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Ministerpräsident Christian Wulff: "Auf der Pirsch"

von Henning Krumrey (Berlin) und Martin Seiwert

Das Tauziehen zwischen Volkswagen und Porsche geht zu Ende. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff über die Gewinner und Verlierer der Übernahmeschlacht, die Zukunft des gemeinsamen VW-Porsche-Konzerns und seine knallharte Industriepolitik.

Niedersachsens Quelle: dpa
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Wulff, Sie wurden jüngst vom Winnetou-Darsteller der Karl-May-Festspiele zum Ehrenhäuptling „Offenes Wort“ ernannt. Erfährt die Öffentlichkeit von Ihnen jetzt endlich, was bei Porsche Sache ist?

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Wulff: Erst am Donnerstag. Ich kann nur etwas zu meiner Position sagen, die ich seit Monaten offen vertrete: In den Aufsichtsratssitzungen der Porsche SE – also der Holding – und der Volkswagen AG sollte am Donnerstag eine Grundsatzvereinbarung für einen integrierten Automobilkonzern eine breite Mehrheit bekommen. Die Familien Porsche und Piëch wären in diesem neuen Konzern die wesentlichen Aktionäre, das Land Niedersachsen hält 20 Prozent, und Katar wird durch Übernahme von Optionen auf VW-Aktien 15- bis 20-prozentiger Aktionär der Volkswagen AG. Dieser dann entstehende Konzern hat mit seiner Mehr-Marken-Strategie unter Einschluss von Porsche, gemeinsamer Forschung und Entwicklung große Chancen, der größte Autokonzern der Welt zu werden. Das dient allen im Konzern, insbesondere auch Porsche.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass Porsche nun doch nicht VW übernimmt?

Die Voraussetzung für viele Porsche-Kredite der Banken war, dass es zu einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag bei VW kommt. Als der Europäische Gerichtshof und das Landgericht Hannover entschieden haben, dass das VW-Gesetz und die VW-Satzung in Ordnung sind, nach dem jeder VW-Aktionär mit 20 Prozent statt wie eher üblich mit 25 Prozent eine Sperrminorität hat, war klar, dass dieser Abführungsvertrag nur in Kooperation mit Niedersachsen ginge, Niedersachsen dazu aber nicht bereit ist.

Waren die Meldungen, dass Katar bei Porsche einsteigt, um Wiedeking zu retten, nur potemkinsche Karossen?

An den vergangenen Wochenenden ist von Einzelnen, die an einem guten Gesamtergebnis nicht interessiert waren, viel Unsinn verbreitet worden über parat stehende Hedgefonds, Investoren aus China und Russland, über Milliarden-Steuergeschenke und den Einstieg von Katar in der Porsche SE. Das hatte meistens keinen realen Hintergrund, sondern es waren Querschläge, um die Neuordnung zu behindern. Katar ist extrem gut informiert, klar und berechenbar aufgetreten mit dem Wunsch, sich an einem Konzern Volkswagen/Porsche zu beteiligen. Nicht auf einer Seite, sondern freundlich, fasziniert von der Idee eines partnerschaftlichen Miteinanders bei Volkswagen/Porsche.

Es gab also kein Angebot von Katar, bei der Porsche SE einzusteigen?

Ich war an den Verhandlungen zwischen Katar und Porsche SE nicht beteiligt. Aber das Land Niedersachsen hat politische Gespräche mit Katar geführt. Katar ist gewillt, in den integrierten Konzern einzusteigen. In diesen Zeiten kommt es darauf an, dass man Liquidität hat – wie VW. Ein zusätzlicher Aktionär ist gut. Wir werben seit Jahren um die arabischen Länder und haben mit Investoren vom Golf gute Erfahrungen.

Katar soll am Schluss weitere Verhandlungen mit Wiedeking abgelehnt haben.

Da müssen Sie Katar fragen. Katar ist nicht an Publizität oder Streit interessiert, sondern hat immer mit offenen Karten gespielt, auf ihr Wort konnte man sich verlassen. Es ist schade, dass sie so viel über sich lesen mussten.

Ihnen kann aber nicht daran gelegen sein, dass Katar 20 Prozent hält und damit, wie Sie, eine Sperrminorität?

Das VW-Gesetz ist keines ausschließlich für Niedersachsen. Wer 20 Prozent hat, hat eine Sperrminorität. Die dadurch zu schützenden Interessen wie der Unternehmenssitz betreffen vor allem Niedersachsen.

Zu diesem Artikel
61 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.07.2009, 16:06 UhrAnonymer Benutzer: Esther

    Auch hier in diesem Falle VW - Korruption und Machtausübung.
    Sehr übel , was sich Herr Wulff , seine Partei CDU - hier so leistet.
    Keine beratung mit der Kanzlerin ??
    ich denke , diese Geschichte ist noch nicht zu Ende, Herr Wulff wird noch Einiges erklären müssen.

  • 24.07.2009, 14:40 UhrAnonymer Benutzer: Freddie

    Die einzige Person, die Porsche an den Rand der insolvenz getrieben hat, ist Christian Wulff. Durch die Wiedereinführung der 20% Sperrminorität, die gegen das Urteil des EuGH verstößt, hat sich Wulff die Möglichkeit verschafft, alle wichtigen Entscheidungen bei VW zu blockieren und dies auch getan. Keinen Zugriff auf die Reserven von VW und keinen Gewinnabführungsvertrag, der bei der Übernehme eines Konzerns eigentlich obligatorisch ist. Nur einmal zum Vergleich: Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Mehrfamilienhaus und die Landesregierung erlässt ein Gesetz, dass Sie weder den Garten des Hauses verkaufen dürfen, noch Miete von den Mietern verlangen dürfen. Würde ihnen in dieser Situation eine bank einen Kredit geben?

    Noch einmal herzlichen Glückwunsch an Herrn Wulff. Sie haben den profitabelsten Mittelständler und gleichzeitig beliebtesten Arbeitgeber (ja, es scheint sich doch nicht gegenseitig auszuschließen) an den Rand einer insolvenz getrieben, nur um die absolute Kontrolle des Staates auf ein Privatunternehmen zu erhalten. Dafür sind Sie sich auch nicht zu schade, gegen europäisches Recht zu verstoßen. Aber warum? Wiedeking hätte VW zu einer echten Weltmacht führen können. Konsenskultur abschaffen (die notwendige Entscheidungen blockiert und den Status Quo bewahrt), überflüssige Modelle streichen, Management verschlanken, bessere Produktionsprozesse ... das alles führt zu einem stärkeren, schlagkräftigerem Unternehmen (das belegt die Entwicklung von Porsche). Einziges Problem, das es auch für kräftige Unruhen direkt vor der bundestagswahl sorgt. Schade für VW, damit wurde einem traditionsreichen Großkonzern eine echte Chance genommen. Und in ein paar Jahren, wenn das nächste Urteil des EuGH zum vorliegt, wird das VW Gesetz endgültig abgeschafft. Aber die Übernahme durch Porsche und Wiedeking ist erst einmal verhindert worden. Gratulation!

  • 24.07.2009, 14:39 UhrAnonymer Benutzer: Freddie

    Noch einmal zu der Demontage von Wiedeking in der Presse. Als jeder dachte, Porsche sei nicht mehr zu retten, hat er mit seinem Privatvermögen für Firmenkredite gebürgt. Er hat den Wert des Unternehmens Porsche auf das 46 fache vergrößert, das image des Herstellers von Zuhälterschüsseln zu der Sportmarke schlechthin gewandelt und 11.000 Arbeitnehmern einen guten Arbeitsplatz geboten. Klingt nicht nach dem rücksichtslosen Egoisten, den Sie in ihrem Artikel beschreiben, oder? Die Übernahme von VW wurde wie in meinem anderen Kommentar durch Wulff verhindert (übrigens mit der Unterstützung des gesamten bundestages und des bundesrats). Das kann man ihm nicht vorwerfen. ich bin jedenfalls gespannt, was Wiedeking als nächstes macht.

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