Mittelstand: Mezzanine werden zur Unternehmer-Falle

Mittelstand: Mezzanine werden zur Unternehmer-Falle

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Blick auf Euro-Geldscheine

von Lothar Schnitzler

Das war neu: sogenanntes Mezzanine-Kapital von der Stange. Doch nun droht vielen Unternehmen, die sich vor Jahren auf diese Weise billig Geld besorgten, das dicke Ende.

Die Lindenmaier AG war am Ende. Die Fabrikhallen des Autozulieferers im schwäbischen Laupheim gehörten längst amerikanischen Investoren. Lieferanten warteten auf fünf Millionen Euro, selbst Patente und Konstruktionspläne waren verpfändet. Neben klassischen Bankschulden standen noch Verbindlichkeiten von rund fünf Millionen Euro in Form einer Mezzanine-Finanzierung in den Büchern.

Mezzanine (sprich: Mezanin) steht für Kapital, das Unternehmen aufnehmen, ohne dem Geldgeber dafür ein Mitspracherecht einräumen zu müssen. Typisch für diese Mischform aus Fremd- und Eigenkapital sind Genussrechte oder Nachrangdarlehen, für die der Geldgeber Zinsen und das Unternehmen Mittel erhält. In den Boomjahren zwischen 2004 und 2007 war diese Finanzierung weitverbreitet.

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So war es auch bei Lindenmaier in Laupheim. Dort zögerte eine Mezzanine-Finanzierung letztlich die überfällige Sanierung hinaus. „Für eine Umstrukturierung ohne Insolvenz war es zu spät“, erinnert sich Peter Rieser, der kurz vor der Zahlungsunfähigkeit im Frühjahr 2009 als Finanzchef angeheuert hatte. Die Insolvenz ist inzwischen Geschichte. Heute heißt Lindenmaier MSR Technologies und gehört dem Thüringer Investor Michael Militzer. Die Geschäfte laufen – wie bei vielen Zulieferern zurzeit – hervorragend.

Jedes zehnte Unternehmen bankrott

Wie Lindenmaier ging es vielen Unternehmen in der zurückliegenden Wirtschaftskrise. Wo Mezzanine in der Bilanz stand, steckte nicht selten die Pleite mit drin. Der Modekonzern Hucke, der Schuhhersteller Rhode, der Plüschtiermacher Nici, der Elektronikproduzent Kemmer – die Liste von Firmen, die mit Mezzanine-Finanzierungen in die Insolvenz oder Fast-Pleite gingen, ist lang. Etwa jedes zehnte Unternehmen, das zwischen 2004 und 2007 Mezzanine-Kapital aufnahm, ging bankrott – mehr als doppelt so häufig wie in der Gesamtwirtschaft.

Bestätigen sich Vorhersagen des internationalen Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers (PwC), steht das dicke Ende des Mezzanine-Booms erst noch bevor. Denn zwischen 2011 und 2014 laufen Mezzanine-Finanzierungen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro aus, sagt eine Studie von PwC im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums, die in dieser Woche erscheint. Ihr zufolge dürfte jedes zweite Unternehmen, das Mezzanine-Kapital in standardisierter Form aufgenommen hat, bei der Anschlussfinanzierung auf Probleme stoßen.

Was dies konkret bedeutet, beziffert die Studie: Bis zu 15 Prozent der Unternehmen, die an Mezzanine-Programmen teilnahmen, können wegen schlechter Bonität kaum mit Krediten rechnen, um das Geld zurückzubezahlen. „Für diese Unternehmen besteht akute Insolvenzgefahr“, sagt Bernd Papenstein, PwC-Partner und Experte für Unternehmensfinanzierung.

Schuld an den 50 bisher bekannten Schieflagen und den nun mindestens so vielen drohenden Insolvenzen im Anschluss an Mezzanine-Finanzierungen waren beide Parteien: schmalbrüstige Unternehmer und ebenso gierige wie leichtsinnige Banker. „Da sind oft Millionenbeträge nach oberflächlichen Schnellprüfungen der Bilanz vergeben worden“, sagt PwC-Partner Papenstein. Allein bis Oktober des vergangenen Jahres fielen schon zwölf Prozent solcher Forderungen aus.

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