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Miniaktienrally: Börse: Blue Chips mit Nachholbedarf

von STEFAN HAJEK

Verkehrte Börsenwelt: Die großen Werte aus Dax und EuroStoxx sind derzeit so günstig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Viele der zuletzt stark gefragten Nebenwerte sind dagegen gefährlich teuer.

Deutsche Börse in Frankfurt
Deutsche Börse in Frankfurt

Horst Hollstein ist ein Manager alter Schule. Für Analystenkonferenzen und marktschreierische Ad-hoc-Meldungen kann sich der Chef des Emsländer Traditionsunternehmens H&R Wasag nur schwer begeistern. Lieber doziert er über Marktchancen von Spezialparaffinen oder die Vorzüge der neuen Müllverbrennungsanlage für die Energiebilanz seines Unternehmens. So viel Solidität kommt an, gerade in unsicheren Börsenzeiten. Binnen weniger Monate mutierte die Aktie des kleinen Petrochemie- und Sprengstoffherstellers vom verstaubten Ladenhüter an der Börse zum Anlegerliebling. Das Papier hat sich seit Ende 2003 mehr als verdoppelt. Dabei hat nicht nur die gute Umsatz- und Gewinnentwicklung geholfen. H&R Wasag profitierte wie viele andere Mauerblümchen der Börse von der Wiederentdeckung der so genannten Nebenwerte. Aktien wie Puma, Fielmann, Salzgitter, Fuchs Petrolub, GfK, ElringKlinger oder Boewe Systec, von denen auch zwei Jahre nach dem Ende der Hausse noch niemand etwas wissen wollte, haben ihre Kurse in kurzer Zeit vervielfacht. Der Nebenwerteindex SDax legte seit seinem Tief bei 1608 Punkten am 17. März 2003 zwischenzeitlich um 80 Prozent zu; der Midcap-Index MDax hat sich in der gleichen Zeit sogar verdoppelt und notiert nahe seines Allzeithochs bei 5135 Punkten. Krasse Kursschwankungen Da konnten die Blue Chips, die hoch kapitalisierten Aktien in Dax und EuroStoxx, nicht mithalten. Trotz seiner Aufholjagd 2003 hinkt der Dax dem MDax mit Sicht auf vier oder fünf Jahre noch weit hinterher. Noch kläglicher entwickelte sich zuletzt der europäische Großaktienindex EuroStoxx. Die Folge: Die meisten Nebenwerte – von Analysten und Presse gern als „unentdeckte Perlen aus der zweiten Reihe“ gefeiert – sind teurer als die klassischen Blue Chips Siemens, Daimler, Bayer & Co. Ist so viel Anlegervertrauen in die Kleinen noch zu rechtfertigen? Die Zweifel an der Miniaktienrally wachsen. „Wer die Verdreifacher aus dem SDax und MDax jetzt noch kauft“, argwöhnt der Vermögensverwalter Oliver Meus, „der muss ganz schön mutig sein.“ Die „gängigen Argumente pro Nebenwerte“ seien „allmählich aufgebraucht“, meint auch Andrew Lockhart, Aktienstratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Aktien aus dem Dax und dem EuroStoxx sollten eigentlich höher bewertet sein als die Nebenwerte der jeweils gleichen Branche. Denn die kleinen Aktien sind marktenger, sie werden also weniger gehandelt. Sie sind daher anfälliger für krasse Kursschwankungen. Große Investmentfonds dürfen sie deshalb überhaupt nicht kaufen. Gerade in Haussephasen wie vor 2001 bleiben die Kurse eher zurück.

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