Milliardenverlust bei Siemens: Konzern-Chef Löscher verspricht "Robustheit in der Krise"

Milliardenverlust bei Siemens: Konzern-Chef Löscher verspricht "Robustheit in der Krise"

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Peter Loescher, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, spricht am Donnerstag, 3. Dezember 2009, waehrend der Jahresbilanz-Pressekonferenz des Unternehmens in Muenchen, Bayern.

von Michael Kroker

Bisher ist Siemens vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Unternehmenschef Peter Löscher scheut jedoch ein hartes Durchgreifen, um den Elektronik- und Engineering-Riesen fit für den erwarteten Abschwung im kommenden Geschäftsjahr zu machen. Die IT-Sparte soll – wie schon mal in der Vergangenheit – ausgegliedert werden; selbst ein Börsengang des schwächelnden Geschäfts ist nicht ausgeschlossen.

Vielleicht liegt es an der frühen Tageszeit – es ist 9 Uhr am Donnerstagmorgen, als Siemens-Chef Peter Löscher die alljährliche Bilanzpressekonferenz im Hotel Sofitel Bayerpost direkt um die Ecke des Münchner Hauptbahnhofs eröffnet.

„Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir das Vorkriegsniveau erreicht haben“, sagt Löscher zu Beginn seiner Rede –  er bemerkt seinen Fauxpas sofort: „ich meine natürlich das Vorkrisenniveau.“

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Der Versprecher beweist, wie tief die Krise auch in das Bewusstsein des größten deutschen Industriekonzerns eingedrungen ist. Das unterstreicht Löscher erneut, als er anmerkt: „Wir haben 2009 die schwerste Rezession der Weltwirtschaft seit 80 Jahren erlebt.“

Dabei hat der seit Mitte 2007 amtierende Siemens-Chef bisher wenig Grund zur Klage: Im Ende Oktober abgelaufenen Geschäftsjahr bliebt der Umsatz mit rund 76,6 Milliarden Euro weitgehend konstant, das Ergebnis der drei Hauptgeschäftsfelder Industrie, Energie und Gesundheit lag mit 7,5 Milliarden Euro sogar über dem Vorjahreswert – und der Erwartung der Finanzmärkte.

„Aber auch bei uns gibt es nicht nur Licht, sondern Schatten“, fügt Löscher umgehend an, um die Erwartungen fürs kommende Geschäftsjahr zu dämpfen.

Denn die eigentlich Bewährungsprobe muss Siemens, der als so genannter Spätzykler der Gesamtkonjunktur hinterher läuft, erst 2010 durchstehen: So kämpft der Konzern mittlerweile mit deutlich rückläufigen Aufträgen; um 14 Prozent sackte der Auftragseingang in den vergangenen zwölf Monaten unter den Rekordwert von 2008. „Das Verhältnis von Auftragseingang und Umsatz war im abgelaufenen Geschäftsjahr aber immer noch größer eins und damit positiv, das ist ein Beleg für unsere Robustheit in der Krise“, so Löscher.

Die ganze Wahrheit ist das freilich nicht, denn die Tendenz bei Siemens zeigt nach unten

So lag ebenjenes Verhältnis zwischen Aufträgen und Umsatz als wichtiger Indikator für das künftige Geschäft im jüngsten vierten Quartal des Geschäftsjahres unterhalb der magischen Schwelle von eins: Mit 18,7 Milliarden Euro war der Auftragseingang immerhin rund fünf Prozent unterhalb des Umsatzes in Höhe von 19,7 Milliarden Euro.

Wirklich negative Stimmung wollte Löscher in geradezu Siemens-typischer Zurückhaltung dann auch nicht aufkommen lassen und beschwichtigte beim Ausblick auf 2010 auch gleich wieder die Skeptiker: „Der hohe Auftragsbestand wirkt weiterhin als Puffer“, sagt Löscher.

Aufgrund dieses vorsichtigen Optimismus verwehrt sich Löscher auch vehement gegen Gerüchte, er werde den Konzern im kommenden Jahr erneut einer Rosskur unterziehen, um die Kosten den rückläufigen Aufträgen anzupassen.

Und er verbindet dies auch – dieses Mal eher Löscher-untypisch – mit einer leichten Kritik an der schreibenden Zunft: „Viele von Ihnen schreiben ja anderes, obwohl ich immer wieder betone: Bei Siemens gibt es kein konzernweites Umbauprogramm 2010, und das brauchen wir auch nicht. Es existiert kein Programm, wonach wir insgesamt 10.000 Arbeitsplätze im Unternehmen abbauen wollen.“

Der Siemens-Gesamtbetriebsrat hatte jene Abbauzahlen kürzlich als drohendes Szenario in den kommenden Monaten geäußert.

Bringt Löscher die schwächelnde IT-Sparte an die Börse?

Die wichtigste Botschaft neben der Verkündung der Jahreszahlen: Trotz aller Aufräumarbeiten, trotz des seit rund anderthalb Jahren laufenden Konzernumbaus mit Anteilsverkäufen und Spartenzusammenlegungen weiß Löscher immer noch nicht so recht, was er mit der IT-Sparte Siemens IT-Solutions and Services (SIS) anfangen soll.

Nachdem Löscher-Vorgänger Klaus Kleinfeld den jahrelang schwächelnden SIS-Vorläufer Siemens Business Services (SBS) Anfang 2007 wieder in den Konzern reintegriert hatte, macht der Nachfolger nun wieder die Rolle rückwärts: „Wir bereiten die rechtliche Verselbständigung der Geschäfts zum 1. Juli 2010 vor“, so Löscher.

„Denn der Preis- und Wettbewerbsdruck in den IT-Märkten ist weiterhin sehr hoch.“

Was genau der Konzern mit der neuerlichen Abspaltung bezweckt, erläutert auf Nachfrage Siemens-Finanzchef Joe Kaser: „Wir wollen das Geschäft durch diesen Schritt stärken – das kann alles heißen, bis hin zum Börsengang.“

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