Mittelstand und Kreditklemme: "Die Politik hat dem Mittelstand geholfen"

Mittelstand und Kreditklemme: "Die Politik hat dem Mittelstand geholfen"

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Martin Fischedick, Bereichsvorstand Corporate Banking bei der Commerzbank

von Lothar Schnitzler

Martin Fischedick, Bereichsvorstand Corporate Banking bei der Commerzbank, über die Krisenresistenz des deutschen Mittelstandes, die Kreditklemme und warum Deutschlands Mittelständler jetzt vielfach besser aufgestellt sind als vor der Krise.

Herr Fischedick, der deutsche Mittelstand hat die Krise erstaunlich gut überstanden. Warum eigentlich?

Der Mittelstand hat sich in den guten Jahren vor der Krise ausgesprochen vorsichtig verhalten. Die Unternehmen haben zwar die Wachstumschancen genutzt und ihre Marktposition verbessert, aber die Übertreibungen, die wir in Boomzeiten früher gesehen haben, vermieden. Sie sind konservativ gewachsen und deshalb schlank und gut aufgestellt in die Krise gegangen.

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An welche Übertreibungen früherer Boomzeiten denken Sie dabei?

Zum Beispiel während des Internethypes um die Jahrtausendwende. Damals haben viele Unternehmen expansiv auf Wachstum gesetzt. Und sie hatten in der Hoffnung auf weiteres Wachstum stark investiert. Eine Folge davon war der Zusammenbruch des Neuen Marktes. Das ist beim vergangenen Aufschwung anders gewesen. Damals, in den Jahren zwischen 2004 und 2008, sind Umsätze und Kapazitäten – sowohl in der Ausrüstung wie beim Personal – sehr vernünftig gesteigert worden. Entsprechend war der Rückschlag auch nicht so groß.

Auffallend ist, dass die Eigenkapitalquote vieler Betriebe so gut wie nicht gelitten hat.

Der Einbruch kam mit einer großen Wucht, ausgelöst durch die Finanzkrise. Die Unternehmen hatten dann große Sorgen vor einer der Kreditklemme, von der seinerzeit allenthalben die Rede war. Die ist dann nicht gekommen. Aber aus der Sorge um die befürchtete Kreditklemme haben die Firmenchefs genau das richtige getan. Sie haben ihren Kapitaleinsatz vermindert.

Wie?

Sie haben Maßnahmen ergriffen, um ihr Working Capital zu reduzieren, indem sie die Warenlager reduziert, besseres Forderungsmanagement betrieben oder sogar Forderungen verkauft haben. Diese Maßnahmen haben die Bilanzen verkürzt und dafür gesorgt, dass die Eigenkapitalquoten sich verbesserten.

Welche Rolle spielte das wirtschaftspolitische Umfeld?

Eine ganz wichtige. Die Politik, aber auch Gewerkschaften und Betriebsräte haben viel getan, um die Auswirkungen der Krise zu dämpfen. Das Kurzarbeitergeld hat vielen Unternehmen geholfen, ihre Mitarbeiter über die Durststrecke hinweg zu halten. Das gleiche gilt für die Flexibilisierung durch Arbeitszeitkonten. Diese Möglichkeiten entlasteten die Liquidität der Betriebe. Und das hilft jetzt dem Mittelstand im Aufschwung. Weil die Unternehmen die Mitarbeiter nicht entlassen haben, können sie bei steigenden Aufträgen schneller mitziehen.

Sie hatten gesagt, es habe keine Kreditklemme gegeben. Verbände und die Politik sahen das zeitweise anders. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz in der Wahrnehmung?

Eine Kreditklemme hat es tatsächlich nicht gegeben, jedoch in einigen Fällen eine Bonitätsklemme. Wenn die Bonität so schwach ist, dass die Banken Unternehmen nicht mit Krediten versorgen können, dann ist das ein ganz anderes Thema. Eine allgemeine Kreditklemme sehe ich deshalb auch heute nicht.

Ist der deutsche Mittelstand im internationalen Vergleich stärker geworden?

Ganz klar. Weil die Unternehmen gut über die Krise gekommen sind, partizipieren sie jetzt überdimensional am Aufschwung. Verstärkt wird dieses Moment durch die Exportorientierung des deutschen Mittelstandes. Der Anstieg des Dollars im Frühjahr hat diesen Effekt noch unterstützt.

Hält der konjunkturelle Rückenwind weiter an?

Die Monate April bis einschließlich Juni waren ausgesprochen gut. Allerdings dürfte das zuletzt gesehene Wachstumstempo nicht auf Dauer zu halten sein. Insgesamt erwarten wir für dieses Jahr einen sehr respektablen Anstieg des BIP von 3,3 Prozent – und gehen in der nahen Zukunft davon aus, dass sich das Wachstumstempo zwischen 1 und 2 Prozent einpendeln wird.

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