100 Prozent Grupp: Deutsche Firmen mitverantwortlich für Tote in Bangladesh

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"Made in Bangladesh" - Deutsche Unternehmen haben mit dem Ansatz, immer billiger produzieren zu wollen, den Nährboden für Vorfälle wie in Bangladesh geschaffen.

Kolumne von Wolfgang Grupp

Für einen Unternehmer ist es unwürdig, aus einem armen Entwicklungsland das Maximum herauszupressen, um hier möglichst billig zu verkaufen. Deshalb müssen alle Missstände ans Licht.

Die mehr als 1.200 Toten in der Textilfabrik in Bangladesh, die vor kurzem wegen schwerer Baumängel zusammenbrach, geht uns alle an - vor allem aber die deutschen Unternehmen. Ein armes Land wie Bangladesh kann gar nicht frei entscheiden, was und wie es produziert. Sie haben kein Geld und keine Arbeitsplätze. Deswegen können sie nur das machen, was ihre Kunden wollen. Natürlich würden sie sicher gerne Qualität zu höheren Preisen und damit auch mit höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen produzieren. Wenn die Kunden, sprich die Handelsketten hierzulande oder im Westen, aber maximal billig einkaufen wollen, was bleibt den Unternehmen dort dann anderes, als jeden Cent herauszupressen?

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Das Übel liegt allerdings tiefer. Wenn Unternehmen in Deutschland über Jahre hinweg nur nach einem getrachtet haben, nämlich Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, dann haben sie dadurch den Nährboden für Vorfälle wie in Bangladesh geschaffen. Der Ansatz, immer billiger produzieren zu wollen, ist das Problem. Davon müssen wir wegkommen. Wir müssen zurück zur Verantwortung des Unternehmers für die Löhne und gute Arbeitsbedingungen. Das ist mein Credo.

Dass es erst 1.200 und mehr Tote geben musste, damit sich  deutsche und internationale Händler jetzt einem Abkommen der Organisation Saubere Kleidung für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kontrollen unterwarfen, ist Ausdruck ihrer bisherigen unglaublichen Verantwortungslosigkeit: auf Biegen und Brechen die Produzenten zu Niedrigstpreisen zu pressen. Damit nutzen Sie die Notlage der Leute und eines ganzen Landes aus. Das führt dazu, dass es zu solchen Missständen kommt. Da kann man nur begrüßen, dass es Organisationen und Medien gibt, die das aufdecken. Wir müssen aber aufpassen, dass es am Schluss nicht nur eine Scheinheiligkeit der internationalen Händler ist, die sich mit dieser Zertifikation reinwaschen wollen, ihre eingeschalteten Subunternehmer aber weiterhin agieren wie bisher und die eventuell höheren Einnahmen in die falschen Hände fließt.

Wege zum sauberen Textilimport

  • Direkteinkauf

    Textilriesen kaufen Kleidung meist über Importeure. Die Dienstleister im Dunkeln knabbern zwar an den Margen – ihnen können sie aber bei Skandalen die Verantwortung aufladen. Wer das vermeiden will, muss die Lieferkette in Eigenregie kontrollieren.

  • Mehr Transparenz

    Lieferanten in Ländern wie Bangladesch wickeln ihre Bestellungen oft über Partnerfirmen ab, die in bedeutend schlechterem Zustand sind als die Vorzeigefabriken. Wer seine Verantwortung ernst nimmt, muss in diese Subfabriken Kontrolleure schicken und Kunden deren Namen nennen können.

  • Lokale Präsenz

    Echten Einblick in die Arbeitsbedingungen bekommen nur eigene Mitarbeiter der Modeunternehmen, die ständig vor Ort sind. Jedes Label sollte daher ein Team aus entsandten und lokalen Einkäufern, Beratern und Kontrolleuren im Lieferland aufbauen.

  • Beratung für Lieferanten

    Der Glücksfall ist die Arbeit mit Lieferanten, die ihren Hauptkunden als Partner verstehen – und sich mit dessen Hilfe weiterentwickeln wollen. Das erfordert Vertrauen auf beiden Seiten und viel Zeit. Hilft ein Modekonzern seinen Lieferanten, die Produktivität zu verbessern, steigt auch dessen Bereitschaft zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

  • Lobbying vor Ort

    Label wie H & M, C & A, Kik oder Tommy Hilfiger importieren solche Mengen aus Bangladesch, dass sie über gewaltigen Einfluss verfügen – theoretisch. Praktisch arbeitet jeder für sich, statt gemeinsam am runden Tisch mit der Regierung nach besseren Gesetzen zu verlangen. Auch politischer Druck ist rar, obwohl gerade Deutschland in Entwicklungsländern viel Respekt genießt.

Wir Unternehmer müssen uns fragen, ob wir in einem Hochlohnland berechtigt sind, Geld zu verdienen, indem wir Menschen in armen Ländern in solche missliche Situationen bringen. Ich darf doch andere nicht rigoros ausnutzen, weil ich Geld verdienen will. Ich selber schwöre Zeit meines Lebens auf den Grundsatz: Wenn es mir gut gehen soll, muss es auch meinem Umfeld gut gehen.

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