank um eine staatliche Milliardenhilfe bald nicht mehr herumkommen.

Commerzbank-Chef Martin Blessing sagte der "Welt am Sonntag", er rechne "sicherlich nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren" damit, dass die Regierung ihren 25-Prozent-Anteil an dem Kreditinstitut wieder verkaufen werde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Wir werden uns zurückziehen, sobald die akute Notlage überstanden ist." Die Kanzlerin stellte klar: "Im Übrigen werden wir nicht das Tagesgeschäft steuern."

Der staatliche Bankenfonds SoFFin gibt der Commerzbank insgesamt 18,2 Milliarden Euro, um den kurz vor dem Abschluss stehenden Kauf der Dresdner Bank und weitere Belastungen aus faulen Kreditpapieren abzusichern. Im Gegenzug wird der Bund größter Einzelaktionär der zweitgrößten deutschen Bank mit 25 Prozent plus einer Aktie.

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In mehreren Zeitungen verteidigte Blessing, der die zweitgrößte deutsche Bank erst seit Mai führt, den Kauf der angeschlagenen Konkurrentin Dresdner Bank: Der Milliardendeal sei gut für Deutschland, eine Absage der Übernahme wäre keine Alternative gewesen, erklärte Blessing. „Die Übernahme war richtig und ist richtig“, sagte er „Bild“-Zeitung. Der DAX-Konzern zahlt für die Tochter des Versicherers Allianz gut fünf Milliarden Euro.

„Es war unverantwortlich, die Dresdner Bank in dieser Krise zu übernehmen“, kritisierte Aktionärsschützer Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Blessing hat doch früher selbst dort gearbeitet. Er hätte die Leichen im Keller kennen müssen“, sagte Gries. Blessing leitete im Jahr 2000 die Online-Aktivitäten einer Dresdner-Tochter (Advance Bank). Im Zuge der Dresdner-Übernahme durch den Versicherer Allianz im Jahr 2001 wechselte Blessing zur Commerzbank.

Staatsgeld gegen mögliche weitere Turbulenzen

Blessing versicherte in der „WamS“, die neuen Löcher bei der Dresdner seien erst im Dezember offensichtlich geworden. In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ erklärte der Chef des DAX-Konzerns, die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September habe die Lage dramatisch verändert: „Deshalb waren wir genötigt, Staatshilfe zu beantragen.“

Blessing räumte in der „WamS“ ein: „Wenn Sie beide Hilfspakete herausrechnen, wäre unsere Kapitalausstattung in der Tat nicht besonders rosig.“ Allerdings sei es bei den in der vergangenen Woche vereinbarten zusätzlichen zehn Milliarden Euro an Staatsgeld nicht darum gegangen, „das Überleben der Bank zu sichern“: „Vielmehr wollten wir einen zusätzlichen Puffer, um das gemeinsame Institut gegen mögliche weitere Turbulenzen wetterfest zu machen“, sagte Blessing. „Wenn keine weiteren Großkatastrophen mehr eintreten, sollte unser Kapitalpuffer reichen.“

Am Zeitplan für die Übernahme und dem Umfang des geplanten Stellenabbaus ändere sich nichts, wie Commerzbank-Gesamtbetriebsratschef Uwe Tschäge „Euro am Sonntag“ sagte: „Wir haben nach wie vor vom Vorstand die verbindliche Zusage, dass es im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank zu keinen betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2011 kommt.“ Auch am Umfang des Stellenabbaus von 9.000 Stellen, davon 6.500 im Inland, werde sich nach derzeitigem Kenntnisstand nichts ändern. Nach dem Vollzug der Übernahme im Januar sollen die beiden Institute in diesem März endgültig miteinander verschmolzen werden.

Warten auf die Deutsche Bank

Der Rivale der Commerzbank und heimische Branchenprimus Deutsche Bank könnte nach einem Pressebericht ebenfalls bald nicht mehr um die Inanspruchnahme der angebotenen Staatshilfe herumkommen. „Wenn es so weitergeht, dass Konkurrenten Regierungshilfen beziehen und einseitige Verhältnisse herrschen, wird sich auch die Deutsche Bank an den Staat wenden“, zitiert die „Financial Times Deutschland“ aus Finanzkreisen. Noch aber sei es nicht so weit.

Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg hingegen meint, dass die Deutsche Bank die Hilfen vorerst nicht in Anspruch nehmen wird: „Ich glaube, die werden alles tun, um einen solchen Schritt zu vermeiden.“ Bereits vor Monaten hatte sich Vorstandschef Josef Ackermann gegen staatliche Hilfe für sein Institut ausgesprochen.

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