Mindestlohn: Putzkolonnen auf Automessen: Lohndumping durch Autohersteller

Mindestlohn: Putzkolonnen auf Automessen: Lohndumping durch Autohersteller

Volkswagen und andere große Autobauer setzen Putzkolonnen auf Messen und anderen Veranstaltungen ein, die unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns (8,15 Euro in den alten Bundesländern) bezahlt werden.

Das haben Recherchen der WirtschaftsWoche ergeben. Im Fokus steht die hessische Olymp car-detailing GmbH, mit der VW noch im Mai einen weltweiten Rahmenvertrag abgeschlossen hat. Sie suchte für die zehn Renn-Wochenenden der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft bei der VW-Tochter Audi Putzhilfen für 6,80 Euro pro Stunde, wie eine Stellenanzeige zeigt. Für die Zwölf-Stunden-Nachteinsätze beim Polo-Kongress im Juni in Wolfsburg – der Präsentation des neuen Polo für 11.000 VW-Händler aus aller Welt – zahlte das Unternehmen lediglich eine Tagespauschale von 87 Euro, was im Extremfall den Stundenlohn auf 7,25 Euro absenkt. Konfrontiert mit den Vorwürfen erklärte Volkswagen gegenüber der Wirtschaftswoche: In den Verträgen mit Olymp sei festgelegt, dass es ausschließlich „Personal beschäftigt, welches mindestens nach den tariflichen Bestimmungen entlohnt wird“. Ein VW-Sprecher kündigte „Konsequenzen an, sollte es Vertragsverletzungen gegeben haben“.

Auch das in der Schweiz zuständige Amt für die Kontrolle von Arbeitsbeziehungen hat Ermittlungen aufgenommen, nachdem die Wirtschaftswoche Stellenanzeigen von Olymp vorlegte, aus denen hervorgeht, dass auf dem Genfer Autosalon 80 Studenten eine Woche lang für 6,50 Euro pro Stunde putzten. Der Kanton Genf schreibt für das Reinigungsgewerbe einen Mindestlohn von 20,90 Franken (umgerechnet 13,80 Euro) vor. Daran müssen sich auch deutsche Unternehmen halten, die Mitarbeiter in die Schweiz entsenden. „Wir haben eine Untersuchung eingeleitet“, sagt Generaldirektor Bruno Giovanola.

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Olymp selbst weist die Vorwürfe zurück. Der Tarifvertrag gelte nicht „für einen Betrieb, der sich nach seinem Geschäftszweck ausschließlich mit der Innen- und Außenreinigung von Kraftfahrzeugen jeder Art auf Messen und allen damit zusammenhängenden Arbeiten befasst“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Dem widerspricht die IG Bau: Reinigungsarbeiten auf Messen fallen auf jeden Fall unter den Mindestlohn, sobald eine Firma nicht nur Autos, sondern den gesamten Messestand säubert.

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