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Mindestlohn-Entscheidung: Für Post-Konkurrenten zählt Jammern jetzt nicht mehr

von Christian Schlesiger

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes, den Post-Mindestlohn zu kippen, fördert den Wettbewerb im Briefmarkt. Dadurch entstehen Jobs und neue Angebote für die Kunden. Post-Konkurrenten können sich aber nicht mehr hinter alten Argumenten verstecken.

Ein Post-Kunde wirft Briefe in Quelle: AP
Ein Post-Kunde wirft Briefe in einen Postkasten Quelle: AP

Auf diese Entscheidung hat die Branche seit zwei Jahren gewartet. Nun ist es amtlich: Der Mindestlohn für Zusteller in Höhe von 9,80 Euro ist nicht gerechtfertigt. Dem Wettbewerb in der Branche der Briefzusteller steht damit nichts mehr im Wege. Sollte im Juli auch das Mehrwertsteuerprivileg der Post für Geschäftsbriefe fallen, und davon ist auszugehen, dürfte der Marktanteil der Deutschen Post in Höhe von 90 Prozent selbst kurzfristig nicht mehr zu halten sein. Langfristig erwarten Experten 70 Prozent.

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Das ist ein großer Sieg für alternative Briefunternehmen wie TNT, Pin Mail, Citipost und Zustellfirmen der HoltzbrinckGruppe, zu der bis Mitte vergangenen Jahres auch die WirtschaftsWoche gehörte. Sie leiden seit Jahren unter den schweren Bedingungen in der Zustellerbranche. Vor allem die hohen Löhne haben den Wettbewerb oft im Keim erstickt. Ernsthafte Konkurrenz zum Qualitätsanbieter Deutsche Post, der mehr als 90 Prozent der Briefe am nächsten Tag zustellt, konnte sich bislang nicht entwickeln.

Urteil bringt Briefzustellern neuen Wettbewerbs-Schwung

Die Logik dahinter: Während die Briefträger der Deutschen Post und der Konkurrenz bei ihren Zustelltouren nahezu denselben Weg zurücklegen, kann der Briefträger der Deutschen Post in jeden Briefkasten eines Hochhauses weitaus mehr Briefe einwerfen als ein TNT-, Citipost- oder Pin-Mitarbeiter.

Der Mindestlohn führte lange Zeit dazu, dass der Lohnkostenanteil pro Brief bei der Konkurrenz trotz der höheren Löhne der Deutschen Post wesentlich höher ist. Konkurrenzfähig blieben die Unternehmen nur unter schweren Anstrengungen. Pin Mail in Berlin etwa kürzte Leistungen wie das kostenlose Abholen von Briefen direkt beim Kunden, wenn dieser pro Tag nur eine geringe Sendungsmenge aufgab. Die Gerichtsentscheidung bringt daher den Wettbewerb in Schwung. Die Unternehmen können künftig verstärkt investieren, weil sie hohe Personalkosten einsparen können. Gleichzeitig erreichen sie durch Anreizsysteme in der Vergütung höhere Qualität. Wie das funktionieren könnte, zeigt das Beispiel Pin Mail in Berlin: Das Unternehmen will die Löhne auf 8,50 Euro pro Stunde kürzen. Gleichzeitig plant Firmen-Chef Axel Stirl eine Leistungszulage. Zusteller, die gute Qualität bieten, können so wieder auf die heute schon üblichen 9,80 Euro pro Stunde kommen. Pin Mail erhöht damit die Zustellqualität und wird flexibler.

15 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.01.2010, 10:58 UhrAnonymer Benutzer: Kurzarbeiter

    Sozial ist was Arbeitsplätze schafft, auch wenn man nicht davon leben kann. Das ist die Logik der neoliberalen Clique. Es wird endlich Zeit, daß die Löhne noch weiter sinken. irgendwann können wir dann mit China noch besser konkirrieren.
    Selstamerweise sind nur in D die Rahmenbedingungen für Leiharbeiter so miserabel. in Austria, Frankreich, Schweden etc. NiCHT. Das sollte zu ddenken geben. Lohndumping ist politisch gewollt.

  • 29.01.2010, 23:49 UhrAnonymer Benutzer: fiddel

    Von wegen 8,50 Eur/h plus Leistungsprämie, so das ein Zusteller weiterhin auf 9,80 Eur/h kommen kann! Der ach so tolle Dr. Stirl hat doch schon seit Monaten das neue Lohnmodell in der Schublade liegen. 7,60 Eur/h plus 150 Eur Anwesenheitsprämie pro Monat, von der für jeden Tag an dem ein Zusteller krank geschrieben ist 10,00 Eur abgezogen werden. Demnach wären es höchstens 8,50 Eur/h. Aber auch nur wenn man gesund bleibt, und das bei einer Tätigkeit, die bei Wind und Wetter ausgeführt wird.

  • 29.01.2010, 22:59 UhrAnonymer Benutzer: WiWo

    Die WirtschaftsWoche gibt es jetzt übrigens auch bei Facebook:
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