Mittelstand: Es brummt im Maschinenbau - noch

Mittelstand: Es brummt im Maschinenbau - noch

von Lothar Schnitzler

So positiv sehen derzeit wenige Wirtschaftszweige in die Zukunft. Die deutschen Maschinenbauer freuen sich über gute Geschäfte, der Rückgang der Nachfrage hält sich in Grenzen. Eine Branche im Lot? Nur fast.

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Beim Ventilatorenbauer EBM-Papst brummt das Geschäft, Foto: Harry Melchert/dpa

Entspannte Stimmung auf dem Maschinenbau-Gipfel in Berlin. Rund 400 Maschinenbauer, dazu noch über hundert Journalisten, Politiker und Verbandsleute treffen sich zum fünften Gipfeltreffen, um über Maschinen, Wirtschaft und Politik zu reden. Krise? Welche Krise? In diesem Jahr legen die Maschinebauer 14 Prozent zu. Im kommenden Jahr sollen es weiterhin vier Prozent sein. Die erwartete Abkühlung der Konjunktur kann Deutschlands Paradebranche kaum schrecken. „Ich bin sehr gelassen“, sagt Hans-Jochen Beilke, Chef von EBM-Papst. Für den Ventilatorenbauer aus dem württembergischen Künzelsau ist die Beruhigung der Auftragseingänge fast ein Segen. Im vergangenen Jahr stöhnten die Kunden wegen der langen Lieferzeiten von bis zu 40 Wochen. Jetzt müssen sie je nach Produkt nur sechs bis zwölf Wochen warten. Als normal gelten rund fünf Wochen.

Selbst eine echte Krise wie vor zwei Jahren fürchten die Maschinenbauer nur noch eingeschränkt. „Wir wissen ja jetzt, wie man damit umgeht“, sagt Beilke. Die Chinesen sind Schuld an der Zuversicht der Maschinenbauer.  Der Aufbau des Riesenreiches ist für die Maschinenbauer ein Glückfall. „Ein Sonderprogramm für den deutschen Maschinenbau“, nennt der Präsident des Maschinenbau-Verbandes VDMA, Thomas Lindner, die Nachfrage aus dem Ostasien.

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Seltene Erden sind kein Problem für Maschinenbauer

Kurse im Überblick

Kurse im Überblick. Die Rohstoffpreise im Vergleich

Schön für die Maschinenbauer: Anders als die Elektronindustrie müssen sie sich nicht um Rohstoffpreise sorgen. Die sogenannten seltenen Erden, wichtiges Element beim Bau von Mobilfunkgeräten, sind für die meisten Maschinenbauer kein Sorgenthema. „Der Markt für unsere Vorprodukte entspannt sich“, freut sich Eberhard Gruber, Mitglied der Geschäftsleitung von IFM Electronic, einem Hersteller von Sensor- und Regeltechnik. Die Essener kaufen vor allem elektronische Bauteile ein.

Auch bei EBM-Papst sorgt man sich nicht wirklich um die Rohstoffpreise. Kupfer, Stahlblech und Aluminium sinken. Und um sich gegen die Preissteigerungen beim Kunststoff, die langfristig sicher sind, zu wappnen, experimentieren die Ventilatorenbauer mit Biowerkstoffen, Gemischen aus Sägespänen und Kunststoff. Bei einer 50:50-Mischung ist der neue Werkstoff inzwischen so beständig, dass EBM-Papst die Gehäuse und Halterungen von Kühllüftern schon mit dem Biowerkstoff herstellt. In vier Jahren soll der Anteil von Biowerkstoffen 15 Prozent betragen.

Wolframverarbeiter geraten unter Druck

Eines der wenigen Segmente, das wegen der steigenden Preise und Verknappungen unter Druck gerät, sind die Hersteller von Präzisionswerkzeugen wie Bohrer, Dreh- oder Fräsmeißel. In diesen Werkzeugen ist in der Regel Wolfram enthalten. In diesem Jahr allein hat sich der Preis für die Wolfram-Stahl-Rohlinge, die die Werkzeugbauer beziehen, um 50 Prozent erhöht. „Und wir hatten in den vergangenen Jahren immer wieder saftige Preissteigerungen“, sagt Dietmar Bolkart, Vorstandssprecher der Leuco-AG, einem Werkzeughersteller aus Horb am Neckar mit 1000 Mitarbeitern.

Industriediamanten zunehmend interessant

Linderung seitens des Angebots sieht Bolkart kaum. Die meisten Wolframlager liegen in China und die Chinesen spielen ihre Marktmacht aus. Einzige Hoffnung der kleinen Präzisionswerkzeugbranche, die in Deutschland rund sechs Milliarden Euro umsetzt, sind neue Techniken. Die Entwickler arbeiten daran, bei Bohrern beispielsweise nur die Spitze mit dem teuren Material zu bestücken. Auch bei der Wiederverwendung komme man weiter, sagt Bolkart. Und angesichts der Verteuerung der Materialpreise lohne sich der Einsatz von Industriediamanten zunehmend. Und die Einrichtung neuer Bergwerke werde überlegt.

Doch bis sich die neuen Techniken oder das Auftreten neuer Lieferanten nachfrage- und preisdämpfend auswirken, werden Jahre verstreichen. Einziger Trost für die Hersteller von Präzisionswerkzeugen: Die solide Lage des Maschinenbaus kommt auch ihnen zugute.

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