100 Prozent Grupp: Die Anwerbung ausländischer Kräfte ist riskant

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kolumne100 Prozent Grupp: Die Anwerbung ausländischer Kräfte ist riskant

Kolumne von Wolfgang Grupp

Erst bildeten sie nicht genügend aus, nun wollen sie ihre Lücken mit Personal aus Südeuropa schließen. Deutsche Unternehmen, vor allem Mittelständler, sollten sich vorsehen und in Nachwuchs aus ihrer Region investieren.

Die Not scheint groß. In Mainz sollen spanische Erzieherinnen in Kindertagesstätten eingesetzt werden, die zur Zeit noch kein Deutsch sprechen. Dazu sollen sie die erfolgreiche Absolvierung eines Deutsch-Kurses vorweisen. Auch wenn es gerade für Kinder mit Migrationshintergrund besser wäre, von Erzieherinnen in perfektem Deutsch betreut zu werden: Ich finde, lieber von Spanierinnen mit nicht ganz so guten Deutsch-Kenntnissen betreut werden, als gar nicht. Auch können Erzieherinnen aus anderen Ländern Weltoffenheit vermitteln und sicherlich positiv auf den Werdegang des Kindes wirken.

Offenbar fehlen auf dem deutschen Arbeitsmarkt Kräfte, die sofort für die erforderlichen Aufgaben einsetzbar oder für bestimmte Ausbildungsplätze geeignet sind. Das kann unter anderem daran liegen, dass in der Vergangenheit zu wenig ausgebildet wurde, um den heutigen Bedarf zu decken. Die Verantwortlichen, die vor einigen Jahren den Kindergärtnerinnen keinen Arbeitsplatz anbieten konnten, haben nicht bedacht, dass vielleicht einmal flächendeckend ganztägige Kinderbetreuung angeboten werden muss.

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So nutzen Mittelständler ihre Stärken im Wettbewerb um Fachkräfte

  • Ganz oben auf der Wunschliste: spannende Arbeitsinhalte

    Diese Einschätzung stimmt allerdings nur zum Teil. Auf die Frage, welche Kriterien bei ihrer Jobauswahl eine Rolle spielen, landeten ein angenehmes Betriebsklima und interessante Arbeitsinhalte an erster Stelle der Wunschliste der potenziellen Bewerber (jeweils 8,7 Punkte auf einer Skala von eins bis zehn).

    Für die Studenten spielen außerdem Arbeitsplatzsicherheit (7,9 Punkte), gute Karrierechancen (7,8 Punkte) und eine gute Bezahlung (7,7 Punkte) eine wichtige Rolle bei der Auswahl ihres künftigen Arbeitgebers. Die Unternehmensgröße ist den meisten nicht so wichtig (4,3 Punkte). Auch der Standort und das Image des Unternehmens sind für viele Bewerber nicht ausschlaggebend (jeweils 6,6 Punkte).

  • Mittelständische Unternehmen sind attraktiv für Bewerber

    Vieles deutet darauf hin, dass der Mittelstand und Familienunternehmen nicht stärker vom Fachkräftemangel betroffen sind als Großkonzerne. Denn fast 80 Prozent der Studenten planen, sich sowohl bei mittelständischen als auch in großen Unternehmen zu bewerben. Nur elf Prozent wollen ausschließlich bei Großunternehmen arbeiten; neun Prozent sind nur auf mittelständische Unternehmen fokussiert.

  • Bewerber erhoffen sich gutes Betriebsklima und Verantwortung

    Die Studenten, die mittelständische Unternehmen als eher attraktiv bewertet haben, wurden gebeten, eine Begründung für ihre Einschätzung zu geben. Auf die (ungestützte) Frage gaben 28,8 Prozent an, dass sie kleinere und mittelständische Unternehmen besonders schätzen, weil sie familiär und weniger anonym sind und dort ein besseres Betriebsklima erwarten. Außerdem erhoffen sie sich mehr Verantwortung und Freiräume (16,4 Prozent) sowie eine größere Anerkennung ihrer Leistungen (12,3 Prozent). Elf Prozent wissen die flacheren Hierarchien und Strukturen zu schätzen. Auf diese Vorteile sollten Mittelständler und Familienunternehmen in ihrer Kommunikation mit (potenziellen) Bewerbern eingehen.

  • Gehalt muss stimmen

    Aus Sicht der befragten Studenten könnten Mittelständler noch attraktiver werden, wenn auch die Verdienstmöglichkeiten wettbewerbsfähig sind. Das sagen 23 Prozent der Befragten. Sie glauben auch, dass Werbung, gute Öffentlichkeitsarbeit und ein informativer Internetauftritt dazu beitragen können, die Attraktivität eines mittelständischen Unternehmens zu steigern. "Daran sollten Familienunternehmen und Mittelständler arbeiten und sich – wenn nötig – professionelle Unterstützung holen", empfiehlt Dr. Peter Bartels.

  • Kontakte knüpfen – über Praktika und Abschlussarbeiten

    Um viele Bewerbungen von hochqualifizierten Absolventen zu bekommen, sollten Unternehmen früh mit den potenziellen Bewerbern in Kontakt kommen. Das geht beispielsweise, indem sie Studenten anbieten, ihre Abschlussarbeit in Kooperation mit dem Unternehmen zu schreiben. Für über 90 Prozent der befragten Bewerber ist dieses Angebot attraktiv. Die Möglichkeit, sich intensiv kennen zu lernen, bevor ein festes Arbeitsverhältnis geschlossen wird, bieten natürlich auch studienbegleitende Praktika.

    Darüber hinaus sollten Unternehmen Studenten gezielt ansprechen. Zum Beispiel über Stipendienprogramme, Recruiting-Veranstaltungen oder auf Jobmessen. "In der Kommunikation mit den möglichen Bewerbern sollten sich mittelständische Unternehmen darauf konzentrieren, die Bewerber gut zu informieren – und zwar zu den Punkten, die ihnen bei der Jobwahl am wichtigsten sind, also zu den genauen Arbeitsinhalten sowie Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten", so die Empfehlung von Dr. Peter Bartels.

    Allerdings müssten sich Unternehmen auch bewusst sein, sagt Bartels, dass Informationen nicht ausreichen. Sie müssen den künftigen Kollegen auch etwas bieten können: Und dazu zählen in jedem Fall ein wettbewerbsfähiges Gehalt und gute Karrierechancen.

Ich erinnere mich noch an die Diskussion vor einigen Jahren über den Mangel an Lehrstellen in Deutschland. Da gab es Unternehmer, Manager und Politiker, die behaupteten, die Ausbildung sei zu teuer in Deutschland.

Diesem Argument habe ich immer heftig widersprochen. Denn wenn jemand behauptet, Ausbildung sei ihm zu teuer, dann sagt er damit im Grunde, dass er in Zukunft keine neuen ausgebildeten Mitarbeiter mehr braucht. Ich wusste immer: Wenn ich nicht ausbilde, egal was es kostet, dann bekomme ich nirgendwoher den ausgebildeten Nachwuchs, den ich brauche.

100 Prozent Grupp Kein Recht zu jammern

Es wird schwer für Mittelständler, sich im Kampf mit den Konzernen um den schwindenden Nachwuchs durchzusetzen. Da hilft nur, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp am Firmensitz in Burladingen im Zollernalbkreis. Quelle: dpa/dpaweb

Vor allem ich als Mittelständler kann nicht damit rechnen dass andere Unternehmen ausbilden und ich mich dann derer Leute bedienen kann. Wenn, dann funktioniert das höchstens umgekehrt. Das heißt, ich muss fürchten, dass mir andere vielleicht größere Unternehmen meine frisch Ausgebildeten abwerben. Und darauf zu hoffen, dass jemand aus Hamburg oder München zu einem Mittelständler auf dem Lande kommt, verbietet sich sowieso. Ausbildung muss deshalb in einem Unternehmen, vor allem einem mittelständischen, an erster Stelle stehen.

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