
WirtschaftsWoche: Herr Wulff, Sie wurden jüngst vom Winnetou-Darsteller der Karl-May-Festspiele zum Ehrenhäuptling „Offenes Wort“ ernannt. Erfährt die Öffentlichkeit von Ihnen jetzt endlich, was bei Porsche Sache ist?
Wulff: Erst am Donnerstag. Ich kann nur etwas zu meiner Position sagen, die ich seit Monaten offen vertrete: In den Aufsichtsratssitzungen der Porsche SE – also der Holding – und der Volkswagen AG sollte am Donnerstag eine Grundsatzvereinbarung für einen integrierten Automobilkonzern eine breite Mehrheit bekommen. Die Familien Porsche und Piëch wären in diesem neuen Konzern die wesentlichen Aktionäre, das Land Niedersachsen hält 20 Prozent, und Katar wird durch Übernahme von Optionen auf VW-Aktien 15- bis 20-prozentiger Aktionär der Volkswagen AG. Dieser dann entstehende Konzern hat mit seiner Mehr-Marken-Strategie unter Einschluss von Porsche, gemeinsamer Forschung und Entwicklung große Chancen, der größte Autokonzern der Welt zu werden. Das dient allen im Konzern, insbesondere auch Porsche.
Was hat den Ausschlag gegeben, dass Porsche nun doch nicht VW übernimmt?
Die Voraussetzung für viele Porsche-Kredite der Banken war, dass es zu einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag bei VW kommt. Als der Europäische Gerichtshof und das Landgericht Hannover entschieden haben, dass das VW-Gesetz und die VW-Satzung in Ordnung sind, nach dem jeder VW-Aktionär mit 20 Prozent statt wie eher üblich mit 25 Prozent eine Sperrminorität hat, war klar, dass dieser Abführungsvertrag nur in Kooperation mit Niedersachsen ginge, Niedersachsen dazu aber nicht bereit ist.
Waren die Meldungen, dass Katar bei Porsche einsteigt, um Wiedeking zu retten, nur potemkinsche Karossen?
An den vergangenen Wochenenden ist von Einzelnen, die an einem guten Gesamtergebnis nicht interessiert waren, viel Unsinn verbreitet worden über parat stehende Hedgefonds, Investoren aus China und Russland, über Milliarden-Steuergeschenke und den Einstieg von Katar in der Porsche SE. Das hatte meistens keinen realen Hintergrund, sondern es waren Querschläge, um die Neuordnung zu behindern. Katar ist extrem gut informiert, klar und berechenbar aufgetreten mit dem Wunsch, sich an einem Konzern Volkswagen/Porsche zu beteiligen. Nicht auf einer Seite, sondern freundlich, fasziniert von der Idee eines partnerschaftlichen Miteinanders bei Volkswagen/Porsche.
Es gab also kein Angebot von Katar, bei der Porsche SE einzusteigen?
Ich war an den Verhandlungen zwischen Katar und Porsche SE nicht beteiligt. Aber das Land Niedersachsen hat politische Gespräche mit Katar geführt. Katar ist gewillt, in den integrierten Konzern einzusteigen. In diesen Zeiten kommt es darauf an, dass man Liquidität hat – wie VW. Ein zusätzlicher Aktionär ist gut. Wir werben seit Jahren um die arabischen Länder und haben mit Investoren vom Golf gute Erfahrungen.
Katar soll am Schluss weitere Verhandlungen mit Wiedeking abgelehnt haben.
Da müssen Sie Katar fragen. Katar ist nicht an Publizität oder Streit interessiert, sondern hat immer mit offenen Karten gespielt, auf ihr Wort konnte man sich verlassen. Es ist schade, dass sie so viel über sich lesen mussten.
Ihnen kann aber nicht daran gelegen sein, dass Katar 20 Prozent hält und damit, wie Sie, eine Sperrminorität?
Das VW-Gesetz ist keines ausschließlich für Niedersachsen. Wer 20 Prozent hat, hat eine Sperrminorität. Die dadurch zu schützenden Interessen wie der Unternehmenssitz betreffen vor allem Niedersachsen.













